Auf Schloss Lenzburg donnerten über Jahrhunderte hinweg die Kanonen. Als Burg für den Grafen von Lenzburg erbaut, gelangte das Bollwerk 1173 in den Besitz des deutschen Kaisers Friedrich I., Barbarossa. Später übernahmen es die Habsburger als kaiserliches Lehen und erweiterten die Anlage um das Ritterhaus im spätgotischen Stil.

Das dominante Gebäude im Südwestteil des Hofes dient heute mit seinen Sälen für Tagungen, Events, Konzerte, Bankette und Hochzeiten. Rundum abgeschlossen wurde die befestigte Hügelkuppe erst durch bernische Landvögte, die im Mittelalter nach der eidgenössischen Eroberung des Aargaus das Szepter übernahmen. «Die Bauten sind nebst der Spätgotik auch durch die Romanik und das Berner Bürgertum geprägt», charakterisiert Peter Jud, Geschäftsführer der Stiftung Schloss Lenzburg, die Architektur.

Die öffentliche Nutzung der weitläufigen Anlage wurde erst ab den 1950er-Jahren möglich. Damals erwarben der Kanton Aargau und die Stadt Lenzburg das zum Wohnschloss umfunktionierte Anwesen von der Witwe des US-Polarforschers Lincoln Ellsworth. Rasch sorgten prominente Hochzeitspaare mit ihren Festivitäten im Schlosshof und Rittersaal für viel Publizität. Erst nach einer zehnjährigen Renovation war das hoch über den Dächern der Lenzburger Altstadt gelegene Gebäude ab 1988 bereit für anspruchsvolle Tagungen und Firmenanlässe.

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Geheimtipp für bis zu 500 Leute

Bei den Veranstaltern gilt der mächtige Bau mit den Rittersälen für bis zu 500 Personen als Geheimtipp. «Die Nachfrage ist selbst in den wirtschaftlich härteren Zeiten ungebrochen hoch», gibt Gastgeber Jud zu verstehen. Das hängt auch damit zusammen, dass Schloss Lenzburg nur in der warmen Jahreszeit von Anfang April bis Ende Oktober buchbar ist. Gewichtige Conventions und Events werden mindestens ein Jahr oder noch länger im Voraus reserviert. In der Hochsaison wird darauf geachtet, die Räumlichkeiten im Tagesverlauf mehrfach zu nutzen. An 40 bis 50 Tagen finden zudem kulturelle Anlässe wie öffentliche Konzerte oder Theateraufführungen im grossen Rittersaal statt. Wer auf Schloss Lenzburg tagt, der sucht die spezielle Atmosphäre. Das gilt für Seminare im kleinen Rahmen ebenso wie für grosse Präsentationen. «Zurück bleibt ein hoher Erinnerungswert», weiss Peter Jud von den Kommentaren seiner Stammgäste. Innerhalb der Befestigungsmauern - erreichbar nur über eine Ziehbrücke - fühlt sich der Besucher in historische Zeiten zurückversetzt. Erwarten ihn gar Fanfarenbläser in alten Uniformen, sind frühere Festszenen schon fast greifbar nahe.

Welch ein Kontrast zum hochtechnologischen Alltag. Die Zeitreise vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert lässt sich mit kurzen oder längeren Themenführungen vertiefen. Das Museum Aargau auf Schloss Lenzburg bietet Einblick in die Lebensweise der früheren Bewohner. Auch ausserhalb der Mauern lässt sich das Rahmenprogramm gestalten, etwa mit einer Besichtigung im Stadtkern von Lenzburg, bevor beispielsweise der kurze Aufstieg zur Jahresversammlung im Ritterhaus erfolgt.

Die Kundschaft stammt vorwiegend aus dem Raum Zürich, Basel, Aargau und der Innerschweiz. Mehrheitlich sind es Firmen, die Schloss Lenzburg für ihre Meetings wählen. Manche belegen die Rittersäle gleich für zwei, drei Tage, um die eigenen Produkte und Dienstleistungen im historischen Ambiente zu präsentieren. Daneben ist der Ort beliebt für Grossveranstaltungen von Verbänden, Parteien und Vereinen.

Auch das Ausland hat die Burganlage entdeckt: 5% des Umsatzes werden mit internationalen Veranstaltern gemacht. Die Beherbergung bereitet keine Mühe. In der nahen Umgebung sind genügend Businesshotels vorhanden, die Platz für mehrere Hundert Gäste bieten. Das Catering im Schloss wird wahlweise vom Hotel Krone, Hotel Ochsen oder der Confiserie Haller aus Lenzburg übernommen.

Drei weitere historische Bauten

Der Kanton Aargau hat nicht nur im Schloss Lenzburg kräftig investiert, auch Schloss Hallwyl, Schloss Habsburg und das Kloster Königsfelden wurden unter der Aegide von Museum Aargau auf Vordermann gebracht. Überall wird die Geschichte am Originalschauplatz in allen Details dargestellt. Private Gönnerorganisationen sorgen für eine zusätzliche finanzielle Unterstützung.

Weit über 1000 Mitglieder zählt der Verein Freunde der Lenzburg. Das ist für die Schlossanlage auch beste Propaganda von Mund zu Mund. Aufwendige Werbekampagnen muss Jud jedenfalls nicht anstossen. Das Ritterhaus ist selbst ohne gezielte Vermarktung beinahe ein Selbstläufer, wie die vielen Stammkunden belegen.