Der schwache Yen schmälerte im letzten Jahr den Umsatz und das Ergebnis des Halbleiterherstellers Micronas. Das Management ist daran, die Abhängigkeit von Japan zu verringern. Kurzfristig rechnet es allerdings nicht mit einer Entspannung. Der Aktienkurs zeigt abwärts.

Eigentlich hat Micronas 2013 zugelegt. Insbesondere steigerte das Unternehmen den Absatz des wichtigsten Produkts, der sogenannten Hall-Sensoren, um 6 Porzent auf 270 Millionen Stück. Mit einem Marktanteil von 20 Porzent bis 25 Prozent sieht sich das Unternehmen nach wie vor als Weltmarktführer. Doch im Jahresabschluss schlug sich all das nicht nieder. Der Umsatz sank um 10 Prozent auf 151,9 Millionen Franken, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der EBIT reduzierte sich sogar um 67 Prozent auf 8,1 Millionen Franken Die entsprechende Marge des Gesamtunternehmens ging auf 5,3 Prozent von 14,4 Prozent zurück.

Schuld am Minus war der Zerfall der japanischen Währung Yen im letzten Jahr. CEO Matthias Bopp bezifferte den Schaden, den dies verursachte, auf knapp 20 Millionen Franken. Japan steuerte mit rund 80 Millionen Franken mehr als die Hälfte zum Umsatz bei.

 

Unveränderte Dividende

Unter dem Strich resultierte ein 66 Prozent tieferer Reingewinn von 6,6 Millionen Franken. Das Geld, das im Finanzergebnis dank des Yen-Hedgings zufloss, war für das Management angesichts des Schadens auf Umsatz- und EBIT-Stufe ein schwacher Trost. Der Verwaltungsrat schlägt trotz des tieferen Gewinns eine unveränderte Dividende von 0,05 Franken pro Namensaktie vor.

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Im vierten Quartal entwickelte sich das Geschäft unterschiedlich: Beim Umsatz (-4 Prozent) und dem EBIT (-32 Prozent) erzielte Micronas bessere Zahlen als für das Gesamtjahr. Unter dem Strich resultierte allerdings ein Konzernverlust von knapp 0,5 Millionen Franken. Laut Finanzchef Günter Hoppe war dies unter anderem die Folge des besonders tiefen Yen-Kurses am Jahresende.

Abhängigkeit vom Yen reduzieren

CEO Bopp will nun die Yen-Abhängigkeit reduzieren. Eine Gegenmassnahme sei, mit japanischen Kunden in Euro zu geschäften. 2013 sei der Anteil am Japangeschäft, der in Euro abgerechnet wurde, auf 20 Prozent von 10 Porzent gestiegen. Dieser Wert soll im laufenden Jahr im Durchschnitt auf 30 Porzent bis 35 Prozent zunehmen. Laut CFO Günter Hoppe wird es aber nie möglich sein, alle Geschäfte in Japan in Euro abzuwickeln. «Wir wollen aber den grösseren Teil in Euro haben», sagte er.

Laut Verwaltungsratspräsident Heinrich Kreutzer strebt Micronas zudem eine veränderte geografische Verteilung der Umsätze an, um das «Klumpenrisiko Japan» zu reduzieren. Konkret sollen die Verkäufe in den anderen Märkten stärker steigen. Er schliesst auch Übernahmen als Instrument nicht aus, um sich geografisch breiter aufzustellen.

Kurzfristig werde sich der schwache Yen aber weiterhin in den Ergebnissen von Micronas niederschlagen, sagte CEO Bopp. Für das erste Halbjahr 2014 erwartet er einen Umsatz von 78 Millionen Franken und eine EBIT-Marge im unteren einstelligen Bereich. Basis für diese Schätzung sei ein Yen-Euro-Wechselkurs von 140. Damit peilt das Unternehmen ähnliche Kennzahlen wie in der Vorjahresperiode an. Die Margenprognose für 2014 enthält laut Bopp auch Kosten für Produktionsanläufe.

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25 Sensoren pro Auto

Langfristig ist die Firmenleitung zuversichtlich. «Die Trends in der Automobilindustrie sprechen für Micronas», sagte VR-Präsident Kreutzer. «Der Trend zur Effizienz ist ungebrochen, was einen steigenden Bedarf nach Sensoren zur Folge hat.» Laut CEO Matthias Bopp wird der Markt für Elektronik im Auto bis ins Jahr 2018 jährlich um 7 Prozent wachsen. Schon heute seien einige Fahrzeuge aus dem Luxussegment mit rund 25 Micronas-Sensoren unterwegs.

Neben dem Automobilmarkt, der heute 95 Prozent des Umsatzes ausmacht, sieht Micronas auch Wachstumsmöglichkeiten für den noch sehr kleinen Bereich Industrials - zum Beispiel dank Gassensoren, die in neuartigen Brandmeldesystemen zum Einsatz kommen und seltener Fehlalarme auslösen sollen.

Analysten kommentierten die Zahlen als leicht enttäuschend. Sie überlegen sich nun, ihre Schätzungen für 2014 zu senken. An der Schweizer Börse zählen die Micronas-Valoren zu den grössten Verlierern. Um 15 Uhr stehen sie mit 5,5 Prozent im Minus, während der Gesamtmarkt SPI 0,58 Porzent verliert.

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(awp/dbe/sim)