Die Krankenversicherer übertrumpfen sich im Herbst regelmässig. Jede will ihren Versicherten die besten und interessantesten Tipps geben, wie diese ihre Prämien senken können. «Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Prämien zu sparen. Wir sagen Ihnen wie», versprechen sie alle.

Zum Beispiel diesen: «Sie können Ihre Medikamente über unsere Versandapotheke beziehen», schreibt Concordia und meint damit den Versandhändler Zur Rose. Dieser verzichtet auf die Apotheker- und Patientenchecks und gewährt auf die Medikamente bis zu 7% Rabatt. Auch Helsana hält ihre Kunden an, die Medikamente bei den Versandapotheken Zur Rose oder Mediservice zu beziehen. Zwingen dürfen die Kassen ihre Versicherten zwar nicht, den Postversand einer örtlichen Apotheke vorzuziehen. Eine Empfehlung für den günstigeren Versand liegt aber laut Bundesamt für Gesundheit allemal drin.

Generika und Fitnessabo

Solche Empfehlungen machen viele Kassen auch bei den Generika. Etwa Groupe Mutuel, Helsana, Sanitas oder Visana. Concordia animiert ihre Kunden, bei Apotheken der Kette Sunstore einzukaufen: Diese würden «einen spürbaren Beitrag zur Kostenstabilisierung bei den Medikamenten leisten, indem sie auf die Pauschalen verzichten». Die Ermässigung beträgt 8 bis 10%. Fast alle grösseren Kassen betreiben auch eine Datenbank, die Originalpräparate und allfällige Generika preislich miteinander vergleicht.
Wenn alle Spartipps nicht weiterhelfen, hilft nur noch das interne Kostenmanagement der Versicherer. Diese müssen sich jährlich mit tausenden fehlerhafter Rechnungen herumschlagen. Der Verband Santésuisse schätzt die Summe aller falschen Rechnungen auf über 1,5 Mrd Fr. Teils handelt es sich um administrative Versehen, teils auch um Betrugsfälle. So wurden beispielsweise Gebärmutterentfernungen bei Männern in Rechnung gestellt.
Prämien haben die Versicherten und somit Kunden der Kassen damit allerdings noch keine gespart. Dies gelingt ihnen auch nicht, wenn sie ihr Fitnessabonnement teilweise von ihrer Kasse zahlen lassen. Die meisten Kassen übernehmen einen Anteil von
maximal 200 Fr., wenn das Fitnesscenter anerkannt ist. Swica zahlt je nach Zusatzversicherung bis 600 Fr. ans Fitnessabo.

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Arzt per Telefon

Doch statt bloss die Prämie zu amortisieren, lässt sich bei allen Krankenversicherungen auch tatsächlich Geld sparen. Etwa mit der Telemedizin: Arzt und Patient begegnen sich bei der Telemedizin nicht in der Praxis, sondern am Telefon, im Internet oder an einer Videokonferenz. Die beiden grossen Anbieter telefonischer medizinischer Beratung sind Medgate und Medi24 – bei ihnen sind fast alle grossen Krankenkassen angeschlossen.
Helsana-Versicherte sparen beispielsweise 8% ihrer Prämie, wenn sie sich verpflichten, vor jedem Arztbesuch die telefonische Gesundheitsberatung in Anspruch zu nehmen. Andere Kassen geben bis 15% Rabatt auf die ordentliche Prämie. Sie wollen dank Telemedizin unnötige Arztbesuche vermeiden. Notfälle und die jährliche gynäkologische Vorsorgeuntersuchung sind von Telmed nicht betroffen.
Aufwind verspüren in letzter Zeit die Light-Modelle, auch PPO (Prefered Provider Organisation) genannt. Die Versicherten verpflichten sich, im Krankheitsfall einen Arzt aufzusuchen, den sie aus der Ärzteliste der Krankenkasse auswählen. Ausgenommen sind auch hier Notfälle. Diese Listen sind bei den Ärzten umstritten und unbeliebt. Sie fürchten, dass die Kassen nur kostengünstig arbeitende Ärzte darin aufnehmen. Trotzdem verwenden viele Versicherungen mittlerweile solche Listen, ihre Prämien sind bis 20% günstiger als diejenigen der Grundversicherung. HMO oder echte Hausarztmodelle bieten ebenfalls Sparpotenzial bis 20%.
Ein zweifelhaftes Modell ist jenes der Bonus-Versicherung. Es funktioniert im Prinzip gleich wie eine klassische Kaskoversicherung für Motorfahrzeuge: Wer keine Leistung bezieht, fährt günstiger, die Prämie sinkt bis maximal zur Hälfte. Einzelne Krankenkassen bieten dieses Modell an, ohne gross dafür zu werben. Groupe Mutuel lockt beim Abschluss mit einem Rabatt von 20% auf den Grundtarif. Es handelt sich jedoch um eine Zusatzversicherung.

Bonus kein Renner

Helsana kennt ein Bonus-Modell beim Spitalzusatz. Und Infras gewährt einen Bonus bei der Zahnversicherung – die Kunden profitieren allerdings erst, wenn sie fünf Jahre keine Leistung bezogen haben.
Der Grund, weshalb es bei den Kunden auf wenig Akzeptanz stösst, liege in der Tatsache, dass man zuerst einen Malus einberechnen müsse, sagt CSS-Sprecher Stephan Michel. Man startet also mit einem Minus im Vergleich zur konventionellen Prämie. Das macht das Produkt nicht sehr attraktiv. Generell dauert es bei den Bonus-Modellen zu lange, bis die Kunden in den Genuss tieferer Prämien kommen; deshalb sind sie auch kein Renner.
Als weitere Lösung bleibt der Kassenwechsel.

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Kassenwechsel: So wechselt man die Versicherung richtig

Hintergrund
Die Grundversicherung kann nach Bekanntgabe der offiziellen Prämien für das jeweils nächste Jahr gewechselt werden.

Leistungen
Dies kann sich lohnen, weil die Leistungen der Grundversicherung gesetzlich vorgeschrieben und somit bei allen Anbietern gleich sind.

Sparpotenzial
Familien haben laut Angaben des Vergleichsdienstes Comparis ein jährliches Sparpotenzial bei den Prämien von 1000 bis 3000 Fr., wenn
jedes Jahr die Krankenversicherung gewechselt würde.

Fristen
Die Grundversicherung kann man bis zum 30. November mit einem eingeschriebenen Brief kündigen. Zusatzversicherungen meist drei Monate im Voraus auf Ende des Jahres.

Optimieren
Möchte man die Franchise ändern oder ein anderes Modell (z.B. HMO) wählen, muss man dies der Kasse ebenfalls bis am 30. November mitteilen.