Der Schlusspunkt war gleichzeitig ein Höhepunkt. Im Rahmen von zurich.minds, einer Art Thinktank und Akademie, in dem führende Forscher und Unternehmer Erfahrungen und Wissen austauschen, trat der Trader, Mathematiker, Philosoph und Bestsellerautor Nassim Nicholas Taleb auf. Mit seinem Buch «The Black Swan» landete er im Sommer 2007 den grossen Hit, weil er das verheerende Ausmass der Finanzkrise voraussagte.

Taleb gefiel sich ganz offensichtlich in der Rolle des Querdenkers und Provokateurs. Er übte in seinem Vortrag an den Statistikern und empirischen Wirtschaftswissenschaftern scharfe Kritik: «Sie sprechen von Mathematik, Wahrscheinlichkeit und Risikomodellen, doch haben sie keine Ahnung davon.» Nach Talebs Meinung tragen viele Ökonomen, darunter sechs Nobelpreisträger, die Schuld daran, dass das Bankensystem explodiert ist. Der Fehler: «Man kann keine mathematischen Schlüsse aus der Vergangenheit ziehen und deshalb keine Prognosen machen», ist Taleb überzeugt. Seine Generalstandpauke mündete in der Aussage: «Jede Bank, die untergeht, hat es verdient, denn sie hat nichts aus der letzten Krise gelernt.» Talebs Polemik hatte einen Schwachpunkt, den die Gäste, darunter direktangeschuldigte Banker, beim Networking intensiv diskutierten: Die Kritik mag in gewissen Punkten berechtigt sein, doch wo liefert Taleb brauchbare Ansatzpunkte für neue Theorien und Modelle? Alles kritisch zu hinterfragen ist gerade in Krisenzeiten ein wertvoller Gedanke doch wirklich revolutionär ist dies noch nicht.

Geradezu nichtig erscheinen die Finanzkrise und die Milliardenverluste im Vergleich zum Forschungsschwerpunkt des Astrophysikers Ben Moore. Er zeigte einem staunenden Publikum die Zukunft des Universums beziehungsweise das Ende unseres Sonnensystems. Dank seinem Supercomputer gelingt es Moore, die Kollision unserer Milchstrasse mit der Andromeda-Galaxie zu simulieren. Eine ebenso faszinierende wie grauenvolle Zeitreise. Des Astrophysikers Ratschlag: Im Vergleich zum bevorstehenden Weltuntergang – in einigen Milliarden Jahren – sind unsere Probleme nicht wirklich existenziell. Deshalb: «Geniessen wir den Moment!»

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