Die Fusion zwischen den beiden Krankenkassen Sanitas und KPT hat den Startschuss für die Zukunft der Krankenversicherer gegeben. Denn für die Branche ist klar: Auf dem Krankenkassenmarkt wird es zu einer Bereinigung kommen. «Die Konsolidierung hat erst angefangen», sagt Walter Bosch, designierter Verwaltungsratspräsident von SanitasKPT gegenüber der «Handelszeitung». Seiner Ansicht nach wird sich die Krankenversicherungsbranche in den nächsten Jahren auf rund fünf bis zehn grosse Kassen konsolidieren. «Im Interesse der Versicherten und des Marktes», sagt er.

In dasselbe Horn stösst auch die grösste Krankenversicherung, die Helsana-Gruppe. «Ich gehe davon aus, dass in Zukunft der Markt von vier bis sechs grossen Gruppen dominiert wird», sagt Manfred Manser, CEO Helsana.

Auch der Branchenverband Santésuisse rechnet mit weiteren Fusionen. «In der jetzigen Marktstruktur könnten weitere Krankenversicherer ähnliche Überlegungen wie Sanitas und KPT anstellen», sagt Stefan Kaufmann, Direktor Santésuisse.

Diese Entwicklung dürfte besonders das Bundesamt für Gesundheit (BAG) freuen. Die Behörde hat Kassen in finanzieller Schieflage aufgefordert, nach Kooperations- oder Fusionspartnern zu suchen. Diesem Aufruf dürften bald Taten folgen. «Die dringend notwendige Konsolidierung des Krankenkassenmarktes wird in den nächsten Jahren vollzogen werden», sagt Bosch. Trotz der Bereinigung im Krankenkassenmarkt würde aber die Vielfalt an Markennamen und Angeboten nicht verloren gehen.

Big is beautiful

Durch die zunehmende Bereinigung sind sich die Kassen einig, dass nur diejenigen überleben werden, die eine bestimmte Grösse erlangen. SanitasKPT soll diese auch nach dem Anfang Mai getätigten Schulterschluss noch nicht erreicht haben, womit das Unternehmen weitere Akquisitionen ins Auge fasst. «Die optimale Grösse haben wir noch nicht erreicht.

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Neue Partnerschaften und Fusionen sind daher zu erwarten», sagt Bosch. Denn wer zu lange zögere, gebe das Gesetz des Handelns aus der Hand. «Wir werden bestehende Gespräche weiterführen und zusätzliche Partnerschaften suchen», sagt er.

Weiter wachsen will auch die zweitgrösste Krankenversicherungsgruppe, CSS. «Die CSS hat schon immer kommuniziert. dass sie zwischen 2010 und 2012 eine weitere Akquisition plant», sagt CSS-Mediensprecherin Sandra Winterberg. Vorerst dürfte sich die Kasse aber noch um die komplette Integration der Mitte November 2007 übernommenen Intras bemühen. Krankenkassenexperten zufolge, die nicht genannt werden wollen, habe sich diese schwieriger herausgestellt als vorerst angenommen. Entsprechend habe die CSS die Übernahme noch nicht verdaut.

Damit ist die Konkurrenz dem Branchenleader Helsana immer dichter auf den Fersen. Diese hat sich aber ein klares Ziel gesetzt. «Unser Ziel ist und bleibt, dass wir unsere Marktposition festigen wollen», sagt Helsana-Mediensprecher Rob Hartmans. Daher beobachte man auch bei Helsana die Marktgeschehnisse genau. «Wir würden uns eine Gelegenheit sicher genauer anschauen, wenn wir den Eindruck bekämen, dass es sich um eine erfolgversprechende Kombination handelt», sagt er.

Für mittlere Kassen wird es eng

Als Braut schmücken dürften sich vor allem kleine und mittlere Kassen mit einem Versichertenbestand bis 250000. Denn besonders für diese werden die steigenden Kosten als auch das zunehmende regulatorische Umfeld zum Klotz am Bein. «Die Herausforderungen sind für kleine und mittlere Kassen, die in der ganzen Schweiz tätig sind, grösser», sagt Kaufmann.

Das glaubt auch Bosch. «Kleine und mittlere Krankenkassen zeichnen sich heute oft durch eine hervorragende Dienstleistungsqualität für ein spezifisches Zielpublikum aus», sagt Walter Bosch, designierter VRP SanitasKPT. Solche Nischenpositionen seien jedoch schwierig beizubehalten oder auszubauen. Umso mehr glaubt Bosch, dass sich auch kleinere Kassen vermehrt grösseren Gruppen anschliessen werden, wie mit SanitasKPT.

Eine mögliche Zusammenarbeit mit SanitasKPT preist Bosch damit an, dass der Zusammenschluss mit einem starken Partner mit alternativen Angeboten helfen kann, eine selbstständige Positionierung am Markt aufrechtzuerhalten und trotzdem Grössenvorteile nutzen zu können. Und diese Argumente stossen bei den Betroffenen auch auf offene Ohren. «Wir sind mit verschiedenen Krankenkassen im Gespräch», sagt Bosch. Mit der Übernahme der Krankenkasse Agilia, ehemals Malters, habe die KPT gezeigt, wie eine solche Übernahme erfolgreich durchgeführt werden kann.

Währenddessen glaubt der Branchenverband Santésuisse daran, dass besonders ganz kleine Kassen durch ihre Gebietseinschränkung im Markt weiter überleben werden. «Sie besetzen eine Nische, in der sie sehr lokal auftreten und dank sehr schlanker Organisation auch überleben können», sagt Direktor Stefan Kaufmann.

Die fallengelassene Braut

Immer wieder als Übernahmekandidat wird der luzernische Krankenversicherer Concordia gehandelt. Schon 2006 wollte die bernische KPT zur Nummer drei im Krankenkassenmarkt aufsteigen und schmiedete dafür Pläne mit Concordia. Aber nur wenige Monate später wurden die Heiratspläne wieder aufgehoben. Seitens der Unternehmen hiess es, dass die Parteien über die konkrete Umsetzung der Fusion nicht einig geworden seien.

Da sich nun KPT tatsächlich für einen anderen Partner entschieden hat, kann es gemäss Krankenkassenexperten gut möglich sein, dass einer der Branchenleader sich die Concordia unter die Nägel reissen könnte.