Die Krankenversicherung KPT ist wegen ihres umstrittenen Aktienprogramms für ihre Angestellte in die Schlagzeilen geraten. Wegen der Empörung über die geplanten hohen Zahlungen an Mitarbeiter ist die im Mai verkündete Fusion mit Sanitas völlig in den Hintergrund gerückt. Nun zeigen Recherchen der «Handelszeitung»: Während die Wettbewerbskommission (Weko) das Vorhaben der beiden Krankenversicherer abgenickt hat, stellt sich die Finma quer. Damit ist die Fusion zwischen Sanitas und KPT vorerst aufgeschoben.

Ursprünglich hatten die beiden Krankenversicherer den rechtlichen Schulterschluss auf Ende August geplant. Nun stellt sich aber das von der KPT beabsichtigte Aktienrückkaufsprogramm dem Zusammenschluss in den Weg. «Leider verzögert sich die Finalisierung des Zusammenschlusses», bestätigt Sanitas-CEO Otto Bitterli.

Der von der KPT geplante Rückkauf von Mitarbeiteraktien hat die Finma auf den Plan gerufen, denn sie muss die Vorgänge von Amtes wegen prüfen. Doch das nimmt Zeit in Anspruch. «Die Prüfung ist am Laufen», sagt Finma-Sprecher Alain Bichsel. Die Fusionspartner ständen in regelmässigem Kontakt mit der Finma zwecks Erläuterung und Nachlieferung von Informationen.

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Umstrittene Millionenzahlungen

Im Jahr 2006 bot die Tochtergesellschaft der Berner Beamtenkasse, die KPT Versicherung AG, den Verwaltungsräten, Geschäftsleitungsmitgliedern und Angestellten Mitarbeiteraktien zum Preis von 28 bis 40 Fr. an. Aufgrund des geplanten Zusammenschlusses wollte die KPT-Holding die Anteilscheine zu einem Preis von 600 Fr., also um rund 1500 % höher, zurückkaufen, wie der «SonntagsBlick» Ende Juni enthüllte. Einzelne Kadermitarbeiter wären damit zu Millionären geworden. Derzeit ist das Aktienrückkaufsprogramm vom KPT-Verwaltungsrat sistiert. Von der Finma wird abgeklärt, ob die hohen Gewinne auf den Mitarbeiteraktien zulasten der Versicherten und/oder der Solvenz gehen würden.

Während die Finanzmarktaufsicht den Fall KPT analysiert, hat die Wettbewerbskommission den Zusammenschluss mit Sanitas bereits vor einigen Wochen abgesegnet. «Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht gab es keine Anhaltspunkte für eine marktbeherrschende Stellung, die den wirksamen Wettbewerb beseitigen würde», sagt Weko-Sprecher Patrik Ducrey. Zwar seien die Mitarbeitervergütungen der KPT erst nach dem Weko-Entscheid bekannt geworden. «Diese hätten aber auch sonst keinen Einfluss auf den Entscheid gehabt, weil sie keinen Zusammenhang mit der ?Marktstärke? der fusionierenden Unternehmen haben.»

Angst vor Reputationsrisiken

Ob die Finma die geplante Fusion verhindern wird, will Finma-Sprecher Bichsel nicht kommentieren. Das Prüfverfahren sei noch nicht abgeschlossen. Gleichzeitig fügt er aber an: «Die Finma kann die Fusion zulassen, mit Auflagen versehen oder verhindern.»

Insider vermuten, dass die Finma die gesetzlichen Bestimmungen in Sachen Zusammenschluss von Sanitas und KPT genauestens überprüfen wird. Grund: Der politische Druck auf die Aufsichtsbehörde sei sehr gross. «Ich denke, die Finma wird in dieser Sache auf Zeit spielen», sagt ein Kenner der Angelegenheit, der nicht genannt werden will. Die Aufsichtsbehörde sei im Zusammenhang mit der Finanzkrise bereits stark kritisiert worden.

Mit der durch die Abklärungen der Finma verursachten Verzögerung verschiebt sich auch der Startschuss zur operativen Umsetzung der Fusion. Die KPT zeigt sich dennoch zuversichtlich: «Wir sind optimistisch, dass wir bald starten können», sagt Sprecher Reto Egloff auf Anfrage. Zudem seien genügend Puffer eingeplant, um trotz möglicher Verzögerungen rechtzeitig mit der neuen Gesellschaft starten zu können. Seitens Sanitas betont CEO Otto Bitterli immer wieder, dass es die alleinige Aufgabe der KPT sei, die Sache zu bereinigen.