Die wirtschaftlich düstere Zeit und insbesondere die schweren Verluste an den Börsen haben nicht nur unsere privaten Ersparnisse erfasst und das Geld auf der hohen Kante dezimiert. Auch das sonst als stabil gepriesene Vorsorgesystem ist von den Korrekturen nicht verschont geblieben. Wer mit dem Gedanken spielt, vorzeitig in den Ruhestand zu treten, muss sich deshalb noch sorgfältiger mit den finanziellen Konsequenzen auseinandersetzen. Denn ein solcher Schritt ist ohnehin immer eine kostspielige Angelegenheit. Die lebenslang tieferen Leistungen aus AHV und Pensionskasse führen zu einem massiven Bedarf an Vorfinanzierung, der sich im jetzigen Umfeld noch zuspitzt. Doch eines vorweg: In schwierigen Situationen gilt es vorerst kühlen Kopf zu bewahren und die neue Ausgangslage möglichst ruhig und sachlich zu analysieren. Unmittelbarer Überaktivismus ist oft nur Nährboden für Fehlentscheide.

Derzeit sollten angehende Frühpensionäre genau abschätzen, inwiefern sich die eigene finanzielle Situation und die Vorsorgeleistungen wegen den Verlusten an den Finanzmärkten verändert haben. Ob allfällige Lücken zu schliessen sind, hängt nicht zuletzt davon ab, wie viel Zeit bis zur geplanten Erwerbsaufgabe übrig bleibt.

Handlungsspielraum

Erwerbstätige, die unmittelbar vor der Rente stehen, müssen sich zwar eher weniger Sorgen bezüglich der zu erwartenden Vorsorgeleistungen machen. Denn Leistungsreduktionen wirken sich in der Regel erst mittel- bis langfristig aus. Vielmehr stellt sich für sie die Frage: Reicht das übrige angesparte Vermögen auch nach einem erlittenen Verlust für die Aufbesserung der Altersleistungen noch aus? Die Antwort ergibt sich aus der Überprüfung der eigenen Finanzplanung. Kurz vor der Pensionierung bleibt allerdings nur wenig Zeit für Korrekturen.

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Mehr Handlungsspielraum haben Personen mit einem längeren Zeithorizont bis zur Erwerbsaufgabe. Besonders sorgfältig sollte sich diese Gruppe mit der beruflichen Vorsorge auseinandersetzen. Gegenwärtig weisen fast sechs von zehn Pensionskassen eine geringe oder erhebliche Unterdeckung auf. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) empfiehlt den Kassen angesichts der unsicheren Lage auf dem Finanzmarkt, Sanierungsmassnahmen zum Ausgleich solcher Unterdeckungen nicht aufzuschieben. Ein Teil der Massnahmen wirkt sich direkt auf die zu erwartenden Leistungen aus. So schmilzt die Vorsorgeleistung insbesondere im Falle möglicher Minder- oder Nullverzinsung. Spürbar sind auch allgemeine Leistungsanpassungen wie etwa die Senkung des Umwandlungssatzes.

Die Verzinsung hat gerade in den letzten Jahren vor dem Leistungsbezug einen wesentlichen Einfluss auf die Höhe des Endaltersguthabens der beruflichen Vorsorge. Zudem handelt es sich bei den angesparten Vermögen um beträchtliche Beträge. Zins- und Zinseszinseffekt fallen deshalb stärker ins Gewicht. Bis anhin haben sich angesichts einer Frühpension freiwillige Einlagen in die Pensionskasse gerechnet. Zwar sind die momentanen Zinssätze der Pensionskassen dafür auf den ersten Blick nicht mehr unbedingt verlockend. Berücksichtigt man für diese Investition aber den Steuervorteil, so ergibt sich noch immer oft eine Rendite, die seinesgleichen mit ähnlichem Risikoprofil sucht. Dass vorgängig der «Gesundheitszustand» des Vorsorgewerkes geprüft werden sollte, versteht sich von selbst. Ausserdem muss die Bindung von Geldern in der Vorsorge gut auf die übrige Vermögensstruktur und auf die finanziellen Bedürfnisse der folgenden Jahre abgestimmt sein.

Spiegel der Kapitalmärkte

Nicht nur die stetig steigende Lebenserwartung hat Einfluss auf den Umwandlungssatz, mit welchem das angesparte Altersguthaben in der Pensionskasse in eine lebenslange Rentenleistung umgerechnet wird. Damit sich die Renten aus den momentan noch hohen Umwandlungssätzen finanzieren lassen, sind auch hohe Kapitalrenditen notwendig. Diese sind für die Vorsorgewerke nicht einfach zu realisieren und mit beträchtlichen Risiken verbunden. Diese Problematik hat sich mit der Finanzkrise insbesondere für Vorsorgeeinrichtungen in Unterdeckung noch zusätzlich akzentuiert.

Umwandlungssatz als Politikum

Gegen den grossmehrheitlichen Entscheid des Bundesparlaments in der Wintersession 2008 zur schrittweisen Senkung des Umwandlungssatzes wurde das Referendum ergriffen. Damit wird das Volk das letzte Wort zu diesem Punkt haben. Es ist davon auszugehen, dass die Umwandlungssätze und somit die Altersrenten nicht nur im überobligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge mittel- und langfristig tiefer ausfallen werden. Die direkte Auswirkung von Verzinsung und Umwandlungssatz auf die Altersrente sind merklich (siehe Tabelle).

Erwerbstätige, die im heutigen wirtschaftlichen Umfeld mit einer (Früh-)Pensionierung liebäugeln, sollten ihre Finanzen nicht nur überschlagsmässig hochrechnen. Vielmehr müssen in Zeiten, in welchen Prognosen schwierig sind, die nächsten Schritte und ihre Auswirkungen noch sorgsamer geprüft werden. Wie bei der Frage nach Renten- oder Kapitalbezug sind pauschale Ratschläge fehl am Platz. Eine objektive Finanzplanung, welche sämtliche Vermögenswerte und deren Einflussfaktoren miteinbezieht, erhält einen noch höheren Stellenwert.