In der Abgas-Affäre gehen die Schweizer Konsumentenschützer auf VW zu. Sie streben eine Rahmenvereinbarung mit dem VW-Importeur Amag an, die sicherstellt, dass alle Betroffenen entschädigt werden. Damit soll eine Klageflut gegen VW oder die Amag vermieden werden.

Die drei Konsumentenschutz-Organisationen (Stiftung für Konsumentenschutz SKS, die FRC aus der Romandie und die ACSI aus dem Tessin) wollen der Amag diese Woche ihre Vorschläge für eine Rahmenvereinbarung unterbreiten, wie sie am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gaben. Damit sollen möglichst viele Einzelfälle abgedeckt und die individuellen Schäden unbürokratisch abgegolten werden. Sie erwarten von der Amag bis Ende November eine erste Antwort.

Keine Gutscheine

«Ein Verteilen von Gutscheinen, wie es VW aktuell in den USA praktiziert, genügt angesichts des Ausmasses dieses Betrugsfalles nicht», schreiben die Konsumentenschützer. Denn wer einen Wagen mit der Betrugssoftware besitze, werde wohl einen finanziellen Schaden davontragen. «Es besteht Grund zur Annahme, dass diese Autos auf dem Occasionsmarkt nicht den gleichen Verkaufswert besitzen, den sie vor dem Bekanntwerden der Abgasaffäre innehatten», schreiben die Konsumentenschützer.

So kosten die betroffenen Modelle beim Internetvergleichsdienst Comparis seit dem Skandal 466 Franken weniger als davor. Die tägliche Anzahl aufgeschalteter Inserate hat sich von 142 auf 120 reduziert. Für die Auswertung hat der Vergleichsdienst insgesamt 8572 Inserate im Zeitraum von 24. Juli bis 13. November analysiert.

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120'000 Gutscheine in den USA

In den USA hätten 120'000 Autobesitzer die Wiedergutmachungsgeste im Wert von je 1000 Dollar angenommen, sagte der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn. Er versicherte zugleich, dass den US-Behörden wie verlangt am Freitag Pläne für das weitere Vorgehen vorgelegt würden.

Das Gutscheinpaket von Volkswagen beinhaltet eine Prepaid-Kreditkarte mit 500 Dollar, einen Gutschein im selben Wert, den die Kunden bei einem VW-Händler einlösen können, sowie Pannenhilfe für drei Jahre. Horn bekräftigte, dass die Gutscheine die Kunden nicht von juristischen Schritten gegen Volkswagen abhalten sollten.

Komplexe Nachrüstung

Angefangen hatte der Abgas-Skandal bei VW Ende September, als die Software aufflog, die den Stickoxidausstoss bei Dieselfahrzeugen manipuliert hat. Deswegen müssen die betroffenen Fahrzeuge nun nachgerüstet werden. Betroffen sind Autos mit dem Dieselmotor EA 189.

Diesen Motor gibt es mit 1,2, 1,6 oder 2 Litern Hubraum. Bei jenen Autos mit 1,2- oder 2-Liter-Motoren genügt es, die Software zu erneuern. Das dauert gemäss Amag-Angaben voraussichtlich ein bis zwei Stunden. Bei den 1,6-Liter-Motoren braucht es höchstwahrscheinlich eine komplexere Nachrüstung.

180'000 Autos in der Schweiz betroffen

In der Schweiz sind nach Angaben des Bundesamtes für Strassen (Astra) rund 180'000 Autos von Marken der Volkswagengruppe mit der manipulierten Software bestückt. Davon sollen 128'802 Autos von der Amag stammen.

Seit dem 5. Oktober 2015 gilt ein vorläufiges Zulassungsverbot für solche Fahrzeuge, sofern sie noch nie in der Schweiz zugelassen waren. Insgesamt sind weltweit 11 Millionen Fahrzeuge betroffen.

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Keine Kosten für Kunden

Bei der Amag hiess es, dass sie zusammen mit Volkswagen für den Schweizer Markt ein Gesamtpaket erarbeite, um den Nachbesserungsprozess für die Kunden so angenehm wie möglich zu gestalten.

«Zudem werden keinem Kunden für die Umsetzung der erforderlichen technischen Massnahmen Kosten entstehen», teilte die Amag auf Anfrage mit. Für betroffene Kunden gebe es ein entsprechendes Loyalitätsangebot, wenn sie auf ein neues Fahrzeug von Volkswagen wechseln wollten.

Auch CO2-Werte falsch angegeben

Anfang November wurde zudem publik, dass VW bei rund 800'000 Fahrzeugen den Ausstoss des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) und damit den Spritverbrauch zu niedrig angegeben hat. Davon sind gemäss Amag-Angaben rund 10'000 Autos in der Schweiz betroffen, darunter die Modelle Polo, Golf, Passat, Audi A1 und A3 sowie Skoda Octavia und Seat Leon und Ibiza.

Die Gesamtzahl betroffener Autos in der Schweiz sei noch nicht bekannt, sagte Astra-Sprecher Thomas Rohrbach auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Das Astra warte noch auf die Ergebnisse der Untersuchungen des deutschen Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA).

(sda/ise/chb)