Das Blatt hat sich schlagartig gewendet: Noch am 9. Januar 2012 dementierte Wegelin & Co. einen Bericht der «SonntagsZeitung», wonach die St. Galler Privatbank im Zusammenhang mit den Anklagen der US-Steuerbehörden keineswegs gefährdet sei. Mittlerweile ist klar: Die Anklageschrift «Case 1:12-cr-00002-JSR» sorgt in der Ostschweiz für viel Hektik. Nun hat Wegelin-Teilhaber Konrad Hummler gehandelt und gemäss einem Bericht von «Inside Paradeplatz» den Zürcher Filialleiter geopfert.

Der Filialleiter Christian Hafner taucht in der Anklageschrift immer wieder auf - er soll entsprechende Verkaufsgesprächs-Trainings seiner Angestellten überwacht haben. Zwischen 2005 und 2010 - so der Vorwurf - sollen über 100 US-Kunden ihre Gelder schwarz bei der Bank Wegelin geparkt haben.

Die Schwarzgeld-Akquisitionen sollen aktiv betrieben worden sein, indem potenzielle Kunden durch E-Mails und Postversand angegangen wurden. Zum Zug kam dabei auch die Webseite Swissprivatebank.com, die sich in deutlicher Sprache an Steuerhinterzieher richtete. US-Behörden beziffern die Vermögen auf 1,2 Miliarden Dollar.

Anzeige

Mit der Beurlaubung von Christian Hafner wolle Wegelin offensichtlich versuchen, das US-Justizministerium zu besänftigen und - an Stelle einer Anklage - auf Schuldanerkennung und Busse zu plädieren. Eine Wegelin-Sprecherin bestätigte die Vorgänge in der Zürcher Filiale auch gegenüber «Handelszeitung Online». Ein Präjudiz für schuldhaftes Verhalten solle damit nicht geschaffen werden - die Bankleitung in St. Gallen und der Hafner haben den Schritt gemeinsam beschlossen.

Das Damoklesschwert in den USA ist nicht zu unterschätzen: Auf Grund der Grösse (23 Milliarden Dollar Aktiven) könnten die Amerikaner bei der Privatbank ein Exempel statuieren. Kommt hinzu, dass Hummler in seinem auflagenstarken «Anlagekommentar» die USA immer wieder scharf kritisiert hatte.