Ende 2008 waren an der Schweizer Börse genau 150 ETF kotiert. Der letzte Neuzugang erschliesst den Investoren gar eine neue Anlageklasse - nämlich den Geldmarkt. Das von Lyxor aufgelegte Produkt bildet den EONIA-Euro-Tagesgeldzinssatz nahezu eins zu eins ab. An der Börse hat das Produkt eine Geld-Briefkursspanne (Spread) von unter zehn Basispunkten. Unter den 25 Neukotierungen im vergangenen Jahr war mit dem db-x trackers S&P Select Frontier auch ein Produkt, welches Aktienmärkte von Ländern und Regionen abdeckt, welche für Investoren kaum zugänglich sind. Unter diesen Ländern befinden sich unter anderem: Vereinigte Arabische Emirate, Kasachstan, Pakistan, Kolumbien und Jordanien. Zudem kam mit Julius Bär ein neuer ETF-Emittent an die SIX Swiss Exchange, welcher Gold-ETF mit Währungsabsicherung auflegte und die Anzahl der Produktanbieter auf zehn erhöhte.

Auf Herz und Nieren geprüft

Nicht Produktinnovation, sondern Sicherheit war das grosse Thema in den letzten Monaten. Wenn der Basiswert ein Aktienmarkt ist, der im letzten Jahr über 50% korrigiert hat, dann kann sich auch der ETF dem nicht entziehen. Es ist ja das Ziel der Index- produkte, die Märkte möglichst exakt nachzubilden. Anstatt auf Aktienmärkte war die Nachfrage nach ETF auf Staatsobligationen, Geldmarkt oder Edelmetalle sehr stark.

Neben dem Marktrisiko kann es aber auch Risiken auf Produktebene geben. Das Vehikel ETF als Fonds mit Sondervermögen und Ausschluss des Emittentenausfallrisikos war angesichts der Unsicherheit an den Finanzmärkten ein sehr gut nachgefragtes Finanzinstrument. Und doch wurde auch der ETF kritisch hinterfragt. Ist bei diesem Produkt das Ausfallrisiko wirklich null oder verbergen sich Risiken in der Struktur?

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Nach der europäischen Fondsrichtlinie UCITS III sind bis zu 10% derivative Instrumente im Fonds erlaubt. Etwa die Hälfte der europäischen ETF werden mit einer synthetischen Replikation nachgebildet. Mit dieser synthetischen Replikation halten die Fonds z.B. einen Korb von europäischen Aktien und tauschen mittels eines Swap-Geschäfts die Performance des Basiswerts (z.B. SMI-Index) mit derjenigen des vom Fonds gehaltenen Aktienkorbs.

Entwickelt sich der Schweizer Markt 3% und der europäische Aktienkorb, welcher vom Fonds gehalten wird, nur 1%, dann schuldet die Swap-Gegenpartei dem Fonds diese 2% Performance-Unterschied. Sollte diese Gegenpartei nun über Nacht untergehen, wäre theoretisch mit einem Ausfallrisiko von 2% zu rechnen. Je nach Fondsanbieter werden diese SwapGeschäfte entweder mit mehreren Gegenparteien gemacht oder auch nach kurzen Perioden wieder aufgelöst und ausgeglichen, um das Risiko möglichst tief zu halten. In der Praxis spricht man weni- ger von den 10% als von einem durchschnittlichen Risiko von 1 bis 2%.

Bei ETF, welche den Index mittels physischer Replikation nachbilden, kommt häufig Securities Lending (Wertpapierleihe) zur Anwendung. Mit der Leihe der zu- grunde liegenden Wertpapiere kann ein zusätzlicher Ertrag für den Fonds erzielt werden. Verunsicherte Investoren werden sich aber auch bei dieser Methode die Frage stellen, ob dies nicht riskant ist. Theoretisch ist auch die Wertpapierleihe mit einem Risiko verbunden, in der Praxis werden diese Positionen aber mittels hinterlegten Sicherheiten meist zu mehr als 100% abgesichert.

Information

Wie bei jedem Finanzprodukt ist es auch bei ETF empfehlenswert, sich vor einem Investment mittels Prospekt/Factsheet oder auch direkt beim Produktanbieter zu informieren.

Wie schon im Jahr 2007 hat auch das Jahr 2008 mit 36,8 Mrd Fr. (+54% gegenüber dem Vorjahr) dem ETF-Segment der SIX Swiss Exchange einen Rekordumsatz beschert (siehe Grafik). Die ETF-Vermögen in Europa sind mit 125 Mrd Dollar per Ende November 2008 auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr. Dies ist mit starken Zuwächsen zu erklären, da viele Märkte auch Anlageklassen übergreifend im vergangenen Jahr massiv korrigiert haben.

Auch für 2009 sind die Emittenten positiv gestimmt, da mit einer Rückkehr der Anleger in den Aktienmarkt gerechnet wird. Und um am Markt zu partizipieren, eignen sich ETF mit ihrer günstigen Kostenstruktur optimal. Auch die Schweizer Börse erwartet sowohl den Zugang von neu aufgelegten Produkten wie auch zusätzliche Zweitkotierungen von bereits gehandelten ETF. Die attraktive Produktpalette an der SIX Swiss Exchange könnte vor allem im Obligationenbereich noch verstärkt werden. Aber auch im Aktienbereich sind neue Produkte vorwiegend auf Strategien und Themen zu erwarten.

Interessant ist auch zu hören, dass im Schweizer Private Banking vermehrt der Core-Satellite-Ansatz angewendet wird und ETF auch langsam auf Empfehlungslisten gelangen. ETF sind prädestiniert, um den diversifizierten Kern (Core) eines Portfolios kostengünstig abzudecken und damit eine Marktrendite (Beta) zu erzielen. Den geringeren Vermögensteil machen die Satelliten-Investments aus, welche die Outperformance (Alpha) in dieser Investmentstrategie liefern sollen. Neben aktiven Fonds, Hedge- Fonds und Stock Picking eignen sich dazu beispielsweise auch ETF auf Nischenmärkte, Edelmetalle oder Rohwaren.