Einer, der vor kurzem den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, ist Julian von Känel. Anfang Juli gründete der junge Thuner die Personalvermittlungsfirma Youngtalent.ch und liess sie im Schweizer Handelsregister eintragen. Damit erfüllt er sich den Traum von der eigenen Firma. Von Känel ist nicht der einzige, der von der guten Wirtschaftslage profitieren will. «In jeder Hochkonjunktur nimmt die Anzahl neu gegründeter Firmen zu», sagt Bernhard Grisiger vom Wirtschaftsdienst Dun & Bradstreet. Dabei seien es oft die gleichen Branchen, die überdurchschnittlich schnell wachsen, so der Analyst.

Zwischen Januar und Juli 2007 wurden 18 367 neue Firmen in das Handelsregister eingetragen. Das sind 5,5% mehr als in der Vorjahresperiode und so viele wie noch nie. Nach der Studie von Dun & Bradstreet ist die Zunahme bei der Personalvermittlung mit 70,2% am höchsten. Dass bei hohem Wirtschaftswachstum die Personalbüros am meisten zulegen, ist für Grisiger leicht zu erklären. Unternehmen würden dann nämlich Personal aufstocken, wodurch es mehr Stelleninserate gebe. Darin wiederum sähen Personen eine Chance auf Selbstständigkeit, die bereits in der Personalvermittlung arbeiten. Georg Staub vom Verband der Personaldienstleister Swissstaffing ist gegenüber der Spitzenposition der Personalbranche skeptisch und relativiert. «Die Anzahl neuer Betriebe auf dem Markt ist relativ gering. Es gibt aber eine Menge neuer Filialen, weil die bestehenden Anbieter ihre Filialstruktur ausbauen.»


Geringe Überlebenschancen

In der Schweiz besteht in der Personalvermittlung ein Oligopol. Nach Staub teilen sich die fünf grössten Player etwa 50–60% der Marktanteile. Diese seien international und vertraglich derart gut verflochten, dass kleine Einzelfirmen kaum mehr eine Chance hätten. Deshalb sei die Überlebensquote neuer Personalbüros relativ klein, meint der Geschäftsleiter von Swissstaffing. In der Personalbranche müsse zudem zwischen der Vermittlung von Personal und dem Arbeitsverleih unterschieden werden. Personal «vermitteln» könne jeder. Die Temporärvermittlung hingegen brauche deutlich mehr Effort, weshalb hier auch die Entwicklung nicht derart dramatisch sei, so Staub.

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Das durchschnittliche Jahreswachstum im Temporärarbeitsgewerbe betrug nach dem Verband der Personaldienstleister in den vergangenen zehn Jahren rund 10,9%. Auch im letzten Halbjahr ist die Branche gewachsen. Im Juni und Juli dagegen sind die Zahlen leicht gesunken. Grund dafür seien der ausgetrocknete Markt und der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, erklärt Georg Staub. Um auf dem Markt erfolgreich zu sein, müssen einige hundert Parameter beachtet werden. Damit man gegenüber dem Einsatzbetrieb und gegenüber den Kandidaten glaubwürdig sei, brauche es gute Kenntnisse der gesetzlichen Realität und der Gesamtarbeitsverträge. Zudem verspreche nur eine wirkliche Nische heute noch Erfolg, ist sich Staub sicher.

Jungunternehmer Julian von Känel lässt sich trotz allem nicht entmutigen. Er will gezielt junge Talente an Schweizer Grossunternehmen vermitteln. Neben der zündenden Idee brauche es nämlich bei der Gründung einer eigenen Firma auch viel Mut und Entschlossenheit, so der 22-Jährige.


Alltag bestimmt weitere Ränge

Nach der Personalvermittlung gibt es in der Holz- und Möbelindustrie prozentual am meisten Zuwachs. Auf dem dritten Platz folgt die Immobilienverwaltung. Diese Rangverteilung erstaunt Grisiger von Dun & Bradstreet nicht. Es lasse sich am Alltagsablauf der Menschen nachvollziehen, welche Branchen am meisten zulegen. Denn wenn der private Konsum steigt, investieren die Menschen als erstes in ein neues Haus oder richten ihre Wohnung neu ein.

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Viele Konkurse im Gastgewerbe - Neueinsteigern fehlt die Erfahrung

In einer guten Konjunkturlage nehmen nicht nur die Firmengründungen zu, auch die Konkursmeldungen gehen zurück. Im 1. Halbjahr 2007 betrug der Rückgang der Konkurse 5%. Dabei profitieren nicht alle Branchen vom Wirtschaftsboom. Prozentual stieg die Anzahl Konkurse in der chemischen Industrie und im Pharmabereich sowie der Branche der Präzisionsinstrumente und Uhren am meisten. In der Realität handelt es sich hier aber nur um ein paar wenige Firmen. Die meisten Konkurse verzeichnet das Gastgewerbe. 108 Hotels, Restaurants oder Imbissbuden schlossen in den vergangenen sechs Monaten ihre Türen. Auf Position zwei rangiert mit 65 gemeldeten Konkursen die Landverkehr- und Logistikbranche, dicht gefolgt von der Kategorie «übrige Unternehmensdienstleistungen». Darin enthalten sind etwa Gebäudereiniger oder Fotostudios.

Die Gründe für die Zahlungsunfähigkeit im Gastgewerbe sind vielfältig. «Viele Menschen steigen blauäugig ein und unterschätzen die Kosten für Sozialleistungen, Mehrwertsteuern sowie Miet- und Unterhaltskosten eines Restaurants», sagt Tunaj Zef. Er hat das Restaurant Seefeld in Rüti von seinem Vorgänger übernommen, der wegen Konkurs aufgeben musste. Vielen Neueinsteigern fehle die Erfahrung zur Führung eines Restaurants, meint Zef. Zudem sei das Gastgewerbe in hohem Masse von der Konjunktur abhängig. Er selber spüre die gute Wirtschaftslage.

In den vergangenen sechs Monaten habe der Umsatz angezogen und werde wohl noch besser werden, schätzt der Restaurantbesitzer.