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Logistik
Kostendruck treibt den Gigantismus auf der See

Nur mit einer Steigerung der Kosteneffizienz können sich die Reedereien im scharfen Wettbewerb behaupten. Der neuste Gigant ist 400 Meter lang und bewegt sich am Limit der Hafenanlagen.

Veröffentlicht am 13.01.2015

Wegen des gnadenlosen Wettbewerbs werden die Containerschiffe immer gigantischer. Die « CSCL Globe», mit 400 Metern Länge das grösste Schiff der Welt, wird diesen Titel nicht lange tragen. Häfen und Wasserwege halten mit den Containerriesen kaum mehr Schritt.

Die «CSCL Globe» ist knapp 400 Meter lang und 58,60 Meter breit. Sie kann sagenhafte 19'100 Container (TEU) tragen. Der Frachter ist damit fast 60 Meter länger als der grösste jemals gebaute Flugzeugträger und 130 Meter länger als die «Titanic». Nur einige bereits abgewrackte Supertanker waren in der Vergangenheit noch grösser.

Immer grössere Schiffe

Die «CSCL Globe» lief am Dienstag in den Hamburger Hafen ein. Erst vor gut zwei Jahren begrüsste Hamburg die «Marco Polo» der Reederei CMA CGM als grösstes Schiff der Welt. Die war auch schon 396 Meter lang und konnte bis zu 16'000 TEU tragen. Dazwischen trug die Triple-E-Klasse der Reederei Maersk den Titel des grössten Containerschiffs, mit 399 Meter Länge und 18'270 TEU Tragfähigkeit.

Immer schneller lösen sich die Containerriesen an der Spitze ab. Die «CSCL Globe» wird ihren Titel auch nicht lange tragen. Schon wartet die Branche auf die erste Bestellung für ein 22'000-TEU-Schiff.

Noch grössere Schiffe möglich

«Aus schiffbaulicher Sicht wäre es kein Problem, in Kürze bereits 24'000-TEU-Frachter zu bauen», sagt Direktor Jost Bergmann von der technischen Prüfgesellschaft DNV GL. Dazu müssten die Schiffe noch einmal um einen Container-Stellplatz länger werden, um zwei Stellplätze breiter und einen höher.

Schon die «CSCL Globe» setzt eine neue Dimension im Containerschiffbau. Noch vor acht Jahren waren die Schiffe der «Emma-Maersk»-Klasse das Mass aller Dinge, und sie blieben es sechs Jahre lang – mit einer Tragfähigkeit von 15'000 TEU.

Wirtschaftlicher Druck

Nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern vor allem der wirtschaftliche Druck treiben die Entwicklung im Schiffbau voran. Seit Jahren dümpelt die Schifffahrt in der Krise. Es gibt zu viel Frachtraum für zu wenig Ladung; die Überkapazitäten drücken auf die Frachtraten und Erträge der Reedereien.

Da sind grosse Schiffe ein Ausweg, weil sie Kosten sparen helfen. Von den rund 5100 Containerschiffen auf den Weltmeeren gehörten schon vor einem Jahr 551 in die Klasse der Mega-Carrier mit mehr als 8000 TEU. Der Transport je Container ist damit auf den Rennstrecken des Welthandels zwischen Asien und Europa deutlich günstiger. Allein der Treibstoffverbrauch fällt um 20 Prozent niedriger aus.

Allianzen sparen Kosten

Nicht nur die Schiffe, auch die Unternehmen werden immer grösser oder versuchen mit Kooperationen und in Allianzen, Kosten zu sparen. Die führende deutsche Reederei Hapag-Lloyd setzt gerade ihre Fusion mit der Containersparte der chilenischen Reederei CSAV um.

Die «CSCL Globe» gehört zu China Shipping, eine der drei chinesischen Staatsreedereien. Auf der Rangliste der grossen Reedereien steht China Shipping erst auf Platz sieben, aber das Unternehmen gehört zur Allianz «Ocean Three», zusammen mit den Reedereien CMA CGM und UASC aus Nahost. Die anderen grossen Reedereien sind in drei weiteren Allianzen organisiert. Alle gemeinsam beherrschen den Markt und schaffen es so, ihre Schiffe möglichst maximal auszulasten.

Zu wenig Infrastruktur

Grenzen setzen bei der Entwicklung der Schiffsgrössen nicht die Schiffbaukünste der Ingenieure, sondern Wasserwege und die Infrastruktur der Häfen.

In Deutschland wollen Hamburg und Bremen seit langem die Fahrrinnen von Unterelbe und Aussenweser an die grossen Schiffe anpassen, doch noch hat das Bundesverwaltungsgericht kein grünes Licht gegeben. Voll beladen würde die «CSCL Globe» auf der Elbe steckenbleiben.

Weitere Investitionen notwendig

Ähnliche Probleme mit geringen Wassertiefen und engen Wasserstrassen gibt es auch in anderen Häfen. Und die grossen Schiffe brauchen auch grosse Containerbrücken.

Die Terminals müssen investieren und auf dem neuesten technischen Stand sein, wenn sie die Mega-Carrier als Kunden gewinnen wollen. Der Kreis der Häfen, den die Containerriesen ansteuern können, wird immer kleiner.

(sda/lur/ise)

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