Ausgerechnet am Tag, an dem der Kardinalsrat für die Kurienreform tagt, musste sich der früheren Rechnungsprüfer im Vatikan, Nunzio Scarano, wegen Korruptions- und Verleumdungsvorwürfen vor Gericht in Rom verantworten.

Der frühere Mitarbeiter der Vermögensverwaltung des Heiligen Stuhls war am Juni verhaftet worden und steht seit Mitte November unter Hausarrest. Scarano wird beschuldigt an einer gescheiterten Überführung von 20 Millionen Euro Bargeld in einem Privatjet aus der Schweiz am Fiskus vorbei nach Italien beteiligt gewesen zu sein, lautete der Vorwurf der italienischen Justizbehörden.

Dafür soll er einem ebenfalls verhafteten ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter 400'000 Euro gezahlt haben. Das Geld gehört Behörden zufolge der mit Scarano befreundeten Reederfamilie D'Amico aus der gemeinsamen süditalienischen Heimat Salerno.

Im Prozess vor einem Bezirksgericht in Rom ging es zunächst um Verfahrensfragen, weitere Nebenkläger wurden zugelassen. Der Angeklagte Scarano nahm nicht persönlich an dem Verfahren teil. Er hatte stets seine Unschuld beteuert.

Vatikan weist Vorwürfe zurück

Die italienische Regierung und der Geheimdienst AISI beteiligen sich als Privatankläger am Prozess. Neben Scarano sitzen auch der ehemalige Geheimdienstagent Giovanni Zito und der Broker Giovanni Carenzio auf der Anklagebank.

Der Heilige Stuhl hatte zuletzt den Vorwurf einer mangelnden Kooperation mit den italienischen Justizbehörden zur Klärung des Falls bestritten. Der Vatikan habe allen Ersuchen um Rechts- und Amtshilfe der Justiz aus Rom wie aus Salerno zeitnah und ohne Verzögerung entsprochen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.

Die entsprechenden Dokumente seien der italienischen Botschaft beim Heiligen Stuhl vollständig übergeben worden. Zuvor hatten italienische Medien geäussert, die Zusammenarbeit sei nur sehr schleppend und mit zeitlicher Verzögerung erfolgt, und manche Anfragen seien unbeantwortet geblieben.

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(sda/chb)