Während Jahrzehnten haben die kleinen, verschwiegenen Privatbanken mit ihren gepflegten Empfangsräumen das Bild des Bankenplatz Schweiz geprägt. Nun geht vielen von ihnen langsam die Luft aus.

Bis die Finanzkrise ausbrach, liefen die Geschäfte der oft traditionsreichen Finanzinstitute fast von alleine und gut. Dann aber ist ihr bisheriges Geschäftsmodell gehörig aus den Fugen geraten. So müssen die Privatbanken inzwischen wie die ganze Finanzbranche mit immer mehr und und immer höheren Anforderungen zurecht kommen.

Weissgeld ist teuer

Teuer bezahlen die Schweizer Privatbanken dabei insbesondere für den Nachweis, dass ihre Kunden die Vermögen auf den Konti auch versteuert haben. Die Kosten für die Überprüfung von Kundenbeziehungen und für andere regulationsbedingte Anpassungen von Systemen drücken die Gewinne genau so, wie die derzeit schwierigen Marktbedingungen die Erträge dämpfen.

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Über ein Drittel der Privatbanken in der Schweiz hat 2013 denn auch rote Zahlen geschrieben. Dies zeigt eine Auswertung der Geschäftsberichte von 94 Privatbanken durch das Beratungsunternehmen KPMG und die Universität St. Gallen. Aber auch um viele Institute mit schwarzen Zahlen steht es alles andere als gut.

So ist die durchschnittliche Profitabilität der untersuchten Banken im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Gemäss der veröffentlichten Studie betrug die Eigenkapitalrentabilität gerade einmal noch 3,3 Prozent. In den Jahren davor hatte diese immerhin noch bei rund 4 Prozent gelegen.

Damit dürften die Eigentümer kaum zufrieden sein. Von einer risikogerechten Verzinsung des Kapitals könne man bei grösseren Privatbanken ab 8 Prozent Rendite sprechen, bei kleineren ab 10 Prozent, erklärte KPMG-Experte Christian Hintermann am Mittwoch an einer Medienkonferenz. Vor der Finanzkrise waren solche Renditen auch noch gang und gäbe: 2006 etwa betrug der Gewinn der Privatbanken gemessen am eingesetzten Kapital durchschnittlich noch 13,9 Prozent.

Steuerstreit lastet auf Bilanzen

Letztes Jahr die Rentabilität zusätzlich gedrückt haben die Rückstellungen im Zusammenhang mit unversteuerten Geldern von US-amerikanischen Kunden. Allerdings wird dieser Effekt auch im laufenden Jahr die Bilanzen der Privatbanken trüben. «Wir gehen davon aus, dass die bisher gemachten Rückstellungen nicht ausreichen werden», sagte Hintermann.

Viele Banken haben gemäss Studie erst Rückstellungen für anfallende Kosten zur Beilegung des Steuerstreits gebildet, aber noch kein Geld für allfällige Bussen beiseite gelegt. Gewisse Institute haben sogar noch gar keine oder nur sehr kleine Rückstellungen gebildet.

Eine Antwort auf die wegbrechenden Erträge und die neuen Aufwendungen haben die Privatbanken offenbar noch nicht gefunden. Die laufenden Kosten zu senken gelingt den Banken jedenfalls nicht. Gemäss KPMG bleibt speziell der grösste Kostenblock - die Personalkosten - unverändert stehen.

«Die Personalkosten zu senken scheint für die Privatbanken schwierig zu sein», stellte Hintermann fest. Einerseits sei der Personalbedarf durch die neuen regulatorischen Anforderungen grösser geworden. Anderseits seien Fachleute eher rar und die Angst, gute Mitarbeiter zu verlieren, hoch. Beides halte die Löhne auf hohem Niveau.

Konsolidierung läuft

Obwohl insbesondere die kleinen Privatbanken, die weniger als 5 Mrd. Fr. Kundengelder verwalten, nur noch wenig Geld abwerfen oder gar Verluste schreiben, stellt das Beratungsunternehmen KPMG eine «relativ grosse Passivität im strategischen Handeln» fest, wie es Philipp Rickert, der bei KPMG für den Finanzsektor zuständig ist, vor den Medien ausdrückte.

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Die Konsolidierung auf dem Markt ist zwar am Laufen - von 2006 bis 2012 ist die Zahl der Privatbanken in der Schweiz um 43 auf 148 gesunken und 2013 sind weitere 9 Institute verschwunden. Zusätzlich sind im laufenden Jahr bereits zahlreiche Privatbanken oder deren Kundenbestände verkauft worden - so zum Beispiel die grosse Banca della Svizzera Italiana (BSI) an die brasilianische BTG Pactual.

Weiterhin sieht KPMG aber jede dritte Privatbank der Schweiz in der Abwärtsspirale von wegbrechenden Erträgen, steigenden Kosten und sinkenden Gewinnen gefangen. Und eine ähnlich grosse Zahl hat bisher lediglich den Rentabilitätsrückgang stoppen können, den Schritt in die Zukunft aber noch nicht geschafft.

«Viele Besitzer sind offenbar noch nicht an den Punkt gelangt, dass sie aktiv eingreifen und eine Vorwärtsstrategie für ihre Bank erzwingen», stellte Rickert fest. Optionen für die kleinen Institute gibt es derweil verschiedene: So könnten sich kleine Institute zusammenschliessen oder Kooperationen mit ausländischen Akteuren eingegangen werden.

«Je länger man wartet, desto schwieriger ist es aber, eine eigenständige Lösung zu erzielen», hielt Rickert fest. Und so dürften auch in den nächsten Jahren weiterhin Bankinstitute verkauft oder liquidiert werden, weil ihnen aufgrund steigenden Kosten und sinkender Erträge die Luft ausgegangen ist.

(sda/chb)