Knapp 1500 KMU aus den unterschiedlichsten Branchen bewerteten in einer repräsentativen Umfrage die Chancen und Risiken der sechs Megatrends Wissensgesellschaft, Globalisierung, Wertewandel, Ressourcenknappheit, technologischer Fortschritt und Demografie. Die Megatrends bergen für die KMU mehr Chancen als Risiken. Jedes zweite KMU (48%) bewertet die Auswirkungen der sechs Megatrends auf sein Geschäft insgesamt als Chance. Für knapp 29% der Antwortenden überwiegen die Risiken. Dies ergibt per Saldo einen Überhang an optimistischen Antworten von 19%.

Am meisten Chancen orten die KMU im Megatrend Wissensgesellschaft. Per Saldo sind zwei Drittel der KMU optimistisch, dass die Tertiarisierung, die zunehmende Wissensdurchdringung sowie die Weiterbildung bis ins hohe Alter sich positiv auf ihr Geschäft auswirken. Am zweitmeisten Chancen erkennen die KMU im technologischen Fortschritt. Der Saldo von 48% zeigt, dass für beinahe jedes zweite KMU die Chancen überwiegen. Ebenfalls optimistisch bewerten die KMU den facettenreichen Wertewandel. Dessen positiver Saldo beträgt 24%.


Globalisierung als Risiko

Die Umfrageergebnisse fallen bei der Ressourcenknappheit und der Globalisierung pessimistisch aus. Die Ressourcenknappheit wird mehrheitlich als Risiko eingestuft, dementsprechend ist der Saldo negativ (–8%). Die steigenden Rohstoffpreise und die in die Schlagzeilen geratenen Versorgungsengpässe beim Strom dürften zu diesem Ergebnis beigetragen haben. Die Globalisierung wird als der Megatrend mit den grössten Risiken angesehen (Saldo: –12%). Dieser Pessimismus erstaunt angesichts der Tatsache, dass die Schweizer Wirtschaft jeden zweiten Franken im Ausland verdient. Offensichtlich befürchten die KMU, dass die Globalisierung zu weiteren Wettbewerbsverschärfungen führen könnte. Spannend sind in diesem Zusammenhang die unterschiedlichen Einschätzungen der Branchen. Für binnenorientierte Branchen, wie den Bau, das Gewerbe, die traditionelle Industrie und den Handel, überwiegen die Risiken, während die exportorientierte Industrie sowie der Tourismus tendenziell Chancen erkennen.

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Den Megatrend Demografie bewerten in etwa gleich viele KMU als Chance wie als Risiko. Nicht alle gehen die demografische Herausforderung energisch genug an, obwohl sie sich durchaus bewusst sind, dass ihre Chefs, Mitarbeiter und Kunden altern. Laut der Umfrage wird in hochgerechnet 185000 KMU die Nachfolgeregelung bis 2017 ein Thema. Doch erst die Hälfte diskutiert mögliche Lösungen. Bei den Mitarbeitenden scheint das Problem derzeit nicht so akut. Der Alterung des Personals wird durch die Anstellung junger Arbeitskräfte entgegengewirkt. Dies genügt in zehn Jahren nicht mehr. Wichtiger werden Massnahmen wie Altersteilzeit, um ältere Beschäftigte im Betrieb zu behalten.

Heute arbeiten in rund 100000 KMU Personen, die über 65 Jahre alt sind. Als wichtige Kundengruppe sind Senioren bereits von jedem dritten KMU erkannt. Allerdings hat erst jedes vierte Initiativen umgesetzt, um von diesem Wachstumsmarkt zu profitieren.

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Claude Maurer, Credit Suisse Economic Research, Zürich.