Die beiden Nutzfahrzeughersteller aus dem hohen Norden Europas haben sich in den vergangenen Jahren recht erfreulich entwickelt und profilierten sich mit Neuentwicklungen im Antriebsstrang sowie im Bereich der Sicherheit von Nutzfahrzeugen. Volvo Trucks nutzte die Gelegenheit, erstmals ausserhalb des eigenen Landes das neue Fahrzeugprogramm vorstellen zu können. Dieses war denn auch das Kernstück des Standes in Hannover. Dabei hat Volvo Trucks den Schwerpunkt auf die Optimierung der Fahrerumgebung und die Einführung fortschrittlicher Sicherheits-Assistenzsysteme gelegt.

Um den speziellen Bedürfnissen von Einsatzbereichen wie Schüttgut- und Tanktransporten entgegenzukommen, bei denen das Gewicht eine entscheidende Rolle spielt, führt Volvo einen neuen 11-l-Motor für die Volvo FM 4x2- und 6x2-Sattelzugmaschinen ein. Der neue D11-B-Motor ist rund 140 kg leichter als der grössere D13-Motor. Er ermöglicht eine höhere Nutzlast und ist dennoch leistungsfähig und sparsam im Verbrauch. Der Volvo FM mit 11-l-Motor ist mit dem 1-Shift-Getriebe ausgestattet. Für den Stadt- und Regionalgüterverkehr bietet der Hersteller jetzt das 1-Sync-Getriebe an, ein modernes Automatikgetriebe für den Verteilerverkehr im Volvo FL. Durch das weitgehende Entfallen manueller Schaltvorgänge macht diese Lösung das Fahren in dichtem Verkehr angenehmer und komfortabler. Zudem kann sich der Fahrer besser auf das hektische Verkehrsgeschehen im Stadtverkehr konzentrieren.

Neue Sicherheitssysteme

Volvo präsentierte im Weiteren neue Sicherheits-Assistenzsysteme, wie beispielsweise das neue Fahrerwarnsystem, welches mit einer Kamera die Fahrtrichtung des Fahrzeugs im Verhältnis zu den Fahrbahnmarkierungen überwacht. Werden unregelmässige Fahrmuster erkannt, warnt das System den Fahrer. Zu den weiteren Sicherheitssystemen gehören sensorgesteuerte Scheibenwischer, Abbiegelicht und die Spurwechselunterstützung, bei der ein Radar zur Erkennung von Fahrzeugen im toten Winkel auf der Beifahrerseite genutzt wird. Ein weiteres Sicherheitssystem von Volvo ist das elektronische Stabilitätsprogramm ESP, das ein Schleudern oder Umstürzen des Fahrzeugs vermeiden hilft. Dazu überwachen Sensoren ständig den Fahrzustand und das ESP regelt automatisch die Bremskräfte, um die Fahrstabilität des Lastwagens wiederherzustellen. Das ESP-Angebot wurde erweitert und umfasst jetzt auch 6x2-Fahrzeuge mit Anhänger sowie Lastzüge mit mehreren Anhängern/Aufliegern.

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2006 hat Volvo Trucks seine Parallel-Hybridtechnologie vorgestellt. Bei dieser Technologie wird ein Diesel- mit einem Elektromotor kombiniert, und die Batterien werden durch die beim Bremsen zurückgewonnene Energie geladen. Im vergangenen April wurden zwei Erprobungs-Entsorgungsfahrzeuge mit Hybridantrieb an zwei Entsorgungsunternehmen in Schweden geliefert, um sie im täglichen Praxiseinsatz zu testen. Dies sind die weltweit ersten in der Praxis eingesetzten schweren Entsorgungsfahrzeuge mit Hybridantrieb. Eines dieser Fahrzeuge war in Hannover zu sehen.

Schon im Jahr 2009 wird Volvo mit der Fertigung des FE Hybrid für den städtischen Verteilerverkehr sowie für die Abfallentsorgung beginnen. Dieses Fahrzeug wurde konzipiert, um eine Senkung des Kohlendioxidausstosses um 15–20% und einen fast lautlosen Betrieb beim Fahren mit Elektromotor zu realisieren. Durch den Einsatz einer zweiten Batterie, die den Abfallverdichter speist, kann der Treibstoffverbrauch, und somit die Kohlendioxidemissionen, sogar um bis zu 30% gesenkt werden.

Scania – ohne Zusatzaufwand

Der zweitgrösste Nutzfahrzeughersteller Schwedens, die in Södertälje beheimatete Scania AB, stand im Zusammenhang mit den Veränderungen im Volkswagen-Konzern sowie durch die Übernahmeoffensive von MAN Nutzfahrzeuge immer wieder im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit, zumindest aber im Gespräch innerhalb der Nutzfahrzeugbranche. Nun – bis jetzt jedenfalls hat sich nichts Grundlegendes geändert, obwohl VW mittlerweile zum dominierenden Aktionär bei den Schweden aufgestiegen ist und mit VW-Vorstandschef Martin Winterkorn den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt.

In Södertälje verfolgte man andere Ziele, eines davon ist die Idee, die im Oktober des kommenden Jahres in Kraft tretende Euro-5-Norm ohne aufwendige Nachbehandlung zu erfüllen. Die neue Reihenmotoren-Plattform von Scania ermöglicht nun genau diesen Schritt. Die neuartige Common-Rail-Einspritzung Scania XPI reduziert die Partikelemissionen durch besonders hohen Einspritzdruck, dadurch kann die Verbrennung durch mehrfache Einspritzvorgänge exakter gesteuert werden.

Ökonomisch unterwegs

Die Abgasrückführung EGR senkt bei einigen Motoren mit zweistufigem Kühlkreislauf die Verbrennungstemperatur. Der ganze Vorgang wird durch das von Scania entwickelte Motormanagement gesteuert. Mit den neuen Motoren erfüllt Scania die Euro-5- Norm und auch die EEV-Norm. Scania bietet den Kunden auch die Möglichkeit, zwischen der EGR und SCR-Technologie zu wählen.Scania unternimmt auch umfangreiche Anstrengungen, um dem Flottenbesitzer sowie dem Fahrer alle Möglichkeiten zur Einsparung von Treibstoff, also eine möglichst ökonomische Fahrweise, näher zu bringen. Automatisiertes Schalten macht das Fahren einfacher und hilft dem Fahrer, konsequent auf hohem Niveau zu arbeiten – was wiederum den Verschleiss seines Fahrzeugs reduziert.

Bei verschiedenen Feldversuchen wurde festgestellt, dass das automatische Getriebe Scania Opticruise bei einem nicht trainierten Fahrer bis zu 10% Treibstoff einsparen hilft. Scania Ecocruise, eine Software für das Halten der Marschgeschwindigkeit, kann zusätzlich weitere 3 bis 5% einsparen. Das Einsparungspotenzial, das durch die Ecocruise-Technik erreicht wird, können Fahrer auch durch treibstoffsparendes Fahren trainieren. Egal, ob mit Scania Ecocruise oder durch ein Fahrertraining, beides führt im Alltag zu keinen nennenswerten Zeitverlusten.

Die Schweden haben auch eine Beschleunigungskontrolle entwickelt – ein System, das zu geschmeidigem Fahren beiträgt und auch in Stadtbussen mehr Fahrgastkomfort erzielen hilft. Dieses System reduziert den Verschleiss von Betriebsbremsen und Antriebsstrang und spart in der Regel bis zu 6% Treibstoff. Entscheidend ist auch das richtige Schalten. Ein 40-T-Zug, ausgerüstet mit einem modernen Motor mit hohem Drehmoment und einer Marschgeschwindigkeit im wirtschaftlichen Gang von weniger als 1200 U/min anstatt von 1350 U/min, spart bis zu 3% Dieseltreibstoff.