Mehr als 5 Milliarden Dollar hat Glencore letztes Jahr verdient. Den zehnstelligen Gewinn verdankt der Bergbaukonzern zu einem beträchtlichen Teil dem Kobalt: Der Preis für das rare Metall hat sich letztes Jahr mehr als verdoppelt – und Glencore ist der wichtigste Produzent weltweit. Vor allem in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) baut der Konzern das Metall ab, wo er die Mehrheit an der riesigen Katanga-Mine besitzt.

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Der Abbau in dem wichtigsten Produktionsland dürfte sich für Glencore bald deutlich weniger lohnen. Der Kongo will einen grösseren Teil der Einnahmen aus dem lukrativen Geschäft. Voraussichtlich morgen Freitag wird die Regierung neue Lizenzgebühren für die Minenbetreiber in Kraft setzen: Laut dem «Wall Street Journal» werden sich die Steuern auf den Einnahmen der Konzerne aus Kobalt verfünffachen – zudem wird die DRC neue Abgaben einführen, sollte der Preis für das Metall weiter steigen.

Ivan Glasenberg: Der gebürtige Südafrikaner ist Chef von Glencore.

Audienz in Kinshasa

Glencore-Chef Ivan Glasenberg und die Topmanager anderer Rohstoffkonzerne versuchten laut dem «WSJ», den Staatspräsidenten Joseph Kabila gestern Mittwoch persönlich in der Hauptstadt Kinshasa von seinen Plänen abzubringen – offenbar ohne Erfolg. Kabila wolle das Gesetz unverzüglich in Kraft setzen, melden Nachrichtenagenturen. Nun bleibt Glencore und seinen Konkurrenten noch die Möglichkeit, vor einem internationalen Gericht gegen den DRC zu klagen.

Sich komplett aus dem Kongo zurückzuziehen, dürfte den Konzernen aber schwerfallen. Das zentralafrikanische Land produziert mit Abstand am meisten Kobalt, und unter der Oberfläche befinden sich auch die grössten Reserven weltweit. 64'000 Tonnen Kobalt wurden 2017 in der DRC abgebaut. In Russland, der Nummer zwei der Produzenten, waren es laut den Zahlen des U.S. Geological Survey lediglich 5600 Tonnen.

Begehrt dank E-Auto-Boom

Das neue Gesetz gefährdet Glencores Einkünfte in einem vielversprechenden Geschäft: In den nächsten drei Jahren möchte der Zuger Konzern seine Produktion von Kobalt um 133 Prozent steigern. Damit reagiert Glencore auf die unglaubliche Nachfrage nach dem Metall: Der Boom der Elektroautos hat Kobalt für viele Hersteller unverzichtbar gemacht.

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Tesla: Für solche E-Autos werden kiloweise Kobalt benötigt.

Quelle: Keystone

Und weil Kobalt beispielsweise auch für Smartphones benötigt wird, steigt der Bedarf zusätzlich. Es ist ein regelrechter Wettbewerb um das Metall entstanden, Konzerne wie Volkswagen oder Apple verhandeln direkt mit Bergbaukonzernen, um sich den Nachschub zu sichern.

Der Ruf hat gelitten

Glencore hat sich wegen des Engagements im Kongo schon in der Vergangenheit Probleme eingehandelt. Zu der Katanga-Mine und weiteren Produktionsstandorten kam der Zuger Konzern dank der Zusammenarbeit mit dem israelischen Geschäftsmann Dan Gertler, welcher der Korruption verdächtigt ist. Glencore will von Gertlers mutmasslichen Schmiergeldzahlungen nichts gewusst haben. Der Konzern musste sich auch wegen Vorwürfe über die Produktionsbedingungen in der DRC verteidigen. Hilfswerke warfen dem Konzern unter anderem vor, Gewässer zu verschmutzen. Glencore wies die Anschuldigungen zurück.

Der Konzern bemüht sich wegen der verschiedenen Vorwürfe um Transparenz. So legt Glencore beispielsweise offen, wie viele Abgaben er an einzelne Staaten abgibt. 2016 bezahlte Glencore Steuern in Höhe von knapp 170 Millionen Dollar an den Kongo. Diesen Betrag wird Glencore wohl bald deutlich erhöhen müssen.