Der Schindler-CEO Jürgen Tinggren gilt bei Unternehmenskennern als brillanter Manager, anspruchsvoller Chef und detaillierter Kenner des Geschäfts. Seit August 2007 führt Tinggren den 11 Mrd Fr. schweren Schindler-Konzern. Jetzt, sieben Monate später, ist es beim Hersteller von Aufzügen und Fahrtreppen zum ersten Abgang in der Konzernleitung gekommen. Geräuschlos wechselte Tinggren per 1. Februar seinen Asien-Chef aus – Emmanuel Altmayer geht, Silvio Napoli, bisher als Chef von Jardine Schindler in Hongkong stationiert, kommt.

Dass Tinggren ausgerechnet diese Position neu besetzt, erstaunt Firmenkenner nicht. Der CEO hat die Regionaleinheit zuvor selber geleitet. Er kenne das Geschäft, das er hervorragend positioniert habe, in- und auswendig, heisst es in unternehmensnahen Kreisen. Jetzt, als CEO, stelle Tinggren die Performance von Schindler in Asien offensichtlich nicht zufrieden. Altmayer wiederum, wird kolportiert, habe sich mit der neuen personellen Konstellation schwer getan.

Die Gründe für den Wechsel kommentiert Schindler derzeit nicht. Konzernsprecher Riccardo Biffi verweist auf die laufende Schweigeperiode, in der Anfragen im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschäftsgang nicht beantwortet werden können.

Wie sich Schindler, hinter dem US-Konzern Otis weltweit die Nummer zwei im Aufzug- und Fahrtreppengeschäft, im vergangenen Jahr in Asien geschlagen hat, wird sich am 28. Februar zeigen. Dann präsentiert der Konzern seinen Jahresabschluss.

Probleme bei Preiserhöhungen

Hinweise auf die Hintergründe zur Personalie Altmayer/Napoli liefert der vergangene Semesterbericht: Die Konzernführung hielt ihre Regionalchefs mit Blick auf die vollen Auftragsbücher im 1. Halbjahr 2007 dazu an, auf die «Verbesserung der Preisqualität» zu achten. Die Preiserhöhungen wurden überall durchgesetzt – ausser in Asien. Auch die im Zwischenbericht aufgeführten Prestigeprojekte sprechen für sich: Von den vier Vorzeigeaufträgen stammt nur einer aus Fernost, und zwar aus Hongkong, dem Verantwortungsgebiet von Altmayer-Nachfolger Silvio Napoli.

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Das World Financial Center in Schanghai dagegen, für Aufzug- und Fahrtreppenhersteller einer der Prestigebauten der vergangenen Jahre, wurde von Konkurrent Thyssen Krupp Elevator, der weltweiten Nummer drei, beliefert. Die Deutschen geben sich seit dem Amtsantritt von Spartenchef Edwin Eichler im September 2006 angriffslustiger als früher. Im Bericht zum Geschäftsjahr 2006/07 (per 30. September), der Anfang Dezember 2007 veröffentlicht wurde, erklärte Eichler Asien zum neuen Gravitationszentrum der Thyssen-Aufzugssparte. «Accept no limits», fordert der 50-jährige, der als nächster Thyssen-Konzernchef gehandelt wird, von seiner Crew. Und er kündigt an: «Im Rahmen unserer Asienstrategie ‹Ex East› werden zurzeit unsere Wachstumsmöglichkeiten in einer der wichtigsten Wirtschaftsregionen der Welt geprüft.»

Parallel will Eichler das margenstarke Vertriebs- und Servicegeschäft weltweit markant ausbauen. Dass er dabei keine Zeit verlieren will, bewies er im vergangenen Geschäftsjahr mit diversen Akquisitionen von Wartungs- und Servicegesellschaften in Italien, Kroatien und Slowenien, wo tausende alte Aufzüge und Fahrtreppen bald erneuert werden müssen. Zudem gründete die Thyssen-Sparte neue Tochtergesellschaften in den europäischen Wachstumsmärkten Rumänien, Litauen und Kasachstan. Schindler tätigte 2007 keine Zukäufe, eröffnete aber in Bulgarien eine eigene Niederlassung.

Blick auf asiatische Hersteller

In den kommenden Jahren will Thyssen Krupp Elevator die erreichte Position – Branchenkenner schätzen den Weltmarktanteil der Deutschen auf 13%, Schindler dürfte rund 18% kontrollieren – nachhaltig auszubauen. Dafür kommen weitere Zukäufe in Frage. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Thyssen bereits seit einigen Jahren vor allem die «kleinen» asiatischen Hersteller im Blickfeld hat. In Frage kommen Hitachi (4% Weltmarktanteil), Toshiba (3%) und Fuji Tech (1%). Alle drei generieren den grössten Teil ihrer Umsätze im wachstumsstarken Asien.

Schindler hält gemäss letzten offiziellen Angaben vom März 2006 25,5% am südkoreanischen Hersteller Hyundai Elevator (unter 1% Weltmarktanteil). Regelmässig kursieren Gerüchte, Schindler plane eine vollständige Übernahme, doch bisher gibt es keine Anzeichen für einen solchen Schritt.

Sinkende Betriebsmargen

Für das Geschäftsjahr 2007 rechnet Schindler mit einem Konzerngewinn von 530 Mio Fr. (vor EU-Kartellbusse in der Höhe von 233 Mio Fr.). Das Ebit-Margenziel liegt nach wie vor bei 10% – 2008 will Verwaltungsratspräsident Alfred N. Schindler «mindestens» diesen Wert sehen.

2006 musste Schindler eine von 9,2 auf 8,4% gesunkene Ebit-Marge vorweisen. Doch auch die Margen von Thyssen Krupp Elevator haben gelitten: 2006/07 erzielten die Deutschen, die stark aufs Volumengeschäft gesetzt haben, eine Ebit-Marge von noch 8,59% (vor Busse). In früheren Geschäftsjahren lag der Wert bei 10%.