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LafargeHolcim
Kleinkrieg in der Chefetage

Eric Olsen und Beat Hess an der GV 2017
Schlechtes Arbeitsklima: Eric Olsen und Beat Hess anlässlich der GV 2017 Quelle: Keystone

Misstrauen, Seilschaften und Ablenkungsmanöver. Die Untersuchungsakten aus Paris zeigen vor allem eines: die Lafarge-Altlasten sind beim Rapperswiler Zementgiganten immer noch nicht verdaut.

Kommentar  
Von Marco Brunner
am 18.05.2018

Selten kommen Dokumente zum Vorschein, welche die innere Mechanik im Topkader von Konzernen so genau beleuchten wie im Fall Lafarge Holcim – dank den französischen Untersuchungsbehörden, welche Lafarge vor seiner Fusion mit Holcim wegen möglicher Terrorismusfinanzierung genauer anschauen.

Die Verhörprotokolle offenbaren die Strategie des gefallenen Lafarge Holcim-Chefs Eric Olsen, der von der eigenen Person ablenken und andere ins Scheinwerferlicht rücken will. Verantwortung wird da plötzlich zu einem hin- und herschiebbaren Attribut. Das steht keinem Führungsmitglied gut an.

Die Rolle von VR Sawiris

Die Unterlagen zeigen aber auch, dass im Verwaltungsrat des Rapperswiler Zementriesen Altlasten aus Lafarge-Zeiten immer noch nicht ganz verdaut sind. Zum einen ist da die Rolle von Nassef Sawiris, der das politisch exponierte Syrien-Werk an die Franzosen verkauft und Olsen lange auch im Verwaltungsrat von Lafarge Holcim unterstützt hatte. Da haben sich Seilschaften gebildet. Eine vertiefte Due Diligence der von Lafarge übernommenen Sawiris-Aktiven (Orascom Construction) gab es nie, als Holcim später mit Lafarge zusammenging. In der Pflicht hätten da die Holcim-Manager Rolf Soiron und Wolfgang Reitzle gestanden.

Aufräumen musste schliesslich Beat Hess als Verwaltungsratspräsident des fusionierten Grossprojekts. Es bleibt zu hoffen, dass die Konzernleitung künftig stärker an einem Strang zieht. Das könnte nötig werden. Die französischen Untersuchungen sind noch lange nicht beendet.

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