«Im Vergleich zu anderen europäischen Industrienationen ist die Bereitschaft von Schweizer Unternehmen, in die Prävention zu investieren, überdurchschnittlich hoch ausgeprägt. Tendenz weiter steigend», beobachtet Thorsten Mehles. Der CEO der Betrugsbekämpfungsfirma Prevent AG hat etliche börsenkotierte Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter seinen Fittichen. Im Jahr 2003 hatte Prevent den bisher grössten Fall von Software-Piraterie in Deutschland aufgedeckt.

Als positiv erachtet Mehles, dass viele Unternehmen in der Schweiz die Compliance-Abteilungen ausgebaut haben und systematisch Korruptionsbekämpfung im Rahmen des Risikomanagements betreiben.

Ethisches Denken ist wichtig

Trotz der wachsenden Sensibilisierung darf sich die Schweiz allerdings nicht auf den Lorbeeren ausruhen. «Korruption blüht überall dort, wo die Wirtschaft wächst und das Entdeckungsrisiko gering ist. Die Schweiz ist deshalb auch weiterhin genauso anfällig wie andere wirtschaftlich erfolgreiche Staaten», glaubt Mehles.

Staatliche Bemühungen, wie zum Beispiel die Tätigkeit der Greco (siehe Text oben) und die parlamentarischen Vorstösse, befürwortet er darum. Allerdings genügt seines Erachtens ein scharfes Strafrecht allein nicht. «Ethische Denk- und Einstellungshaltungen sind ebenso wichtig. Und diese müssen die Unternehmen selbst definieren», weiss er aus Erfahrung. In seiner früheren Tätigkeit hatte der Korruptionsspezialist die Abteilung Organisierte Kriminalität beim Deutschen Bundesnachrichtendienst geleitet.

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Mehles warnt aber vor dem Giesskannenprinzip. Richtlinien und Empfehlungen seien zwar gut. Jedoch müsse jedes Unternehmen für sich selbst eine Situations- und Risikoanalyse vornehmen. «Whistleblowing-Stellen sind beispielsweise nicht überall das effektivste Mittel. Es kommt immer auf die Branche, die Tätigkeitsregion und die eigenen Unternehmensstrukturen an», meint er.

Diese Ansicht teilt Anne Schwöbel, Geschäftsführerin der Nichtregierungsorganisation Transparency International Schweiz: «Die besten Lösungspakete helfen aber nichts, wenn das Top-Management die Ideale nicht vorlebt.» Ihres Erachtens ist die Sensibilisierung gegenüber Korruption vor allem bei den KMU noch zu klein. «Dabei», so Schwöbel, «sind die Kleinen genauso von Korruption betroffen wie die Grossen.»