Wenn bei Telekom-Netzbetreibern von Konvergenz die Rede ist, lohnt es sich, immer nachzufragen, wovon genau die Rede ist. Konvergenz kann in diesem Geschäft – aus der Sicht von Konsumenten – auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden: Auf Endgeräten, auf Diensten oder beim Verkauf. In diesem Geschäft, von dem sich Netzbetreiber eine geringere Abwanderungsrate und Mehrverkäufe an bestehende Kunden erhoffen, hat jetzt die Fix-Mobile Convergence Alliance (FMCA), ein loser globaler Zusammenschluss von Netzbetreibern, vier Phasen der Konvergenz definiert, mit denen sich gut bestimmen lässt, wieweit bestimmte Netzbetreiber mit ihren Plänen schon gekommen sind.

Die vier Phasen im Detail

In der ersten Phase werden mobile und Festnetzangebote gebündelt, um eine einzige Rechnung
für alle Leistungen und bessere Preispläne zu entwickeln. Fachleute sprechen dabei indes von einer «Prä-Konvergenzphase». In der zweiten Phase ermöglichen Dual-Mode-Handys eine Kommunikation entweder über GSM-UMTS-Netze oder – beispielsweise in bestimmten Zonen wie im Büro oder zu Hause – über Wireless-LAN.
Somit können GSM-Dienste an einigen definierten Orten mit den Kosten und der Qualität von Festnetzanschlüssen verwendet werden. Bei der dritten Phase werden drahtlose und Festnetzangebote auf einer einzigen Plattform zusammengefasst. Konvergenz erfolgt hier auf der Geräte- und der Netzwerkebene (mit IP-MPLS-Backbone-Netzen). In der vierten Phase schliesslich werden über die drahtlosen und verdrahteten Netze spezielle Kontrollsysteme gestülpt, die automatisch jeweils auf den günstigeren Dienst bzw. den gerade verfügbaren und erforderlichen Dienst wechseln – unabhängig von der Technologie, die dahinter steht.
Mit dieser Klassifizierung ist es möglich, den Stand der Dinge bei einigen Netzbetreibern zu bestimmen. BT beispielsweise ist mit dem BT-Fusion-Projekt in der zweiten Phase, etliche europäische Netzbetreiber wie Telecom Italia, Telefonica oder KPN bewegen sich Richtung dritte Phase, obwohl längst nicht alle auch die dazu gehörenden Services eingeführt haben, die eigentlich zu den Kriterien dieser Phase gehören.
Aus Endkundensicht bringt die Konvergenz theoretisch etliche Vorteile: Ein einziger Kundendienst kümmert sich um alle Zugänge, es genügt ein Endgerät für den Zugang zu allen Netzen und Technologien, und neue Preismodelle ermöglichen es, die tiefen Kosten der Festnetzkommunikation mit der Flexibilität der Mobiltelefonie zu kombinieren. Auf der Ebene der Endgeräte muss nur noch ein Adressbuch nachgeführt werden, und die Dienste lassen sich den Bedürfnissen entsprechend anpassen und einrichten – unabhängig vom Zeitpunkt und vom Ort, an dem die Benutzer sich gerade befinden.
Für Netzbetreiber stehen zwei Technologien zur Auswahl. Der Unlicensed Mobile Access (UMA) ist eine vertikale Lösung und ermöglicht einen nahtlosen Übergang zwischen Technologien (Mobilfunknetze, Bluetooth und WiFi/802.11) und einzelnen Sendezellen. Dieser Standard war im April 2006 verabschiedet worden, hier werden GSM-GPRS-Netze IP-transporttauglich gemacht, ohne dass eine Weiterentwicklung Richtung «Nur-IP-Netzen» vorgesehen ist.
Voice Call Continuity (VCC) steht für die Alternative zur UMA-Lösung. Bei dieser horizontalen Architektur wird das IP-Multimedia-Subsystem (IMS) als zentrales Kontrollsystem für das Roaming und Handover zwischen den Zellen verwendet. Mit IMS werden der IP-Zugang sowie die herkömmlichen GSM-Netze kombiniert, hier ist vorgesehen, dass früher oder später auch der Sprachverkehr über IP transportiert wird. Vor allem bei Firmenkunden ist dieses Vorgehen populär, und gemäss einer Studie von Lucent liegen die Gesamtkosten über einen Fünfjahreshorizont bei einem Drittel einer UMA-Lösung.
Exemplarisch für verschiedene Vorgehensweisen auf dem Hintergrund unterschiedlicher Wettbewerbsbedingungen und Voraussetzungen bei der Konvergenz sind die drei Netzbetreiber BT, France Télécom/Orange und TeliaSonera. France Télécom und TeliaSonera setzen auf eine Kombination von Mobilnetzen und WiFi. BT, ein Festnetzbetreiber ohne GSM-UMTS-Mobilnetz, wechselt bei seinem Produkt BT Fusion von WiFi zu Bluetooth.

Vielfalt von Angeboten

Orange hat in Grossbritannien mit Unik ein ähnliches Angebot wie BT Fusion entwickelt. Endnutzer benötigen einen Breitbandanschluss sowie die Livebox, den WiFi-Hub von Orange. Neben dem Anschluss von drei Handys ist auch DSL sowie der Fernsehempfang mit der Livebox möglich. Und wie BT verrechnet Orange nichts für Telefongespräche, die zu Hause beginnen, auch wenn der Benutzer während des Gesprächs ins Auto steigt und damit auf das Mobilnetz wechselt.
TeliaSonera schliesslich hat nochmal ein anderes Umfeld, weil in Nordeuropa die Mobilkommunikationstarife aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks niedrig sind und Handys eine beliebte Alternative zum Festnetzanschluss darstellen. Konvergenzangebote sind damit in Skandinavien ein Mittel, um den Schwund bei Festnetzanschlüssen zu bremsen, und in der Einführungsphase stieg der Umsatz – ohne dass eine Kannibalisierung bestehender Einnahmequellen befürchtet werden musste.

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