Die kolumbianischen Behörden verdächtigen die weltgrösste Rohstoffhändlerin Glencore laut Angaben der Zeitung «Der Sonntag», Steuern hinterzogen zu haben. Nach Informationen des Blattes hat der Oberste Rechnungshof im vergangenen Jahr eine Untersuchung gegen die kolumbianische Tochterfirma Prodeco und die staatliche Bergbaubehörde eröffnet.

Im Zentrum steht demnach die Frage, ob die Kohlenförderfirma zu tiefe Produktionsmengen und zu hohe Kosten angegeben hat, um Steuern zu hinterziehen. Eine Sondereinheit des Rechnungshofs ermittle zudem wegen Unregelmässigkeiten in einem Bergbauvertrag zwischen Prodeco und der Bergbaubehörde. Laut dem Rechnungshof habe der Vertrag zu einer «Schädigung des Staatsvermögens» geführt. Dem Staat sollen umgerechnet 24 Millionen Franken entgangen sein.

Rohstoffriese wehrt sich

Glencore-Sprecher Simon Buerk bestätigte der Zeitung, dass gegen Prodeco eine Untersuchung läuft. Er bestritt aber, dass es um den Verdacht der Steuerhinterziehung geht. Überprüft werde nur, ob der Vertrag gültig sei. «Jede Andeutung, Prodeco zahle ihre Steuern und Förderabgaben nicht korrekt, ist völlig falsch», so Buerk.

Am Sonntagvormittag meldete sich Glencore auch bei «Handelszeitung Online». «Bei der Untersuchung des obersten Rechnungshofs geht es nicht um die Frage, ob Prodeco, seinen Verpflichtungen bezüglich Steuern oder Lizenzgebühren nachgekommen ist», betonte der Konzern.

Vielmehr sei Gegenstand der Untersuchung, ob die Änderungen eines damals geltenden Abbauvertrags, die durch den Minister für Bergbau unterzeichnet wurden, gültig waren, so der Konzern. Die Änderungen hätten eine Milliarden-Investition in das Land, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie einen Anstieg von Steuern und Abgaben ermöglicht. «Glencore ist zuversichtlich, dass der oberste Rechnungshof die Änderung als rechtmässig anerkennt», heisst es.

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250'000 Franken Busse

Druck auf Glencore macht laut «Der Sonntag» auch die Unternehmensaufsichtsbehörde Kolumbiens. Sie büsste demnach am 27. Januar die kolumbianische Dachgesellschaft von Glencore, die CI Dalima Holding, mit umgerechnet 250'000 Franken, weil sie es unterlassen hatte, innerhalb der vorgegebenen Zeit fünf ihrer Tochterfirmen zu registrieren.

«Die Verletzung der Registrierungspflicht ist in diesem Fall auch eine Steuervermeidungspraxis», sagt Oliver Classen von der nichtstaatliche Organisation «Erklärung von Bern» dem Blatt. Glencore weist diesen Verdacht zurück und sagt, es habe sich nur um «ein Versehen» gehandelt.

(aho/tno)