Auf dem Schweizer Bankenplatz ist ein Kleinkrieg zwischen den Banken entbrannt. Während einige Kantonalbanken mit der Staatsgarantie werben, positioniert sich die Berner Valiant Bank mit dem Slogan «Solide Banken braucht die Schweiz». Am vergangenen Wochenende nun liess die Bankiervereinigung via Presse ausrichten, dass «die momentan angespannte Situation» auf dem Schweizer Finanzplatz «nicht von einzelnen Instituten ausgenützt werden sollte».

Bei der Graubündner Kantonalbank (GKB) sorgen diese Aussagen für Kopfschütteln: «Ich sehe nicht ein, weshalb wir nicht zu unseren Werten stehen sollten», sagt GKB-CEO Alois Vinzens gegenüber der «Handelszeitung». Wenn man jetzt den Kantonalbanken mangelnde Solidarität zur Bewältigung der Finanzkrise vorwerfe, lenke man von den wichtigen Fragen ab.

Hanspeter Hess, Direktor des Kantonalbankenverbandes, weist gar darauf hin, dass sich einzelne Kantonalbanken nicht zuletzt durch die intensivierte Marketingoffensive der Raiffeisenbanken genötigt sahen, stärker auf die Sicherheit und dabei auch das Element der Staatsgarantie hinzuweisen.

Schadenfreude im Geheimen

Die Werbeaktionen von Valiant & Co. kommen nicht von ungefähr. Hinter vorgehaltener Hand beschweren sich Vertreter kleinerer Banken seit längerem über die hiesigen Grossbanken, deren Auftreten wurde als arrogant und herablassend empfunden. Nun ist die Schadenfreude über die Niederlage am Paradeplatz umso grösser.

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«Die Resonanz auf unseren Slogan war so gross wie noch nie», sagt Kurt Streit, CEO der Valiant. Dass dies die angeschlagenen Grossbanken möglicherweise noch stärker in Bedrängnis bringen könnte, sieht Streit anders: «Jede Bank, deren Geschäft gut geht, würde sich als solide bezeichnen.»

Das neue Selbstbewusstsein bei den kleinen Instituten passt nicht allen ? selbst im eigenen Lager mahnt man mittlerweile zur Zurückhaltung. Roland Ledergerber, CEO St. Galler Kantonalbank (SGKB), sagt auf Anfrage: «Solche Werbung ist zwar erlaubt ? ich bin aber der Meinung, dass dies in der jetzigen Lage nicht gut ist, weil es die Verunsicherung gegenüber den betroffenen Banken fördert und damit die Unruhe im Markt weiter anheizt.» Es müsse doch jetzt darum gehen, Druck aus dem System zu nehmen, anstatt diesen noch zu erhöhen. «Für die SGKB ist es daher nicht opportun, die Staatsgarantie gegenüber Kunden in den Vordergrund zu stellen. Damit teilt er die Meinung von Raiffeisen-CEO Pierin Vincenz: «Eine solche Vorgehensweise ist unangebracht», sagt dieser. Vielmehr müsse sich der Finanzplatz Schweiz nun als eine Einheit präsentieren.

Schuss ins eigene Bein?

Staatsgarantie hin oder her ? ob die UBS tatsächlich mit den Werbemassnahmen weiter in Bedrängnis kommt, ist unklar.

Branchenkenner aus Regionalbanken weisen darauf hin, dass im Gegensatz zur Valiant-Marketingaktivität die Staatsgarantie bei den Kantonalbanken in keinem Bezug zur unternehmerischen Leistung stehe. Im Gegenteil: Damit zu werben könne allenfalls sogar schädlich sein. Gerate eine Kantonalbank ins Wanken, stelle ? wie es der Name schon sagt ? der Staat die Garantie. Sollte die UBS durch die jüngst gefahrenen Werbekampagnen der kleinen Banken indirekt weiter unter Druck gesetzt werden, müsste sich der Bund bei der UBS noch stärker engagieren. Das wiederum könne im Ernstfall die Stützung für die Kantonalbanken bedrohen.

UBS und CS verbessern Angebote

Wie angespannt die Situation bei der UBS ist, zeigt der gestern kommunizierte Vermögensabfluss im 3. Quartal 2008 (siehe Kasten). Die Kunden haben knapp 84 Mrd Fr. aus der Grossbank abgezogen. Daher erstaunt es auch wenig, dass die UBS derzeit alles unternimmt, um die bestehenden Kunden so gut als möglich bei der Stange zu halten. In der vergangenen Woche erhöhte sie den Zins auf Sparkonten auf 1% ? von bisher 0,875%. Was auf den ersten Blick nach einer ordentlichen Erhöhung aussieht, ist im Endeffekt aber lediglich eine Anpassung an den von den Konkurrenten gebotenen Zinssatz (siehe Tabelle).

Auf die Frage, ob die UBS weitere Massnahmen im Bereich Kundenanbindungsprogramme vornimmt, liess Mediensprecher Andreas Kern verlauten, dass derzeit keine weiteren Aktionen geplant sind, die Optionen aber geprüft werden.

Aber auch die Credit Suisse bemüht sich verstärkt um ihre Kundschaft. So räumt die CS ihren Kunden die Möglichkeit ein, neuerdings mit der Sparkontokarte an allen Bankautomaten Geld zu beziehen. Ebenfalls wurde das Online-Banking erweitert und somit auf einen neuen Sicherheitsstandard gebracht.

«Garantie für das System»

Vonseiten der Regionalbanken kommt der Vorwurf, dass die Grossbanken im Kampf gegen die Kundenabwanderung teilweise mit unangebrachten Konditionen werben. «Die Grossbanken arbeiten nicht mit marktkonformen Margen, die nun quasi staatlich garantiert sind», sagt Valiant-CEO Streit. So wurde auch der Credit Suisse staatliche Hilfeleistung in Aussicht gestellt. Raiffeisen-CEO Vincenz vergleicht die Situation mit einer Branche, in der bestimmte Unternehmen Subventionen erhalten und andere nicht: «Es besteht die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft», so Vincenz.

Entsprechend sind sich die beiden CEO einig, dass die momentane Situation um die Grossbanken auf die Dauer nicht bestehen bleiben darf. «Entweder ist die faktische Staatsgarantie vorübergehend, oder es muss bezüglich des Einlegerschutzes analog zum Ausland eine generelle Garantie des Systems ausgesprochen werden», sagt Streit.

 

 


UBS-Private- Banking USA: Bald verkauft?

Um das US-Geschäft der UBS ist es derzeit still geworden. Lange Zeit wurde darüber spekuliert, ob es zu Verkäufen kommt. Nun rückt gemäss Insidern eine Option ? der Verkauf des US-Private-Banking ? je länger, je mehr in den Vordergund. Allerdings dürften sich angesichts der in den USA noch immer schwelenden Finanzkrise nur schwer Käufer finden lassen. In den USA ist bereits eine Vielzahl von Finanzinstituten günstig zu kaufen.

Angeheizt wurde die Diskussion um einen solchen Verkauf bereits in der Mitte des laufenden Jahres. Damals unterzog Verwaltungsratspräsident Peter Kurer die UBS einer neuen Geschäftsstrategie. Dabei wurde die Grossbank in die drei Geschäftsbereiche Private Banking, Vermögensverwaltung und Investment-Banking aufgeteilt. Dank dieser Aufspaltung dürfte sich ein Verkauf wesentlich einfacher durchführen lassen. Das Amerika-Geschäft gilt innerhalb der UBS als eine der schwächsten Einheiten. So ist es der Bank bis heute nicht gelungen, das europäische On-Shore-Modell, das Geschäft mit inländischen Kunden in den USA, einzuführen. Das ist aber nur teilweise selbstverschuldet. In Bankenkreisen ist es bekannt, dass der Wealth-Management-Bereich, das Geschäft mit vermögenden Kunden, in den USA schwierig ist. Gerade als ausländische Bank.

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Auch der Rückzug der Grossbank aus dem Off-Shore-Banking mit US-Kunden schürt Verkaufsspekulation des Private Banking in den USA. Die Kunden wurden gebeten, ihre Gelder aus der Schweiz in eine UBS-Filiale in den USA zu transferieren.

Die Angst ist nun gross, dass so unzählige wohlhabende US-Kunden der UBS gänzlich den Rücken kehren. Dieser Umgang mit US-Kunden zusammen mit den Problemen der Bank mit den amerikanischen Justizbehörden haben dem Image der UBS in den USA nicht gerade genützt. (ck)