Small is beautiful: Genau 40 Jahre alt wird der Bestseller von Ernst Friedrich Schumacher in diesem Jahr. Der Ökonom und Philosoph, ein früher Prophet der Nachhaltigkeit, warnte vor Grössenwahn und propagierte «die Rückkehr zum menschlichen Mass» (so der Titel der deutschen Ausgabe). Das Lob des Kleinen hat seit 1973 eine steile Karriere gemacht und ist aktueller denn je.

Unternehmen sind nur sympathisch, solange sie klein sind. Die Rettung von Grossbanken mit Steuergeldern, Skandale um die Manipulation von Märkten, Boni-Exzesse von Managern in Grossunternehmen und Steuervermeidungsstrategien von multinationalen Konzernen haben das Ansehen der Grossen weiter beschädigt.

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Gieriger Manager gegen guten Patron

Spielen Konzerne in Hollywood-Filmen oder europäischen TV-Krimis eine Rolle, kann man darauf wetten: Es sind üble Organisationen, ihre Manager gehen für Geld über Leichen. Der Ölbaron im letzten Muppets-Film heisst Tex Richman und ist «so böse, dass er sogar den ‹Economist› liest», wie die britische Zeitschrift feststellte. Wenn Journalisten oder Politiker die Wirtschaft loben, dann ziehen sie regelmässig das alte Klischee des guten Patrons aus der Schublade.

Der Gewerbeverband kann deshalb auf Sympathien in der Bevölkerung zählen, wenn er die Denkfabrik Avenir Suisse attackiert. Sie hatte in einem Diskussionspapier den grossen Beitrag der multinationalen Unternehmen für den Schweizer Wohlstand herausgestrichen und – am Rande – die Bedeutung der KMU als «Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft» relativiert. 14 der weltgrössten 500 Unternehmen haben ihren Sitz in der Schweiz – relativ zur Einwohnerzahl ist das Weltrekord.

Wer den Stellenwert der Grossen für Produktivität, Wertschöpfung und Wohlstand des Landes hervorhebt, mindert damit nicht gleichzeitig die Leistung der KMU herab. Der Vorwurf des Gewerbeverbands an Avenir -Suisse («PR-Arbeit für die Multis», «Gefälligkeitsgutachten») ist deplatziert.

Zur Idealisierung nicht geeignet

Die Grösse von Firmen ist das falsche Kriterium zur Beurteilung von deren volkswirtschaftlichen Nutzen. Alle Grossen haben einmal klein angefangen und viele Kleinen von heute sind die Grossen von morgen. Sie werden nicht einfach böse, sobald sie eine gewisse Grösse überschreiten.

Zur Idealisierung eignen sich weder Grosse noch Kleine. Wenn KMU eine Branche oder ein Land dominieren, wie in der Landwirtschaft oder in Italien und Griechenland, dann stehen sie für Verkrustung und Strukturerhaltung. Volkswirtschaftlich wertvoll sind KMU, die dank besseren Lösungen wachsen, Stellen schaffen, produktiver werden und höhere Löhne zahlen.

Grossunternehmen, die Kundenbedürfnisse vernachlässigen und zu bürokratischen Monstern werden, müssen untergehen und flexibleren Konkurrenten Platz machen. Von den 35 grössten Unternehmen der Schweiz im Jahr 1975 sind 14 auf der Strecke geblieben oder übernommen worden.

Bekämpfung schädlicher Regulierung

Der internationale Wettbewerb ist extrem vielschichtig geworden. Güterexporte enthalten immer mehr Dienstleistungsanteile und die Produktion wird zunehmend in komplexen Wertschöpfungsketten organisiert. Die enge Verzahnung von leistungsfähigen, flexiblen KMU mit starken internationalen Grossunternehmen ist damit entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg des Hochlohnlandes Schweiz.

Gewerbler und Konzerne sollten sich auf ihre gemeinsamen Interessen besinnen: Den Erhalt von guten Rahmenbedingungen und die Bekämpfung schädlicher Regulierung. Lassen sich Gross und Klein gegeneinander ausspielen, können beide nur verlieren.