Zuerst gehts auf den Efringer Ölberg, an dessen gegen Süden ausgerichteten Hanglagen zwar nicht Olivenbäume, aber 35 ha Reben wachsen. Die Weitsicht von hier oben ist einzigartig. Vor einem liegen das Rheintal und das Elsass, und in der Ferne ist die Stadt Basel zu sehen. «Die mikroklimatischen Bedingungen und die kalkhaltigen Böden sind mit den Verhältnissen im Burgund vergleichbar», erklärt Hanspeter Ziereisen. Und so setzt der ebenso unkonventionelle wie leidenschaftliche Winzer neben dem im deutschen Markgräflerland traditionell verbreiteten und von Ziereisen äusserst geschätzten Gutedel (Chasselas) vorab auf die Burgundersorten Weissburgunder, Grauburgunder, Chardonnay und natürlich auf den Spätburgunder (Pinot noir), für den er ein besonderes Flair hat. Abgerundet wird der Sortenspiegel mit einer Parzelle Syrah.

«Da grosse Weine am Stock entstehen, behandeln wir unsere Reben mit grösstem Respekt. Nur mittels aufwendiger Laub- und Stockarbeiten, strenger Ertragsreduzierung, äusserst zurückhaltender Düngung sowie rigider Selektion während der Lese erhalten wir gesunde und hochwertige Trauben», so Ziereisen.

Den Mischbetrieb aufgegeben

Bis Anfang der 1990er-Jahre war der Hof der Familie Ziereisen in Efringen-Kirchen ein klassischer Mischbetrieb und unterschied sich kaum von einem anderen Bauerngut des Markgräflerlandes. Hansjörg und Verena Ziereisen mästeten Bullen, hielten Milchvieh, kultivierten Obst und Gemüse und ernteten und verkauften die Trauben ihrer wenigen Aaren Reblandes an die örtliche Winzergenossenschaft. Doch als sich Sohn Hanspeter entschied, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, tat er dies unter der Bedingung, dass man die Viehhaltung aufgeben und sich auf Weinbau spezialisieren würde. «Ich fing praktisch bei null an, denn bei uns war zwar immer Wein getrunken, aber nie gekeltert worden», erzählt der Winzer. Der gelernte Schreiner absolvierte zusätzlich eine Winzerlehre und begann nun seine relativ spät erwachte Liebe zum Wein auch zu Hause auszuleben. Schritt für Schritt kaufte oder pachtete er Rebparzellen, und zwar mit Vorliebe solche, die andere Winzer gerne abgaben, weil sie sie für unrentabel hielten: Steile Lagen etwa, die vorwiegend von Hand kultiviert werden müssen, oder Parzellen, die mit alten Reben bestockt waren und deren Ertrag man für zu gering hielt.

Fässer vom Basler Konsumverein

Ziereisen mag die blinde Technikbegeisterung vieler seiner Kollegen nicht zu teilen. «Es ist doch absurd, dass vieles, was einst jahrelang gute Dienste geleistet hat, von einem Tag auf den anderen für wertlos gehalten und weggeschmissen wird, nur weil gerade ein neueres, moderneres Modell auf den Markt gekommen ist.» So konnte er vom Basler Konsumverein eine ganze Batterie von alten 3000-l-Holzfässern übernehmen, bevor diese in der Verbrennung landeten. Und per Zufall wurde er auf eine ausgemusterte, besonders sanft arbeitende Bucher-Presse aufmerksam, die er wieder instand setzte. «Eine wunderbare Maschine, um die mich heute manche Kollegen beneiden», schmunzelt er und fügt an: «Die moderne Kellertechnik ist auf Geschwindigkeit und maximale Effizienz ausgelegt. Doch wirklich gute Weine kann man nicht im Schnellverfahren erzeugen. Sie brauchen Zeit, damit sie in Ruhe ihren Charakter herausbilden können.»

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Burgund als Orientierungshilfe

1993 füllte Ziereisen seinen ersten Jahrgang ab. Beeindruckt von der Individualität und Ausdruckskraft grosser Weine, von denen er vieles verkostet hat, was Rang und Namen hat, entwickelte der Burgund-Bewunderer in der Folge seinen eigenen Stil. Gespräche mit alten Winzern vor Ort und zahlreiche Besuche bei Winzern im Burgund bestärkten ihn dabei, seinen eigenen Weg zu gehen und sich nicht von den kleinmütigen Kommentaren böser Zungen beeindrucken zu lassen, die ihn für verrückt hielten. «Der Weg zur Quelle führt gegen den Strom», kommentiert er, denn längst sind seine Gewächse weit über die Region hinaus bekannt und gesucht.

Heute umfasst das Weingut rund 15 ha, zu denen eine beachtliche Zahl von ausgezeichneten Einzellagen gehört, die separat vinifiziert und abgefüllt werden. «Unsere Weine sollen möglichst unverfälscht ihre Herkunft widerspiegeln und die in den Trauben steckende Qualität zum Ausdruck bringen», fasst Ziereisen sein Credo zusammen. Deshalb werden die Trauben im Keller nochmals selektioniert und sodann spontan vergoren. Praktisch alle Weine werden in grossen Holzfässern oder in Barriques bis zu 22 Monate ausgebaut und danach ohne chemische Behandlungen, Schönung und grösstenteils unfiltriert abgefüllt.

Die breite Palette der Ziereisen-Weine überzeugt durch ihre stilistische Eigenständigkeit und Ausgewogenheit. Es sind dies keine vordergründigen Blendertropfen, sondern elegant-geschmeidige Kreszenzen mit kräftig-solidem, säuregestütztem Rückgrat, denen man ein wenig Zeit zugestehen muss, damit sie sich einem erschliessen.