Experten orten Sicherheitsbedenken bei der Nutzung von Windows XP, seitdem Microsoft den Support für das Betriebssystem eingestellt hat. «Windows XP auf vernetzten Firmenrechnern ist eine tickende Zeitbombe», sagte Axel Oppermann, Analyst beim Beratungshaus Avispador. «Es ist nicht die Frage, ob, sondern wann die IT gehackt werden wird.»                  

Selbst Hersteller Microsoft warnt vor der Nutzung. Der Grund: Es stehen keine Softwareupdates mehr zur Verfügung. Dies schliesst auch Sicherheitsupdates ein, die den PC laufend vor Viren und anderer Schadsoftware schützen. Auch der Internet Explorer 8 wird nicht mehr unterstützt. Wenn der Computer mit dem Internet verbunden sei und der Explorer 8 verwendet werde, sei die Sicherheit des Computers bedroht, heisst es vonseiten Microsofts.

Windows XP auf jedem 20. Rechner

Das 13 Jahre alte Betriebssystem ist in der Schweiz trotzdem nicht totzukriegen. Gemäss den Messungen der Analysefirma Statcounter läuft es noch immer auf fast jedem 20. Schweizer Rechner. Damit wird Windows XP sogar noch öfter verwendet als das jüngere Schwesterprogramm Windows Vista oder das Konkurrenzsystem Linux.

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Zu den Nutzern des Systems gehört auch eine in Zürich und Baar ansässige Gruppe, die über 230 Mitarbeitende beschäftigt und als Grossgaragist einen deutschen Autobauer vertritt. Die Firma will nicht genannt sein. Deren IT-Chef ebenfalls nicht. Er sagt aber, dass er keine Sicherheitsbedenken habe. Die Betriebsoberfläche sei stabil. Seit Supportende verwende man einen anderen Browser. Und spezifische Applikationen laufen über Server, die ein modernes Betriebssystem haben. «Wir sind dennoch unter Zugzwang, das System zu wechseln», sagt der IT-Verantwortliche.

KMU scheuen Umstellungskosten

Zwei Gründe gebe es dafür, dass noch immer auf Windows XP gearbeitet werde. Einerseits sind die Mitarbeiter mit dem System vertaut. Andererseits schrecken die Umstellungskosten ab. Die Investitionen für eine Modernisierung der IT-Umgebung seien immens, man müsste neue Hardware und Software beziehen, neue Lizenzen erwerben, dabei steht die ganze Branche unter Spardruck.

«Auf einigen älteren Computern kann die neueste Version von Windows nicht ausgeführt werden», bestätigt auch Microsoft und schreibt: «Wenn Windows 8.1 auf dem aktuellen PC nicht ausgeführt werden kann, ist es möglicherweise Zeit, einen neuen zu kaufen.»

Grosse Firmen stehen besser da

Der Grossgaragist dürfte nicht alleine sein: Im Gegensatz zu den grossen Firmen sind die Kosten eine Umstellungshürde für viele kleinere Firmen, schätzt ein Branchenkenner, der als selbstständiger Unternehmer die Schweizer Liftfirma Schindler berät. Kleine Unternehmen hätten vielfach auch keine IT-Abteilung. Es fehle an Expertise, was dazu führe, dass man einem alten Motto folge: Weil es funktioniert, muss man nichts ändern.

Bei Schindler gäbe es hingegen keinen PC mehr, auf den man extern zugreifen könnte und der noch mit Windows XP laufe, versichert der Experte. Einige Computer-Antiquitäten nutze man zwar noch, diese seien aber nicht mit den Servern verbunden, weswegen sie auch kein Sicherheitsrisiko seien.

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Zu einer genauen Kosten-Nutzen-Analyse rät denn auch das Forschungs- und Beratungsunternehmen Gartner. In einer Studie vom letzten April schätzt die auf Technologie spezialisierte Firma, dass weltweit noch immer 20 bis 25 Prozent der Unternehmenssysteme mit Windows XP laufen. Ein Drittel aller Firmen habe sogar einige Computer, die wegen des veralteten Betriebssystems potentielles Einfallstor für Hacker sind. Jene, die das System weiternutzen wollen, sollen mindestens den Netzwerkzugriff und die Internetnutzung beschränken.