In Nyon ist ein Ersatzneubau für das Hauptgebäude der Forschungsanstalt Agroscope geplant. Dieser verkörpert ein Bauvolumen von 60 Mio Fr. und soll in den nächsten Jahren realisiert werden. Das Bundesamt für Bauten und Logistik lancierte einen Gesamtleistungswettbewerb. Die Fachjury entschied sich aufgrund der ökologischen, funktionalen und ästhetischen Qualitäten für das Projekt, das die Karl Steiner AG gemeinsam mit Devanthéry + Lamunière Architekten, Carouge GE, eingereicht hatte.

«Entre Terre et Ciel», zwischen Himmel und Erde, ist als Projektname für den Ersatzneubau der Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil in verschiedener Hinsicht ein Leitmotiv. Der geplante dreigeschossige Baukörper fügt sich harmonisch in die Landschaft und das bestehende Gebäudeensemble mit dem herrschaftlichen Schloss aus dem 18. Jahrhundert ein. Mit 331 Punkten erreichte «Entre Terre et Ciel» das beste Resultat der drei zum Gesamtleistungswettbewerb eingeladenen Konkurrenten. Die Jury beurteilte die eingereichten Vorschläge insbesondere nach den Kriterien Architektur, Organisation und Technik, Energie sowie Betrieb und Unterhalt.

Optimiertes Raumprogramm

Eine sorgfältige Prüfung durch den Bund als Bauherr und durch Agroscope als Nutzerin hatte vorgängig gezeigt, dass eine umfassende Renovation bzw. Sanierung des Forschungstraktes mit Labors und Büros aus den 70er-Jahren sowie Treibhäusern im Hinblick auf die Kosten und die erwünschten räumlichen, technischen und energetischen Optimierungen keine gangbare Lösung war.

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Das Neubauprojekt «Entre Terre et Ciel» trägt der Anforderung Rechnung, dass der bestehende Flachbau bis zur Vollendung des Ersatzneubaus voll in Betrieb bleibt. Deshalb entsteht der neue Baukörper parallel einige Meter weiter hangwärts. Mit dem Ersatzneubau konnten die Nutzflächen optimiert werden. Der Neubau wird geringfügig breiter und länger. Dafür gibt er sich in der Höhe bewusst zurückhaltend, damit die Wirkung der Umgebungsgebäude und insbesondere des Schlosses als Schlüsselelement weiterhin ausgezeichnet zur Geltung kommt.

Dem Wunsch der Jury entsprechend öffnet sich der Blick sowohl Richtung Savoyer Alpen als auch Richtung Waadtländer Jura. Als Herzstück verbindet ein gläserner Eingangs- und Begegnungsbereich mit zusätzlichem natürlichem Lichteinfall über das Dach und integrierter Cafeteria die beiden Gebäudeflügel.

Vorreiter in Energieeffizienz

Der Neubau wird nach Minergie P Eco zertifiziert. In der Forschungsanstalt ist unabhängig von der Jahreszeit eine gleichbleibende Raumtemperatur zu gewährleisten. Das erfordert ein gutes Zusammenspiel von Heizung und natürlicher Kühlung. Zur Wärmeproduktion setzt Agroscope Changins-Wädenswil in Nyon künftig auf eine Holzschnitzelheizung, an die sämtliche Gebäude inklusive Gewächshäuser via Fernwärme angeschlossen werden. Über ein Freecooling-System, das durch die natürliche Lüftung im Eingangsbereich unterstützt wird, lässt sich die Temperatur an heissen Tagen auf das angestrebte Niveau senken. Auf dem Dach kommen zur Produktion von Warmwasser Thermosolaranlagen zum Einsatz.

Bemerkenswert ist die Fassade aus energetischer und gestalterischer Sicht. Gemeinsam mit der EPFL soll speziell für den Agroscope-Neubau eine noch leistungsfähigere Generation von Fotovoltaikzellen entwickelt werden. Diese rund 30 x 30 cm messenden quadratischen Elemente geben der Fassade zusammen mit reflektierenden sowie braunen und grünen Kacheln die spielerische Wirkung eines Mosaiks, das im permanenten Dialog zu Licht und Farben der Umgebung steht.

Auf Erfahrungen aufgebaut

Im Bereich Projektierung und Planung sind die Karl Steiner AG und Devanthéry + Lamunière Architekten ein seit Längerem gut eingespieltes Team mit spezifischem Know-how für Hightech-Bauten. Dieses konnten die beiden Partner schon beim im Jahr 2009 abgeschlossenen Erweiterungsbau der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) für die Faculté des Sciences de la Vie unter Beweis stellen und erweitern.

Nach dem 2007 vollendeten neuen Forschungszentrum von Merck Serono in Genf stellt die Forschungsanstalt ACW Changins somit das dritte Referenzprojekt in Folge mit der jeweils neusten Generation von Forschungslabors in der Romandie dar. Diese Kontinuität im Bau von Wissenschaftslabors ist eine unabdingbare Voraussetzung, um mit der neusten technischen Entwicklung stets Schritt zu halten und den komplexen Anforderungen dieses Spezialbereichs umfassend gerecht zu werden.