Die anhaltend gute Auftragslage in der Bauwirtschaft hat zu einer weiteren Erhöhung der Preise für Bauleistungen geführt. Auch wenn die detaillierten Zahlen des Bundesamts für Statistik erst am 20. Dezember veröffentlicht werden, so kann jetzt schon gesagt werden, dass sich die Phase der starken Zunahme der Baupreise 2007 gemäss Seco mit + 4,5% weiter fortgesetzt hat. Dazu beigetragen haben massgeblich die volatilen und tendenziell steigenden Stahl- und anderen Materialpreise sowie die deutlich höheren Energiekosten. Aber auch höhere und neue Abgaben (LSVA und CO2) verteuern die Bauproduktion spürbar.

Ob in einer Situation mit unvermindert hartem Konkurrenzkampf die Unternehmungen eine für das Weiterbestehen dringend notwendige Verbesserung der Ertragslage generieren können, ist fraglich. Die vollen Auftragsbücher und die ausgelasteten Kapazitäten garantieren für viele Baufirmen noch keinen genügenden Ertrag.Dieses schon seit längerem anhaltende Auseinanderklaffen der Schere von Umsatz und Ertrag macht weitere Rationalisierungen in der Produktion erforderlich.

Ursachenforschung

Da die Baukosten seit mehr als drei Jahren im Aufwärtstrend sind, ist es aufschlussreich, die Gründe dafür zu eruieren. In einer vom Bundesamt für Wohnungswesen in Auftrag gegebenen Studie wurde der Baukostenentwicklung und der Kostenveränderung nachgegangen. Dabei wurde in vier Zehnjahresschritten aufgezeigt, welche Faktoren in welchem Ausmass und zu welchem Zeitpunkt für Kostenänderungen verantwortlich waren.

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Es wurde deutlich, dass Anfang der 90er Jahre die sich bis dahin parallel entwickelnden Indizes der Baukosten und der Konsumentenpreise trennten. Dies zeigt, dass die Konsumentenpreise ab 1990 auf einem höheren Niveau verliefen. Das brachte auch die Erkenntnis, dass die Kostensteigerung sich in ganz bestimmten Bereichen bzw. Arbeitsgattungen manifestiert.

Lebenszykluskosten-Kalkulation

Bei der Erstellung von Neubauten beläuft sich ein Fünftel der Gesamtkosten auf Planungs- und Erstellungsinvestitionen, aber das Gros von vier Fünfteln der Aufwendungen während der gesamten Nutzungsdauer häuft sich für Betrieb und Unterhalt eines Gebäudes an. Diese Einsicht hat in der Bau- und Immobilienwirtschaft einen Paradigmenwechsel in Richtung Kostenerfassung eines Gebäudes über den ganzen Lebenszyklus bewirkt. Die Branche habe erkannt, dass eine langfristige lebenszyklusorientierte Betrachtung Not tut, stellt dazu Prof. Gerhard Girmscheid vom ETH-Institut für Bauplanung und Baubetrieb fest. Als Lösungsansatz zu einer verbesserten Kostenoptimierung für die ganze Lebensdauer werden betriebswirtschaftliche und volkswirtschaftliche Nachhaltigkeit sowie Prozessveränderungen vorgeschlagen. Das soll mit einer stufenweisen Erweiterung der Leistungen auf die nachgelagerte Wertschöpfung sowie mit einer Rückkopplung der Informationsflüsse erfolgen – und zwar von der Nutzungsphase in die Planungs- und Ausführungsphase und umgekehrt.

Datenbanken für Immobilien

Heutige Bauprojekte stellen oft keine ausreichend nutzungspezifischen Informationen bzw. Dokumentationen für die kostenintensive Betriebsplanung bereit. Dabei wäre es notwendig, ein Gebäude-Informationssystem zu implementieren, mit dem man frühzeitig die Weichen für eine optimale Bewirtschaftung stellen könnte. Da es heute von den wenigsten Immobilien ein digitales Gesamtbild gibt, müsste man die Bauherren für den Aufbau einer Gebäudedatenbank motivieren.