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KOMPLEMENTÄRMEDIZIN: Kleine Tricks mit sanfter Medizin

Einige Kassen haben auf den Ausschluss der Alternativmedizin mit neuen Produkten reagiert. Einzelne Versicherer griffen in die Trickkiste.

Von Reto schlatter
am 01.09.2005

Die sanfte Medizin erhielt Ende Juni von Bundesrat Pascal Couchepin eine unsanfte Behandlung. Am 1. Juli 2005 fiel die Komplementärmedizin aus dem Leistungskatalog der Grundversicherung.

Betroffen davon sind die Anthroposophische Medizin, die Homöopathie, die Neuraltherapie, die Phytotherapie und die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die fünf Heilmethoden hätten den Nachweis nicht erbringen können, dass sie genügend wirtschaftlich, wirksam und zweckmässig seien, begründete Couchepin seinen Entscheid. Dieser sei kein Verdikt über die Komplementärmedizin, sondern betreffe einzig und allein die Leistungspflicht der Krankenversicherer.

Kritik der Versicherer am Entscheid des Bundesrates

Die Versicherer haben in der Zwischenzeit reagiert ­ und zwar auf sehr unterschiedliche Weise. Als einzige befürwortete die Helsana den Rauswurf der Komplementärmedizin, weil er der Mengenausweitung in der Grundversicherung einen Riegel schiebe. Andere wie etwa die Swica oder die Visana kritisierten den Entscheid; sie hätten es lieber gesehen, wenn das Provisorium verlängert worden wäre. Die fünf Methoden waren 1999 nur provisorisch in den Leistungskatalog aufgenommen worden.

Für Kopfschütteln sorgte der Entscheid bei der EGK-Gesundheitskasse, weil der Bundesrat «mit diesem Rückschritt die Bedeutung der naturheilkundlichen Therapieverfahren derart heruntergespielt habe».

Innovative Kassen

So unterschiedlich die Reaktionen der Krankenversicherer ausgefallen sind, so unterschiedlich haben diese auch in ihrer Strategie im Umgang mit der Alternativmedizin entschieden. Einzelne Kassen haben sogleich ein neues Produkt lanciert, mit welchem sie die fünf Heilmethoden in einer Zusatzversicherung abdecken.

Branchenführerin Helsana bietet neu das Produkt Presana an, das ausschliesslich diese fünf komplementärmedizinischen Leistungen abdeckt. Das Produkt erweist sich aber nicht gerade als Renner. «Seit der Lancierung im Sommer gab es keine hundert Abschlüsse», erklärt Helsana-Sprecher Christian Beusch. Das verwundert nicht weiter, haben doch bereits zwei Drittel der Helsana-Kunden eine Zusatzversicherung für Alternativmedizin.

Mit grossem Werbeaufwand und ganzseitigen Inseraten hat die Groupe Mutuel ihr neues Produkt Alterna lanciert. Die Aktion war laut André Grandjean, Mitglied der Geschäftsleitung, ein grosser Erfolg. Mehr als 170 000 Versicherte hätten Alterna eingekauft, die pro Monat 6 Fr. kostet und die fünf betroffenen Methoden mit Einschränkungen abdeckt.

Bauernschlau wreist Groupe Mutuel darauf hin, dass Alterna zu 80% auch die Medikamentenkosten übernimmt. Dabei sind die Medikamente gar nicht tangiert vom Rauswurf aus dem Leistungskatalog, sie werden weiterhin von der Grundversicherung gedeckt, sofern sie auf der Spezialitätenliste (SL) figurieren.

Unlauterer Wettbewerb bei der Swica?

Einen andern unlauteren Griff in die Trickkiste hat die Swica gemacht. Ihre so genannt «kundenfreundliche» Lösung bestand darin, dass sie ihren Versicherten die bereits bestehende Zusatzversicherung Completa Top aufdrängte. Wer die Zusatzversicherung nicht ausdrücklich ablehnte, bekam sie automatisch aufgebrummt.

Dieses Vorgehen missfiel dem Bundesamt für Privatversicherung, weil eine solche aggressive Verkaufsmethode gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstösst. Die Swica begründet ihr Vorgehen damit, dass sie diese Formel der Einfachheit halber verwendet habe, unter Zeit- und Spardruck.

Die meisten Kassen verzichten auf neue Produkte

Tatsächlich hatten alle Krankenversicherer schon vor dem Rauswurf ein Zusatzangebot, mit dem sie die Aternativmedizin abdeckten. Deshalb verzichteten die meisten auf ein neues Produkt. «Die Prämie müsste so tief sein, dass es sich nicht lohnt, eine Versicherung anzubieten», begründet Andreas Anderegg von der CSS den Entscheid der zweitgrössten Kasse.

Die CSS verzeichnete in den letzten Monaten jedoch einen starken Zuwachs bei der Alternativversicherung. Mehrere tausend Neuabschlüsse im Juni und Juli lassen den Schluss zu, so Anderegg, dass «das Thema den Versicherten bewusst gemacht hat, was Komplementärmedizin ist und dass es dafür eine spezielle Versicherung braucht.»


Zusatzangebote für Komplementärmedizin: Die neuen und alten Produkte im Vergleich

KasseProduktKosten pro Monat DeckungBesonderheiten

für Erwachsene

HelsanaPresana (neu)Fr. 5.­90%, ohne LimiteDeckt nur die 5 gestrichenen Methoden ab

Gültig ab 1.10.2005

CSSAlternativFr. 6.­ bis 16.­80%, Limite Fr. 10000.­Deckt 60 Behandlungsmethoden ab

Groupe MutuelAlterna (neu)Fr. 3.­ bis 6.­80%, keine Limite;

bei Medis bis Fr. 2000.­Deckt nur die 5 gestrichenen Heilmethoden ab

SwicaCompleta TopFr. 17.­ bis 52.­90%Umfassender Leistungskatalog

ConcordiaNaturaFr. 7.­ bis 15.­75%, bis max. Fr. 4000.­Weitergehende Leistungen

VisanaKomplementär Fr. 1.­ bis 4.­90%, Limite Fr. 1000.­/45 Methoden

(3 Stufen)Fr. 3.­ bis 13.­4000.­/10000.­

Fr. 16.­ bis 64.­

Assura MednaFr. 5.­90%23 Methoden, gültig erst ab 2006

SanitasVerschiedeneFr. 8.70 bis 78.­ 80% bis Fr. 5000.­/Paketprodukt mit weitergehenden Leistungen

Paketlösungen (Jump,1500.­/10000.­/

Classic, Family)50000.­

IntrasUno+/Due+Fr. 19.­ bis 69.­90% bis 1000.-/2000.-Weitergehende Leistungen

KPTNatura IFr. 8.­ bis 36.­90%, Limite 3000.-Weitergehende Leistungen

Quellen: Krankenkassen/comparis

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