Mit der vorhergesagten und heraufbeschworenen Krise sehen sich viele KMU mit einer verschärften Liquiditätssituation konfrontiert. Derweil die regionalen Banken offenbar in hoher Liquidität schwimmen, kämpfen die grossen Institute nach wie vor gegen den Geldabfluss. Da sich das Know-how der Finanzierung von grösseren Projekten jedoch beinahe ausschliesslich bei den grösseren Instituten befindet, werden strategische Projekte nicht mehr so einfach finanziert werden können.

Die Liquidität im Griff behalten

Dies wird dazu führen, dass diejenigen Firmen, die nicht über eine der Wirtschaftslage angepasste Strategie verfügen, kurzfristig damit beschäftigt sein werden, primär die Kosten und damit die eigene Liquidität im Griff zu behalten. Die längerfristige Anpassung des Geschäftsmodells, dessen Finanzierung nach wie vor möglich sein sollte, wird so nicht angegangen werden. Das dürfte mittelfristig zu heftigeren Problemen als Liquiditätsengpässen führen.

Das vermeintlich einfachste Mittel bei Liquiditätsengpässen ist, Mitarbeiter freizustellen, Werbebudgets herunterzufahren und Zusatzleistungen für Mitarbeiter bis hin zu Weiterbildungsangeboten zu streichen. Tatsächlich führen solche Massnahmen zu einer kurzfristigen Verbesserung der Liquidität, doch würde damit am falschen Ort gespart: Mittel- und langfristig sind die Unternehmen sowohl auf motivierte, kompetente Mitarbeiter als auch auf sich verkaufende Produkte und Dienstleistungen angewiesen, um ihr Geschäftsmodell zu sichern.

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Die Firmen, die ihre Mitarbeiter trotzdem in Weiterbildungsinstitutionen entsenden, verfolgen damit kurzfristig zwei Ziele: Mitarbeiter müssen nicht sofort entlassen werden, sitzen aber auch nicht unmotiviert da und warten auf bessere Zeiten; gleichzeitig wird die Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeiter erhöht, was die Vermittelbarkeit bei einer späteren Kündigungswelle erhöhen sollte.

Weichen für die Zukunft stellen

Dies ist weder kurz- noch langfristig ein geschicktes Vorgehen, führt es doch dazu, dass die Kostenbasis in der kurzen Frist nicht entlastet wird und die besten Mitarbeiter beim nächstbesten Stellenangebot abspringen.

Vielmehr geht es in der Krise darum, das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen, ob es unter den sich verändernden Rahmenbedingungen noch gültig ist oder ob nicht allenfalls eine Restrukturierung zwecks strategischer Neuausrichtung vonnöten wäre. Nicht ganz unbegründet hoffen viele Berater auf florierende Geschäfte in den nächsten Jahren. Allerdings ist hier ein grosses Fragezeichen zu setzen: Während das Unternehmen fähige, motivierte Mitarbeitende «restrukturiert», werden externe Fachleute hinzugezogen, um die Strategie neu auszurichten.

Es stellt sich die Frage nach der Kernkompetenz sowohl des Unternehmens als Ganzes als auch der Führungskräfte: Sollte nicht die Erarbeitung der Strategie und deren Umsetzung eine der Hauptkompetenzen des Managements sein? Da kann es ja kaum sinnvoll sein, wenn die Firma mehr als den Methodikprozess in der Entwicklung einer Strategie externen Personen überträgt und gleichzeitig fähige Mitarbeiter verliert.

Es geht für die Unternehmen in dieser Situation darum, kurzfristig liquid zu bleiben und gleichzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dazu ist insbesondere die Strategie zu überarbeiten und sind gleichzeitig die (bleibenden) Mitarbeitenden so weit mit Kompetenzen zu versehen, dass sie die erarbeitete Strategie umzusetzen in der Lage sind.

Kurse noch aktueller gestalten

Unsere Weiterbildungsinstitutionen müssten demnach Angebote schaffen, die sich mit den aktuellen Herausforderungen befassen, mit denen sich die Unternehmen konfrontiert sehen. Die Diskussion generischer Fallbeispiele mag zwar für das Angebot von zertifizierten Lehrgängen unumgänglich sein, den entsendenden Unternehmen nützen sie gerade in der heutigen Wirtschaftslage beinahe nichts, müssen die Teilnehmenden doch die auf Beispielen beruhenden Arbeiten noch in ihre eigene Realität transferieren, wozu momentan schlicht die Zeit fehlt.

Nur eine Institution, welche die unternehmerische Realität praxisbezogen aufgreift, kann die Strategiebedürfnisse der Unternehmen befriedigen. Wenn es diese Institution zusätzlich noch versteht, die Umsetzungserfahrungen der Teilnehmenden und des Lehrkörpers zu integrieren, kann von einem realen Nutzen für das jeweilige Unternehmen ausgegangen werden.

Die enorme Zahl von zertifizierten Lehrgängen, die in den letzten Jahren auf den Markt geströmt sind, wird deshalb wohl in der nächsten Zeit dramatisch zurückgehen und etablierten Marken sowie kompetenten Ausbildungsmodellen Platz machen.