Google will das weltweit gedruckte Wort digitalisieren. Das gigantische Projekt sorgt für viel Unruhe auf dem Büchermarkt und gleichzeitig für mehr Komfort bei den Nutzern. Mit seinem Buchdienst Google Books plant das Unternehmen, gegen eine pauschale Zahlung von 125 Mio Dollar Bücher von Universitäten und Bibliotheken ohne Zustimmung der einzelnen Autoren im Internet kostenlos zugänglich zu machen. Dazu hat Google einen gerichtlichen Vergleich mit US-Autorenverbänden und Verlagen geschlossen. Um digitalisierte Bücher lesen zu können, gibt es elektronische Lesegeräte. Diese haben den Vorteil, dass sie Hunderte von Büchern speichern können. Die Lesequalität entspricht bei neuen Modellen fast der auf Papier, die Buchstaben werden auf elektronischem Papier dargestellt. Die Geräte kommen dabei ohne störende Hintergrundbeleuchtung aus.

Durchbruch stockt seit Jahren

Vor elf Jahren kam mit dem Rocket eBook das erste elektronische Lesegerät im Handtaschenformat für unterwegs auf den Markt. Der kommerzielle Erfolg blieb aber aus. Nachdem 2007 Amazon in den USA sein Lesegerät Kindle mit drahtloser Mobilfunkverbindung zum Herunterladen von E-Books aus dem hauseigenen Internet präsentierte, ist jedoch Bewegung in den Markt gekommen. Auf der Frankfurter Buchmesse vergangenen Jahres stellten etliche Hersteller wie Sony und Bookeen ihre elektronischen Lesegeräte für den europäischen Markt vor. Auch Amazon präsentierte seinen Kindle. Mittlerweile sind bereits der optimierte Nachfolger Kindle 2 und die Grossversion Kindle DX auf dem Markt. Die Geräte sind aber bisher nur für den US-Markt konzipiert. Vorerst verzichtet das Unternehmen auf eine Markteinführung des Readers in hiesigen Gefilden. Obwohl Amazon den Kindle im 1. Halbjahr 2009 zumindest in Deutschland verfügbar machen wollte. Wann das Gerät in der Schweiz erscheint, ist noch immer offen. Diesen Herbst bringt Sony in diesem Jahr bereits seinen zweiten Reader auf den Schweizer Markt, den Touch Edition PRS 600. Das Gerät ist über einen berührungsempfindlichen Bildschirm zu bedienen und kostet 450 Fr. Der Speicher ist 512 Megabyte gross und lässt sich auf 16 Gigabyte erweitern. Das reicht für 13000 Bücher. Über den Touchscreen können Nutzer Texte suchen und markieren. Auch Musikdateien sowie Fotos kann der Reader darstellen.

Bookeen nennt sein Modell Cybook Opus (rund 400 Fr.). Der lediglich 150 g leichte Mini-Reader mit einem 5 Zoll grossen Display hat mit eingebautem Bewegungssensor eine automatische Textausrichtung. Mit einem Gigabyte-internen Speicher bietet er eine vergleichsweise üppige Speicherkapazität.

Theoretisch sei der Einkauf eines E-Books nichts anderes, als würden Kunden ein gedrucktes Buch im Internet bestellen, sagt Roland Schild vom E-Book-Portal Libreka. «Sie wählen ein E-Book aus, bezahlen dieses Buch und laden es dann auf Ihren Computer. Das geht innerhalb weniger Sekunden.» Ganz so einfach ist es jedoch nicht: Zunächst muss das E-Book für das jeweilige Lesegerät freigeschaltet sein, und bisher gibt es kein einheitliches Leseformat, denn elektronische Bücher sind oft an ein bestimmtes Lesegerät gekoppelt. Google leistet Vorschub und favorisiert für die Digital-Bücher das offene Format ePub für unterschiedliche elektronische Lesegeräte. Google bietet etwa 1Mio Titel nicht oder nicht mehr urheberrechtlich geschützter Bücher als E-Books zum Herunterladen im ePub-Format an.

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Auch Sony will seine elektronische Bibliothek bis Ende des Jahres auf ePub umstellen. «Die Konsumenten sollten sich nicht darüber Gedanken machen müssen, welches Gerät mit welchem Anbieter funktioniert», erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung. Sony setzt mit der Unterstützung gemeinsamer Standards seinen Konkurrenten Amazon gezielt unter Druck.

USA mit Vorreiterrolle

Die digitalen Angebote bei Amazon können bislang nur auf dem Kindle oder dem iPhone gelesen werden. Der Markt kommt also in Bewegung, erst im Juli stieg die US-Buchhandelskette Barnes & Noble in den E-Book-Markt ein und rühmt sich nun, mit einem Angebot von mehr als 700000 Titeln weltgrösster Anbieter digitaler Bücher zu sein. Amazon bietet derzeit rund 300000 E-Books für seinen Reader an. Mit dem Unternehmen Plastic Logic plant Barnes & Noble einen E-Reader mit 9,7 Zoll grossem Bildschirm, der Anfang 2010 auf den Markt kommen und dem Kindle DX Konkurrenz machen soll. Das Gerät unterstützt neben den üblichen Text- und Bild- auch die gängigsten Office-Formate. Zudem soll der Reader mit einem Touchscreen und zwei drahtlosen Verbindungskanälen ausgestattet sein.

Kritiker befürchten jedoch angesichts des Marktdrucks den Ausverkauf des Buches, da die Preise für elektronische Titel schon bis zu 20% unter denen des gedruckten Buches liegen. Ein verstärkter Konkurrenzkampf zwischen E-Book-Anbietern könnte einen weiteren Preiskampf entfachen. Daher fordern einige Branchenvertreter auch für den digitalen Buchmarkt eine Preisbindung. Das wäre eine für das Internet und sein freies Spiel der Kräfte ungewöhnliche Restriktion.