Die Bundesbetriebe Post und SBB suchen nach neuen Einnahmequellen. Ihr Vorpreschen in branchenfremde Geschäftsfelder stösst beim dort aktiven Gewerbe naturgemäss auf wenig Gegenliebe.

So musste die Post vor wenigen Wochen nach massivem politischem Druck aus dem Geschäft mit Uniformen wieder aussteigen. Um die Rückgänge im Briefverkehr zu kompensieren, wollte der gelbe Riese den Umsatz mit Berufsbekleidung von aktuell 5 auf 25 Mio Fr. verfünffachen.

Umsatz von rund 2 Millionen

Auch die SBB sind im Geschäft mit Uniformen aktiv - von der politischen Diskussion bisher weitgehend unbemerkt. Anders als die Post bieten die SBB aber keine Berufskleider für Drittfirmen im grossen Stil an, sondern verkaufen ihre eigenen Berufskleider «ab Stange» für Betriebe des öffentlichen Verkehrs - falls gewünscht ergänzt mit dem jeweiligen Logo. Dennoch erzielen die SBB damit bereits einen Jahresumsatz von rund 2 Mio Fr., wie Sprecher Reto Kormann erklärt. Grundsätzlich sind alle für die SBB arbeitenden Firmen berechtigt, bei den Bundesbahnen Ware zu beschaffen - also auch Berufskleider zu bestellen.

Zu den Kunden gehört neben 50 Firmen aus dem Bereich des öffentlichen Verkehrs aber auch die Migros. Sie bestellt für ihre Mitarbeitender, die im Bereich des Anschlussgleisverkehrs im Rangierdienst arbeiten, Uniformen, wie die SBB bestätigen.

Insgesamt, so schätzt man in der Branche, werden im Markt für Berufsbekleidung schweizweit zwischen 120 und 180 Mio Fr. umgesetzt. Der Markt ist hart umkämpft. Nach dem Ausstieg der Post aus diesem Bereich hoffen die traditionellen Anbieter nun, dass auch die SBB bald zum Rückzug blasen und auf die so erzielten Nebeneinkünfte verzichten werden.

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«Ausweitung entgegentreten»

Konkurrenten der SBB erklären zudem, die gesetzliche Grundlage für solche Aktivitäten der SBB sei «höchst unsicher». Bei der Post sei dieser Punkt mit ein Grund für den Rückzug aus diesem Geschäftsfeld gewesen.

SBB-Sprecher Kor- mann hält dagegen fest: «Wir bieten lediglich Betrieben des öffentlichen Verkehrs die Möglichkeit, sich an den Beschaffungen der SBB zu beteiligen. Damit tragen wir der Vorgabe aus der Leistungsvereinbarung zwischen dem Bund und den SBB Rechnung.»

Die Bekleidungsaktivitäten der SBB haben nun aber erste politische Akteure aufgeschreckt. «Die SBB scheinen den gleichen Fehler zu machen wie die Post», sagt etwa Dominique Reber, Mitglied der Geschäftsleitung des Wirtschaftsdachverbandes Economiesuisse. Seiner Meinung nach sollten sie sich um ihre Kernaufgaben kümmern - das Bekleidungsgeschäft gehöre da «sicher nicht dazu». Reber lässt klar durchblicken: «Einer Ausdehnung der SBB-Tätigkeiten im Bekleidungsgeschäft müssten wir entgegentreten.»

Immerhin in diesem Punkt scheinen die SBB Entwarnung zu geben. Kormann: «Eine Ausweitung dieser Praxis sehen die SBB nicht vor.»