Die Stimmung war ausgezeichnet im November 2014 am Hauptsitz von Sulzer in Winterthur. Soeben konnte der Industriekonzern ein Joint-Venture mit der monegassischen Unaoil-Gruppe in trockene Tücher bringen. Sulzer schloss mit Unaoil, mit der man schon länger im Geschäft war, den Service von sämtlichen rotierenden Maschinen für Öl- und Gas- sowie Energiekunden im südlichen Irak ab. Das Joint-Venture firmierte unter dem Namen Sulzer Rotating Equipment. Die Büros waren in Dubai stationiert, lokale Betriebe und eine Filiale befanden sich im Südirak.

Nun hat sich die Stimmung wohl ziemlich getrübt, denn Unaoil steht im Zentrum des wohl grössten Datenlecks, das die Ölbranche bisher je gesehen hat. Die «Huffington Post» und der australische Verlag Fairfax Media haben Hunderttausende E-Mails von Unaoil ausgewertet. Sie zeigen offenbar, dass Unaoil in millionenschwere Schmiergeldaffären verstrickt ist. Inzwischen haben Justizbehörden in den USA, Australien und Grossbritannien aufgrund der Enthüllungen eigene Ermittlungen aufgenommen - ganz vorne mit dabei ist auch das FBI.

Auf Du mit dem Fürsten

Unaoil gehört der iranischen Geschäftsfamilie Ahsani. Die Ahsanis flohen während der Islamischen Revolution aus dem Iran und wurden britische Staatsbürger. Heute sind sie mit der High Society von Monaco auf Du – etwa mit dem Fürstenpaar – und geschäften weltweit.

Sie betätigen sich auch gerne in karitativen Organisationen und investieren in Londoner Immobilien. Ihr Spezialgebiet aber ist das Anbahnen harter Öldeals in Krisenstaaten wie dem Irak, Libyen, Syrien oder wirtschaftlich hochriskanten Staaten wie Nigeria, Kasachstan oder Aserbaidschan.

Kundenliste veröffentlicht

Mehrere Artikel der «Huffington Post» und «The Age» zeigen, dass im Irak höchste Politiker bestochen wurden. Offenbar hängt auch der aktuelle Bildungsminister mit drin. Weiter veröffentlichten die Häuser eine Liste mit westlichen Firmen, die alle Dienste von Unaoil in Anspruch nahmen (siehe Downloads). An Beispielen von Halliburton, dem australischen Konzern Leighton Holdings sowie Kellogg, Brown & Root (KBR) wurde aufgezeigt, wie Schattendeals im Irak und Kasachstan zustande kamen.

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Die Kundenliste von Unaoil liest sich wie ein Who is Who der Ölbranche. Auch etliche Schweizer Unternehmen sind dabei. Neben Sulzer hat auch ABB die Dienste der Matchmaker von Unaoil in Anspruch genommen. Eine ARB Consulting GmbH taucht ebenfalls auf. Die ehemals in der Schweiz kotierte Weatherford ist auch vertreten. Aus Deutschland gesellt sich MAN Turbo & Diesel dazu, in England Rolls Royce, aus Südkorea findet sich Samsung ein und Hunderte Firmen mehr.

«Null-Toleranz» für Rechtsbrecher

Ein Sulzer-Mediensprecher sagte gegenüber handelszeitung.ch: «Sulzer ist entschlossen, Geschäfte im Einklang mit höchsten ethischen Standards zu führen. Das Unternehmen verfolgt eine Null-Toleranz-Politik bezüglich pflichtwidrigem Verhalten oder der Verletzung geltenden Rechts, sowohl bei seinen Angestellten als auch bei mit Sulzer in Geschäftsbeziehungen stehenden Dritten.» Sulzer nehme die Vorwürfe gegen Unaoil sehr ernst und werde alle notwendigen Schritte unternehmen, sollten sich diese Vorwürfe gegen Unaoil durch weiterführende Untersuchungen bestätigen.

Auch ABB bestätigte die Geschäftsbeziehungen und teilte mit, man wende in der Ausübung der Geschäftstätigkeit höchste Standards in Bezug auf Integrität und Ethik an. Und weiter: «Wir nehmen die Vorwürfe, die mit Verweis auf ungenannte Quellen vorgebracht werden, ernst und werden diese Behauptungen mit Bezug auf unsere Geschäftstätigkeit prüfen.»