BERUFLICHE VORSORGE . Bisher haben die grossen Schweizer Lebensversicherer in der Beruflichen Vorsorge selten mit den besten Konditionen geglänzt. Das ändert sich jetzt. Denn die Assekuranz setzt dieser Tage einiges in Bewegung, um in den vergangenen Jahren verlorene Kunden wieder für sich zu gewinnen.

Den jüngsten Streich führt dabei Allianz Suisse. Das Unternehmen, das unter CEO Manfred Knof auch in anderen Marktbereichen mit harten Bandagen um Anteile kämpft, steigert die Überschüsse in der 2. Säule für 2007 markant.

«Ambitiöse Wachstumsziele»

Die derzeitige Nummer fünf im Markt erhöht die Verzinsung der Gelder im obligatorischen Teil der Beruflichen Vorsorge von 2,6% (siehe Tabelle) auf 3,1%. Damit liegt die Vergütung deutlich über den gesetzlichen Anforderungen – auch 2008, wenn der vorgeschriebene Mindestzins von heute 2,5% auf 2,75% angehoben wird. Im überobligatorischen Bereich erhalten die Allianz-Suisse-Versicherten einen Zins von 3,4% gutgeschrieben; die garantierte Verzinsung im kommenden Jahr steigt im Überobligatorium von 2,25 auf 2,5%. Und Ruedi Kubat, Leiter des Ressorts Personenversicherungen bei Allianz Suisse, stellt noch mehr in Aussicht. «Im Kollektivleben-Bereich verzeichnen wir derzeit ein überdurchschnittliches Wachstum. Wir werden weiterhin in diese Branche investieren, um unsere ambitiösen Wachstumsziele zu erreichen.»Doch mit diesem Vorhaben ist Kubat nicht alleine. Auch Konkurrentin Axa Winterthur befindet sich in der Offensive. «Wir wollen die Position im Kollektivleben-Geschäft nachhaltig stärken», sagt Firmensprecher Martin Läderach. Für 2008 sind deshalb gleich mehrere Massnahmen geplant. Per 1. Januar führt Axa Winterthur in der Beruflichen Vorsorge die Vollversicherung wieder ein – also eine Leistung, mit der sich bisher Konkurrentin Swiss Life gebrüstet hat. Ausserdem senkt der Versicherer im kommenden Jahr sowohl den Risiko- wie auch den Kostentarif um 10%. Damit werden direkt die Unternehmen angesprochen, die ob der hohen Gebühren bei der Assekuranz in Scharen zu autonomen Sammelstiftungen gewechselt haben. Das ist beabsichtigt: «Wir wollen besonders auf die Bedürfnisse der KMU eingehen», verspricht Läderach.

Abendrot erhöht Zins auf 3,5%

Das bringt die Nummer eins im Kollektivleben-Markt, Swiss Life, unter Zugzwang. Doch diese hält sich bezüglich Überschüsse noch bedeckt. «Der Kollektivtarif von Swiss Life für 2008 ist kompetitiv», ist Frank Keidel von der Medienstelle überzeugt. Auf sicher darf die Mehrheit der Swiss-Life-Kunden nächstes Jahr aber mit tieferen Prämien rechnen; zudem soll die Tarifierung neu branchenabhängig erfolgen.Reagieren müssen auch die autonomen Sammelstiftungen, die bisher von unzufriedenen Assekuranz-Kunden profitiert haben. Zwar seien die besseren Konditionen «keine Bedrohung», sagt Eva Zumbrunn, Repräsentantin ad interim der Interessengemeinschaft autonomer Sammel- und Gemeinschaftsstiftungen (IGaSG). Die Stiftung Abendrot etwa erhöht den BVG-Zins 2008 auf 3,5%.

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