Die Teuerung beträgt dieses Jahr laut Schätzung des Bundesamts für Statistik minus 0,4% - letztes Jahr war man von 1,5% ausgegangen. 2010 sollen es plus 0,9% sein. Gemäss der Gewerkschaft Unia und der Konjunkturforschungsstelle (Kof) der ETH sind Kaufkrafteinbussen bei der Lohnrunde 2010 zu vermeiden, weshalb die Teuerung auszugleichen sei. Eine Nullrunde bei den Löhnen würde die Krise verlängern.

Jobs gegen Löhne ausgespielt

Dieser Argumentation folgt Coop. Um den Konsum zu stärken, setzt der Detailhandelskonzern den Fokus auf die Masse der Lohnempfänger und erhöht vor allem die unteren Löhne bis 6000 Fr., und zwar um bis zu 0,9%.

Einigkeit über die Notwendigkeit des Kaufkraftausgleichs herrscht auf Arbeitgeberseite aber nicht: Eine generelle Lohnerhöhung lehnen der Gewerbeverbands- und der Arbeitgeberdirektor wie in den Vorjahren ab (siehe «Nachgefragt» unten). Vor allem in den Exportbranchen und den KMU stünden Nulllohnrunden im Vordergrund. «Lieber keine Lohnerhöhung und dafür Jobs sichern», heisst das entsprechende Motto.

Hinter diesem Credo steht heuer ausnahmeweise auch der Verband Angestellte Schweiz, welcher 24000 Angestellte der Maschinen-, Elektro-, der Pharma- und Chemiebranche vertritt. Er fordert vorläufig keine Lohnerhöhung, sondern ruft zur Erhaltung von Arbeitsplätzen auf. Verbandsdirektor Stefan Studer betont aber: «Eine Reduktion der Löhne darf kein Thema sein, auch nicht im Falle einer Negativteuerung.» Zudem gebe es trotz Krise Unternehmen, in denen die Geschäfte sehr gut liefen, besonders in der Pharmaindustrie. Ausserdem gebe es keinen Zweifel, dass die Löhne bald wieder steigen müssten. «Es besteht seit Jahren Nachholbedarf, weil sich die Reallöhne im Vergleich zur Produktivität nur sehr bescheiden entwickelt haben.»

Anzeige

Tatsächlich hinkten die durchschnittlichen Lohnerhöhungen der letzten Jahre dem Wachstum der Stundenproduktivitätsfortschritte und der Teuerung hinterher (siehe Grafiken unten).

Lohnformel ist umstritten

Allerdings: Aus Arbeitgebersicht taugt die von Angestelltenverbänden oft benutzte Formel für die Berechnung der anstehenden Lohnerhöhung sowieso nichts. Danach ergibt die Addition der Produktivitätsfortschritte mit der Teuerung die Lohnsteigerung. Laut Arbeitgeberdirektor Thomas Daum bedeuten Lohnerhöhungen künftige Kosten, die sich auf die Konkurrenzfähigkeit auswirken. Diese Kosten stünden der Kaufkraftsteigerung gegenüber.

Daum: «Die Lohnpolitik kann nicht an solche Formeln gebunden werden, sondern muss flexibel verschiedene Faktoren berücksichtigen. Das sind vor allem: Die Leistungsfähigkeit und die Aussichten der Unternehmung, die Anforderungen des Arbeitsmarkts, die internen Lohnstrukturen und die Teuerung.»