Die erste Firmenakademie überhaupt war 1955 das General Electrics Mana-gement Development Institute in Crotonville (New York). Heute wird in den USA an mehreren Hundert Corporate Universities konzern- intern gebüffelt. Seit 1998 wird jährlich der Corporate University Excellence Award verliehen. Unter den Ausgezeichneten war auch die UBS, die 1975 als Pionierin das Konferenz- und Begegnungszentrum Wolfsberg in Betrieb nahm - allerdings nur als Elite-Schmiede für das Top-Management. Seither haben sich andere Schweizer Konzerne auf den langen Weg zur lernenden Organisation gemacht.

Nicht mehr nur Eliten schulen

In Europa hat sich der Begriff Corporate University nicht durchgesetzt, hier wird der Begriff Academy verwendet. Eine Ausnahme bildet die IBM Corporate University, die weltweit jährlich mehr als 700 Mio Dollar für die Personalentwicklung ausgibt. IBM Schweiz investiert jährlich 154000 Trainingsstunden in ihre Mitarbeiter.

Bei Nestlé etwa werden im Trainingszentrum von Rive-Reine bei Vevey jährlich rund 80 Kurse angeboten. Die Schulungsaktivitäten beschränken sich dort keinesfalls auf das Top-Management. Eine grosse Mehrheit der Nestlé-Mitarbeiter profitiert mindestens einmal pro Jahr von einer Schulung. Zudem ist Nestlé die Gründerin des International Management Development Institute Lausanne (früher Imede; heute IMD) und greift bei zusätzlichem Bedarf auf die Kaderschule zurück.

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Die Kühne + Nagel Academy besteht seit dem Jahr 2000. In diesem integrierten «global learning network» werden Mitarbeiter aus über 100 Ländern und 850 Büros geschult. Vor zweieinhalb Jahren wurde das Budget noch als im zweistelligen Millionenbereich beziffert. Da auch Kühne + Nagel von der Krise nicht verschont bleibt, gibt es keine aktuellen Zahlen.

Kein eindimensionales Denken

Die ABB University Switzerland in Baden bietet fachspezifische und betriebswirtschaftliche Kurse in Energietechnik, Automation, Informatik und Prozesse an. Die Weiterbildung richtet sich an die Mitarbeitenden sowie an die Partner von ABB Schweiz. Die Angestellten sind auf die bestmöglichen Kenntnisse der ABB-Technik angewiesen; auf Kundenseite besteht ein Interesse, die ABB-Systeme optimal einsetzen und bedienen zu können, so Mediensprecher Lukas Inderfurth. Jeder Teilnehmer bekommt anschliessend auch ein Zertifikat. Einer drohenden Gefahr zum eindimensionalen Denken widerspricht ABB, denn es handle sich ja nicht um reine Firmenbedürfnisse. Schliesslich seien 60% der Teilnehmer Kunden.

 

 


Business School der Credit Suisse stellt sich den Herausforderungen

Die Credit Suisse taufte ihre Corporate University Business School, die unter der Leitung von Siegfried Hoenle steht. Von Anfang an bestand die Forderung, alle Lernaktivitäten unter einem Dach zusammenzufassen und strategisch auszurichten. «Weil eine Strategie nur umgesetzt werden kann, wenn die Mitarbeiter sie kennen, verstehen, akzeptieren und mittragen. Mit unseren massgeschneiderten Angeboten unterstützen wir die von der Bank geforderten Kompetenzen der Mitarbeitenden und befähigen sie so, die Geschäftsstrategie auch praktisch umzusetzen», sagt Hoenle.

Für den Leiter der Business School ist unverzichtbar, dass Lernen alle Mitarbeiter einbezieht und nicht nur eine Elite gefördert wird. «Die 2004 gegründete Business School ist das gemeinsame Ausbildungshaus für die Credit Suisse weltweit», fügt er hinzu, «wir sind Dreh- und Angelpunkt für die Weiterbildung und Mitarbeiterentwicklung der Bank.»

2008 registrierte die Business School über 32000 geschulte Mitarbeiter, mehr als 88000 Teilnehmertage sowie über 300000 Logins in Web Based Trainings. Die Bildungsstätte verändert sich mit dem Umfeld und passt sich - etwa bei wachsendem Druck auf die Ressourcen - den wechselnden Anforderungen an. So hat sie einige Veränderungen vorgenommen, die sie flexibler machen sollen, und auf Nachfrageschwankungen reagiert. Kernangebote wie die Aus- und Weiterbildung von Managern haben weiter einen hohen Stellenwert, über Ausbildungsinitiativen werden strategische Ziele des Private Banking begleitet. Darüber hinaus werden allgemeingültige Themen, die nicht auf spezifischem Wissen der Credit Suisse beruhen, nicht mehr im selben Umfeld angeboten, zum Beispiel Präsentationstechniken oder Sitzungsleitungen. «Hier engagieren wir Trainer on demand, die Kos-ten sind damit verursachergerecht und transparenter geworden.»

Ein brisantes Thema ist der Umgang der Mitarbeiter mit den heute sehr gut informierten Kunden. Angesichts der Unsicherheit und der hohen Volatilitäten auf den Finanzmärkten ist es gemäss Hoenle noch anspruchsvoller geworden, die Kunden angemessen zu beraten. Diese erwarten zu Recht hohe Fachkenntnisse und das richtige Augenmass bei der Risikotoleranz. Es brauche aber auch Fingerspitzengefühl, wenn man in Zeiten von schwierigen Märkten mit Kunden kommuniziere, «gerade dann aber ist die Nähe zum Kunden entscheidend».

Der Anspruch der Credit Suisse Business School ist hoch. Sie will diese Fertigkeiten sowie Kompetenzen in wegweisenden und auf dem Markt führenden Programmen stärken. In diesen Zeiten keine einfache Aufgabe.(win)