Nanotechnologie macht sich daran, die nächste technische Revolution auszulösen. Marktstudien beziffern das Volumen, das mit der Zukunftstechnologie im nächsten Jahr umgesetzt wird, auf bereits über 200 Mrd Dollar. Das jährliche Wachstumspotenzial wird von der Credit Suisse je nach Sektor auf 10 bis 25% geschätzt. Das macht auch Investoren hellhörig.

Viele Chancen auf kleinem Raum

Wichtigste Wachstumstreiber sind die globale Bevölkerungszunahme, die zunehmende Knappheit von Wasser und Rohmaterialien sowie die Erderwärmung. Nanotechnologische Prozesse erfolgen im Bereich von einem bis zu hundert Nanometern. Um sich über die Grössenverhältnisse im Klaren zu sein, hilft folgender Vergleich: Ein Nanometer verhält sich zu einem Millimeter so wie ein Fussball zur Erde.

Bereits heute werden durch passive Nanoanwendungen Autolacke kratzresistenter gemacht oder Fensterglas so behandelt, dass Wasser abperlt wie Regen von einem Lotusblatt. Aktive Nanostrukturen, etwa bei Medikamenten, sind ebenfalls bereits im Einsatz. Der zielgerichtete Wirkstofftransport verspricht dort interessante Resultate.

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Damit ist die Nanotechnologie noch nicht ausgereizt. «In KarbonNanoröhrchen liegt ein riesiges Potenzial», so Miroslav Durana, Nanotechnologieexperte bei Credit Suisse. Diese leichten, sehr robusten und stromleitenden Kohlenstoffröhrchen bieten verschiedene Einsatzmöglichkeiten, etwa in der Elektrotechnik. Bereits abzusehen ist der Einsatz von organischen Leuchtdioden (OLED). Sie bilden die Grundlage der nächsten Generation von Flachbildschirmen. Auch in der Licht- und Informationstechnologie ergeben sich interessante Anwendungen.

Risikoabwägung zentral

Mit der grösseren Verbreitung von Nanoprodukten nehmen auch die Risiken zu. Nanopartikel könnten auch unerwünschte Wirkungen entfalten. Auch bereits verwendete Produkte sind diesbezüglich noch nicht vollumfänglich abgeklärt. «Ein höheres Risikopotenzial aus Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitssicht weisen freie synthetische Nanopartikel und -materialien auf, die etwa in Kosmetika, in Reinigungsmitteln oder Farben eingesetzt werden», so René Nicolodi, Nachhaltigkeitsanalyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Nanomaterialien können, beispielsweise über Sonnencremes, in den menschlichen Organismus gelangen und sich dort als gefährlich erweisen. «Anleger, die ge-mäss aktuellen Erkenntnissen Risiken im Umwelt-, Gesundheits- und Sicherheitsbereich eher meiden möchten, setzen auf Nanotech-Unternehmen, die Produkte entwickeln, in denen synthetische Nanopartikel und -materialien in gebundener Form enthalten sind», so Nicolodi.

Umso wichtiger ist es, dass die Forschung in diesem Gebiet in wirtschaftlich schwierigen Phasen nicht zurückgefahren wird. «Die Fördermittel von staatlichen Institutionen sind bereits bewilligt, und Unternehmen können es sich gar nicht erlauben, nicht in diesem Gebiet zu forschen», so Miroslav Durana, Nanotechnologieexperte bei der Credit Suisse. Unternehmen können sich der Technologie nicht verschliessen, weil sie sonst von der Konkurrenz abgehängt werden könnten.

Schweizer Werte vorne dabei

Auch Schweizer Unternehmen wie der Technologiekonzern OC Oerlikon sowie die Hersteller von Spezialchemie Ciba und Clariant setzen auf Nanotechnologie. «Die Entwicklungsanstrengungen von BASF und Ciba werden zusammengeführt, das ist positiv für die Forschung», so Durana.

Bei OC Oerlikon liegt der Fokus in der Nanotechnologieforschung in der Herstellung von dünnschichtigen Solarpanels. Auch Sia Abrasives sieht das Potenzial von Nanotechnologie für den Einsatz in der Schleiftechnik (siehe «Handelszeitung» Nr. 30 vom 23. Juli 2008). Beim neu zur Bosch-Gruppe gehörenden Schleifmittelhersteller hat man es sich zum Ziel gesetzt, neue technologische Entwicklungen mit Schleiftechnik zu begleiten oder Anwendungen bei sehr harten Nanooberflächen zu entwickeln.

Mit Vorsicht investieren

«Ein Investment in Nanotechnologie sollte diversifiziert erfolgen», so Nicolodi von der ZKB. Bekannte Namen mit einer genügend grossen Kapitalreserve sollten im Vordergrund stehen. Der DNA-Analysechiphersteller Illumina passt in dieses Schema. Die Aktie hat seit Jahresbeginn rund 6% zugelegt. 86% der Analysten empfehlen sie derzeit zum Kauf.

Investitionen in kleine, auf Nanotechnologie spezialisierte Unternehmen sind mit einem gewissen Risiko behaftet und können extremen Kursbewegungen ausgesetzt sein ? dies auch deshalb, weil kleine Werte die Rezession oft stärker spüren. Dennoch sehen Analysten gerade in Unternehmen, die auf Nanotechnologie basierende Lösungen für den Gesundheitsbereich entwickeln, Chancen. So etwa beim US-Pharmaunternehmen Amag Pharma oder dem Impfstoffhersteller Novavax.