Kostbare Elfenbeinobjekte aus Ceylon waren beim portugiesischen Hof heiss begehrt. Sie galten als die exklusivsten Exotica, die man in der Renaissance überhaupt besitzen konnte. Europäische Herrschaftshäuser, allen voran die Habsburger, buhlten um die besten Objekte. Zusammen mit Gemälden, Porträts, flämischen Teppichen und Juwelen bildeten sie das Herz der königlichen Kunst- und Wunderkammern, die als Vorläufer unserer heutigen Museen gelten. Zu den begehrtesten Prestige- und Luxusobjekten zählten Elfenbeintruhen, die mit Gold und Edelsteinen verziert waren, sowie grossflächige Fächer mit Blättern aus hauchdünnem Elfenbein. Sie bestechen noch heute durch ihre aussergewöhnliche Schönheit. Die Schnitzereien zeigen neben lokalen Motiven oft Ausschnitte aus Werken europäischer Malerei und Druckkunst und zeugen von einer einzigartigen Verbindung von Ost und West, von christlichen, buddhistischen und hinduistischen Bildwelten.

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Intensive Handelsbeziehungen

Im Jahr 1506 landeten die Portugiesen in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka. Um 1518 war Ceylon eine wichtige Zwischenstation auf der portugiesischen Handelsroute nach Ostasien. Aufgrund der intensiven Handelsbeziehungen mit dem Königreich von Kotte im Süden Ceylons gelangten exklusive Waren wie Elefanten, Edelhölzer, Gewürze wie Zimt sowie Edelsteine nach Europa.

Die Elfenbeinobjekte, die das Museum Rietberg bis zum 13. März 2011 ausstellt, waren diplomatische Geschenke für den Hof in Lissabon, vor allem für Katharina von Österreich (1507-1578), die Königin von Portugal. Sie belegen nicht nur das hohe handwerkliche und künstlerische Können der damaligen Elfenbeinschnitzer in Ceylon, allem voran in Kotte. Sie sind auch Zeugen der ungewöhnlichen politischen und kulturellen Verbindungen zwischen Portugal und Sri Lanka. Sie repräsentieren Macht und Herrschaftsanspruch des portugiesischen Hofs und der Seemacht Portugal mit ihrem Zentrum im indischen Goa.

Sammler und Kenner

In der Mitte des 16. Jahrhunderts galten die Habsburger Sammler als Kenner von Exotica, Kuriositäten und Luxusartikeln aus aller Welt - aus Afrika, Asien, dem Fernen Osten und Amerika. Sie kauften sie auf den Märkten von Lissabon, Sevilla, Goa, Malacca, Macao und in Mexiko. Die Begeisterung der Habsburger beim Erwerb der seltenen Objekte kannte keine finanziellen Grenzen. Für sie stellten ihre Sammlungen Symbole ihrer Herrschaft über die Welt dar. Am deutlichsten veranschaulicht das die Kunstkammer von Rudolf II. in Prag, dem Grossneffen von Katharina. Die Ausstellung thematisiert den exquisiten Geschmack der Herrscher sowie ihre Beziehungen zu den Habsburger Höfen von Wien, Innsbruck, Prag, Brüssel, Madrid und München. Einen besonderen Platz nehmen in der Schau die Porträts der portugiesischen Könige, der Habsburger Neffen und der Kinder von Katharina ein.

Die Leihgaben, oft erstmals überhaupt öffentlich zu sehen, stammen von führenden Museen in Europa und privaten Sammlern. Die Familienporträts der berühmten Hofmaler Anthonis Mor und Alonso Sánchez Coello, von denen einige noch nie gezeigt wurden, zählen zu den Highlights der Ausstellung. Daneben sind weitere Kunstkammerobjekte wie Waffen oder Schmuck zu sehen.

Exotische Menagerien

Ein Aspekt der Ausstellung gilt der Entstehung der Menagerien in der Renaissance. Das Sammeln von unbekannten, exotischen Tieren war ein wesentlicher Bestandteil des höfischen Prunks. Botanische Gärten und Menagerien, die Vorläufer der zoologischen Gärten, ergänzten die Kunstkammern. Sie dienten den Königshäusern zur Unterhaltung und zum Zeitvertreib, waren Symbole von Macht und Prestige.

Zu den spektakulärsten Geschenken, die der portugiesische Hof erhielt, gehörten lebendige Elefanten, die in Kotte in Gefangenschaft aufgezogen wurden und die Geschenke aus Elfenbein ergänzten (Gablerstrasse 15, Zürich; bis 13. März 2011).