Beinahe jede Woche bläst eine Schweizer Bank zum Eroberungsfeldzug in Deutschland. Mit dem Ende des Bankgeheimnisses sind die helvetischen Geldhäuser auf neue Ertragsquellen angewiesen. Der grosse Nachbar soll sich dabei als gelobtes Land erweisen. Tatsächlich aber ist die Bundesrepublik ein hartes Pflaster.

Die UBS galt noch vor fünf Jahren als erste Adresse für deutsche Superreiche. Seit der Finanzkrise schreibt die Grossbank in Deutschland aber rote Zahlen. Auch die Credit Suisse kennt die Tücken des Marktes. Vor zehn Jahren erlitt sie mit ihren durchgestylten Filialen an bester Passantenlage Schiffbruch.

Trotzdem lockt in der viertgrössten Volkswirtschaft der Welt der grösste Private-Banking-Markt Kontinentaleuropas. Zwischen Konstanz und Flensburg zählt man 430 000 Millionärshaushalte. Das macht Deutschland für expansionshungrige Banken attraktiv. Aber der deutsche Markt ist hart umkämpft, stark fragmentiert und wenig dynamisch. Er wächst nur noch langsam, weil die grossen Vermögen längst vor allem in Asien geschaffen werden. Die Margen fallen entsprechend schnell. In den letzten zwei Jahren verringerten sie sich im europäischen Onshore Banking von 35 auf 17 Basispunkte. In Deutschland fielen sie auf 12, wie eine Studie von McKinsey besagt.

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Was die Expansion in Deutschland kostet, verraten Schweizer Banken wie etwa Julius Bär nicht. Doch die Präsenz vor Ort bedingt gute Kundenberater und Ableger an guten Lagen. Das geht schnell in die Millionen. Angesichts der mageren Resultate dominiert bei den meisten Instituten das Prinzip Hoffnung.

Die UBS handelt. Im Herbst 2008 übernahm sie den Anteil der konkursiten Lehman Brothers an einem imposanten Hochhaus mitten in Frankfurt und zog auf 20 Etagen ein, von wo die Kunden auf die Zwillingstürme der Deutschen Bank blicken konnten. Nun hat die UBS ihre Prachtsimmobilie für 550 Millionen Euro verkauft. Dies sei stets der Plan gewesen, heisst es offiziell. Der Tower gehört jetzt unter anderem dem Staatsfonds Singapurs - dem drittgrössten Aktionär der UBS.