Es war ein Schock für die Hörgerätebranche, als das deutsche Kartellamt am 12. April 2007 den Verkauf des dänischen Hörgeräteherstellers GN Resound an Phonak (heute Sonova) verbot. «Wir haben viel über Schwierigkeiten nachgedacht. Aber diese Situation haben wir selbst in unseren kühnsten Träumen nicht erwartet», sagte Sonova-CEO Valentin Chapero damals zur «Handelszeitung». Beide Firmen zogen den Entscheid weiter - bis ans oberste deutsche Gericht, den Bundesgerichtshof. Chapero schätzte die zusätzlichen Kosten damals auf einen «gut zweistelligen Millionenbetrag».

Inzwischen ist das endgültige Verdikt gefallen: Das Übernahmeverbot war ein Fehlentscheid der Wettbewerbshüter, beschied der Bundesgerichtshof am 20. April 2010, also fast auf den Tag genau mit drei Jahren Verspätung.

Die Empörung ist gross

GN Store Nord, die Muttergesellschaft von Resound, reagierte unverzüglich und lautstark: Man werde «alle rechtlichen Möglichkeiten in Betracht ziehen, um den entstandenen signifikanten Schaden einzufordern». Und auf Anfrage der «Handelszeitung» meinte ein Sprecher: «Jetzt steht einer Konsolidierung der Branche nichts mehr im Weg.» Ob nun die Braut für einen Verkauf erneut hübsch gemacht werde, kommentierte er mit: «Das wäre illegal. Wir setzen den eingeschlagenen Weg fort.»

Wie lange sich Resound zieren wird, bleibt abzuwarten. Es fällt auf, wie heftig Verkaufsgerüchte dementiert werden. Aber die Fantasie spielt: An der Börse hat GN Store Nord seit dem Urteil deutlich zugelegt (siehe Kursgrafik).

Auch Sonova schliesst eine Neuauflage des Deals nicht kategorisch aus. Konzernsprecher Holger Schimanke stellt bloss klar, dass die Lage heute komplett anders ist: «Inzwischen haben wir unser Ziel, führender Anbieter von Hörsystemen zu werden, aus eigener Kraft erreicht.» Anders als GN verzichtet Sonova auf Schadenersatz. «Allerdings gehen wir davon aus, dass man uns alle Verfahrenskosten zurückerstattet.»

Anzeige

Auffallend ruhig verhält sich Siemens. Der geplante Verkauf der Hörgerätesparte SAT ist vor wenigen Wochen gestoppt worden, nachdem offenbar kein Käufer bereit gewesen war, den Preis von geschätzten 2 bis 3 Mrd Fr. zu zahlen. Aber jetzt ist das Rennen wieder offen, weil nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs auch ein Grosser zugreifen dürfte. Für eine Stellungnahme war bei Siemens niemand zu erreichen.