Eine völlig neue Technologie, das sogenannte Platooning, könnte schon in zehn Jahren die neue Form des Reisens auf Autobahnen sein. Bei dem von der EU finanzierten Projekt Sartre wurde die erste erfolgreiche Demonstration der Technologie ausserhalb der Simulatoren auf dem Volvo-Versuchsgelände nahe Göteborg durchgeführt.

Fahrzeug-Platooning im Sinne des Projekts Sartre ist ein Fahrzeugkonvoi aus einem Führungsfahrzeug, in dem ein Berufsfahrer sitzt, und mehreren Fahrzeugen, die jeweils in kurzen Abständen folgen. Jedes Fahrzeug misst den Abstand, die Geschwindigkeit und die Richtung und orientiert sich am vorausfahrenden. Alle Fahrzeuge fahren völlig getrennt voneinander und können den Konvoi jederzeit verlassen. Innerhalb des Fahrzeugverbunds kann jeder Fahrer entspannen, während der Konvoi seinem Fernziel entgegensteuert. «Sartre ist ein interessantes Projekt mit Zukunftspotenzial zur Einsparung von Treibstoff und zur Verbesserung der Verkehrssicherheit», erklärt Carl Johan Almqvist, Leiter Verkehrs- und Produktsicherheit bei Volvo Trucks. Die Tests wurden mit einem Führungsfahrzeug und einem einzelnen nachfolgenden Fahrzeug durchgeführt, das dem Führungsfahrzeug auf der Überlandteststrecke problemlos folgte.

Wichtiger Meilenstein

«Dies ist ein wichtiger Meilenstein für dieses europäische Forschungsprogramm», erklärt Projektkoordinator Tom Robinson von Ricardo UK Ltd. «Platooning bietet die Aussicht auf erhöhte Verkehrssicherheit, eine bessere Nutzung des Verkehrsraums, höheren Fahrerkomfort auf langen Reisen sowie auf reduzierten Treibstoffverbrauch und damit geringere CO2-Emissionen. Mit den vereinten Fähigkeiten der teilnehmenden Unternehmen ermöglicht das Projekt deutliche Fortschritte auf dem Weg zur Realisierung einer sicheren und effektiven Strassenfahrzeug-Technologie.»

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Mit dem Platooning-Konzept sollen verschiedene Faktoren verbessert werden: Erstens die Verkehrssicherheit, da der Faktor Mensch eine erheblich geringere Rolle spielt, der in 80 Prozent aller Verkehrsunfälle die Ursache ist. Zweitens wird durch das Konzept der Treibstoffverbrauch und somit die CO2-Emission um bis zu 20 Prozent gesenkt. Ausserdem ist es für die Fahrer in den nachfolgenden Fahrzeugen sehr angenehm, da sie sich mit anderen Dingen als dem Fahren beschäftigen können. Da die Fahrzeuge mit Autobahngeschwindigkeit in einem Abstand von nur wenigen Metern fahren, kann Platooning auch das Problem von Verkehrsstaus mildern.

Die Entwicklung der Technologie ist in vollem Gange. Wahrscheinlich kann diese schon in einigen Jahren in die Produktion gehen. Wesentlich länger dauern möglicherweise allerdings die öffentliche Akzeptanz und die notwendige Gesetzgebung, da 25 EU-Staaten ähnliche Vorschriften auf den Weg bringen müssen.

Volvo Truck ist am Projekt Sartre über die Volvo Technology Corporation beteiligt, ein Geschäftsbereich der Volvo Group, der neue Technologie und neue Konzepte entwickelt. Das Führungsfahrzeug in den durchgeführten Tests war ein Volvo-Nutzfahrzeug. «Ein geschulter Berufsfahrer, der den Strassenzug anführt, ist ein wichtiger Faktor, um die Sicherheit in dem Projekt zu gewährleisten», ergänzt Erik Nordin von Volvo Technology. Der Berufschauffeur des voranfahrenden Fahrzeuges wird zusätzlich von Sicherheitstechnologien nach neuestem Stand der Technik unterstützt (etwa durch Alcolock, das Fahrerwarnsystem, durch Kollisionswarnung und durch ein elektronisches Stabilitätsprogramm), welche die Aufmerksamkeit des Fahrers erhöhen und Unfälle minimieren.