«Die Konzentration auf dem Krankenkassenmarkt Schweiz wird noch weiter zunehmen», sagt Manfred Manser, CEO Helsana, gegenüber der «Handelszeitung». Derzeit sind rund 80 Krankenkassen zugelassen. Doch längst nicht alle sind profitabel. Bereits heute droht einzelnen Kassen, wegen des unrentablen Geschäftsmodells eine unterjährige Prämienerhöhung vornehmen zu müssen. Diese Kassen werden derzeit vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) begleitet.

BAG beaufsichtigt Kassen enger

Bereits Ende Januar liess der Helsana-CEO verlauten, dass die finanzielle Situation einzelner Kassen vom BAG genauer beobachtet werde. Um welche es sich dabei handelt, lässt sich momentan nicht festmachen. Allerdings bestätigt das BAG den Beobachtungsvorgang. «Krankenversicherer, bei denen wichtige Kennzahlen auf finanzielle Schwierigkeiten hindeuten, werden enger beaufsichtigt», sagt Mediensprecher Daniel Dauwalder. Mit der Begleitung des BAG umgeht der Bund eine Bereininung des übersättigten Krankenkassenmarktes. Allerdings droht einer Kasse, die in eine finanzielle Notlage gerät, nicht das sofortige Aus. «Das BAG sorgt beispielsweise mit der Aufforderung zu einer unterjährigen Prämienerhöhung, dass ein solcher Vorgang nicht stattfindet», sagt Manser.

Allerdings würden mit der Zeit besonders die kleineren Kassen von grossen Krankenkassen-Gruppen geschluckt. «Ich gehe davon aus, dass in Zukunft der Markt von vier bis sechs grossen Gruppen dominiert wird», sagt Manser. Kleine, autonome Kassen hätten langfristig kaum eine Chance.

Um bei den stetig steigenden Prämienerhöhungen vor allem junge Versicherte bei der Stange halten zu können, haben einzelne Kassen neue Formen von Versicherungspaketen innerhalb der obligatorischen Krankenversicherungspflege (OKP) geschnürt. So beispielsweise das Modell Compact One der Sanitas oder von Maxi.ch, einer Unterkasse der Helsana.

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Dabei ist der Versicherte gezwungen, vor einem Arztbesuch erst via Hotline einen Ratschlag einzuholen. Mit dem Kunden wird besprochen, wo und wie er sich bei welchem Arzt oder Spital zu melden hat. Zudem erhält der Kunde viele Dienstleistungen nicht über einen Sachbearbeiter, sondern muss sich selbstständig informieren, etwa über das Internet.

Durch die Überwachung des Kunden und den Wegfall einiger administrativer Kosten können dem Kunden geringere Prämien in Rechnung gestellt werden. Allerdings hätten solche Produkte auch bei der vergangenen massi-ven Prämienerhöhung noch wenig Anklang gefunden. «Der Markt für solche Produkte wird nie über 10% des Krankenversicherungsmarktes hinausgehen», sagt Manser.

Unbestritten ist jedoch, dass besonders in der OKP vermehrt Wettbewerb lanciert werden muss. «Derzeit werden neben dem heutigen klassischen Versicherungsmodell noch zwei weitere diskutiert», sagt Manser.

So soll neben dem Tele-Modell auch das sogenannte Managed Health Care lanciert werden. Da-bei sollen über Health-Maintenance-Organization-Modelle (HMO), Gesundheitszentren oder Ärztenetzwerke, in denen ein Vertrauensarzt die Zusammenarbeit mit Spezialisten koordiniert, die Kosten reduziert und die Behandlungsqualität verbessert werden. Weiter würde der heutige Selbstbehalt von 10 auf 20% erhöht werden, falls sich ein Versicherter gegen das Managed-Care-Modell entscheidet. Und die Selbstbehalts-Obergrenze wird anstatt bei heute 700 Fr. auf 1400 Fr. angesetzt.

Wettbewerb muss mehr spielen

Diese Ansätze würden jedoch die zu Diversifizierungszwecken gegründeten günstigeren Unterkassen nicht konkurrenzieren. «Aufgrund der drei in Diskussion befindlichen Ansätze in der OKP sind die Angebotsmarken nicht in Frage gestellt», sagt Manser. Vielmehr komme es auf den Spielraum in der Ausgestaltung der Produkte und der Prämien an, den das Parlament den Versicherern zugestehen würde.

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