Der amerikanische Ketchup-Hersteller Kraft Heinz strebt einen Zusammenschluss mit dem Lebensmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever an. Der niederländisch-britische Konkurrent habe einen «umfassenden Vorschlag» aber abgelehnt, teilte Kraft Heinz am Freitag mit. Umfassend bedeutet: 143 Milliarden Dollar. Unilever hat das Angebot als zu niedrig zurückgewiesen.

Kraft Heinz will sich dennoch darum bemühen, dass es zu einem Geschäft mit dem Hersteller von Aromat, Langnese-Eis, Ben&Jerry's-Glacé, Knorr-Suppen, Dove-Seife und Axe-Deo kommt. Ob aber ein weiterer Vorschlag oder ein formelles Übernahmeangebot gemacht werde, sei ungewiss.

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Aktie von Unilever steigt

Die Unilever-Aktie schoss an der Londoner Börse um bis zu 15 Prozent auf 3848 Pence nach oben – Rekord. Händlern zufolge bot die Nummer fünf am Lebensmittelmarkt für die grössere Unilever 4000 Pence je Aktie. Nach Angaben von Unilever entspricht die angebotene Summe einem Aufpreis von 18 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs der Aktie vom Donnerstag.

Das Kraft-Heinz-Papier kletterte an der Wall Street um 8,3 Prozent auf ein Rekordhoch von 94,50 Dollar. Die Aktien von Unilever- und Kraft-Heinz-Rivalen Nestlé ziehen ebenfalls an.

Buffett an Bord

Ziel des Zusammenschlusses sei es, einen führenden Konsumgüterkonzern zu schaffen, der langfristig wachsen könne, teilte Kraft Heinz weiter mit. «Wir freuen uns darauf, eine Einigung über die Bedingungen einer Transaktion zu erreichen», gab der Philadelphia-Frischkäse-Hersteller sich optimistisch. Er will sich zu gegebener Zeit erneut äussern.

Der Konzern war 2015 aus einer Fusion der Nahrungsmittel-Giganten Kraft und H.J. Heinz entstanden. Einer seiner grossen Investoren ist der Milliardär Warren Buffett und dessen Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway.

Aktivistische Investoren

In Amerika haben in den vergangenen Jahren Investoren die Branche aggressiv umgepflügt. Nun könnten auch verstärkt europäische Konzerne ins Visier geraten. Der Investor Nelson Peltz etwa war massgeblich an der Abspaltung der «Toblerone»-Firma Mondelez von Kraft Foods beteiligt. Auch bei Pepsi hatte sich Peltz eingekauft – scheiterte aber mit dem Versuch, den Getränke- und Snackriesen aufzuspalten.

Der Finanzinvestor 3G Capital übernahm zunächst den Ketchup-Hersteller Heinz und brachte dann die Fusion mit Kraft unter Dach und Fach. Es war nicht der erste Coup: 3G hatte zuvor bei der Fusion von Burger King und Tim Hortons und beim Bier-Zusammenschluss Anheuser-Busch Inbev seine Finger im Spiel.

(reuters/ise)