Von September bis Oktober 2009 hat Bain & Company 270 Unternehmen in Deutschland und der Schweiz zur Bedeutung sowie Umsetzung von Innovationen im Betrieb befragt. 100 Führungskräfte haben an der Studie teilgenommen. Das Fazit: Zwar sind Innovationen heute überlebenswichtig, aber kaum eine deutschsprachige Firma ist nach Ansicht der Mitarbeiter ausreichend innovativ. Im Gegenteil: Die internen Strukturen behindern Innovationen sogar.

Als Gründe nennen die Befragten die fehlende Zusammenarbeit von kreativen Vordenkern und pragmatischen Analytikern. Die Praxis zeigt aber, so die Studie weiter, dass die besten Ergebnisse im Innovationsprozess nur dann erzielt werden, wenn herausragendes Schöpfen und kaufmännische Fähigkeiten sich treffen. Diese Talente finden sich indes selten in einer Person im Unternehmen.

Linke und rechte Gehirnhälfte

Genau hier setzt der BothBrain-Ansatz an, den Bain & Company vor einem Jahr lanciert hat: Kreative und Analytiker sollen gemeinsam die menschliche Schwäche überwinden, sich bei Problemlösungen rein auf die Fähigkeiten einer Gehirnhälfte zu konzentrieren - entweder der linken mit ihrem Hang zum rationalen Denken oder der rechten mit ihrer Präferenz für ideenreiche Ansätze.

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Alexander Pertot, Partner von Bain & Company in Zürich, erklärt: «Wir haben nichts Neues erfunden, sondern systematisch erhoben, wie sich eine Firma aufstellen muss, damit sie von einer guten Balance der Stärken beider Gehirnhälften profitieren kann. Innovation hat nichts mit Zauberei zu tun, sondern kann durch Rahmenbedingungen sowie gezielte Steuerung gefördert werden.» Wobei der BothBrain-Ansatz ebenso für KMU sinnvoll sei. Die Grösse spiele keine zentrale Rolle. «Doch je grösser ein Betrieb sei, desto bewusster muss er die Vernetzung der beiden Gehirnhälften fördern - und dies möglichst bis ganz oben in der Hierarchie», sagt Pertot.

Führungsduos wie HP oder Apple

Wie erfolgreich solche Teams arbeiten, zeigen immer wieder Führungsduos erfolgreicher Konzerne: So stand bei HP dem kreativen Ingenieur Bill Hewlett der Kaufmann David Packard beiseite, die Apple-Renaissance der letzten Dekade ist ohne Steve Jobs (CEO), aber eben auch ohne Tim Cook (COO) nicht denkbar. Im betrieblichen Alltag vernachlässigen viele Firmen aber die systematische Zusammenführung solch komplementärer Charaktere - und vergeben damit Chancen für neue Produkte oder Dienstleistungen.

Ein weiterer Kern im BothBrain-Ansatz ist gemäss Pertot: «Die Firmen müssen Barrieren durchbrechen.» Als Beispiel nennt er: «Viele Unternehmen glauben, dass jede Idee in sich profitabel sein muss. Das ist falsch. Auch hinter einer kleinen Idee kann sich eine strategische Revolution verbergen. Bevor man Ideen abschreibt, muss man ihr volles Potenzial analysiert haben.» Zudem beginne Innovation nicht erst bei der Ideensuche. «Es braucht eine klare Innovationsstrategie mit Zielen und Prioritäten, sprich ein System.»