Die Wirtschaft Finnlands hat in den letzten 15 Jahren einen enormen Wandel vollbracht. Heute ist Suomi, wie die Finnen ihr Land nennen, ein Hochtechnologieland – vor allem bekannt durch sein Aushängeschild, den Nokia-Konzern, der – entgegen landläufiger Meinung – nicht nur Mobiltelefone herstellt. In Finnland haben heute mehr Bürger einen Internetanschluss und ein Mobiltelefon als in allen anderen europäischen Ländern. Die Transformation der Wirtschaft war in der Umbruchsituation gegen Ende der 1980er Jahre notwendig geworden. Zuvor lagen die Schwerpunkte der Wirtschaft Finnlands im Schwermaschinenbau – wie zum Beispiel dem Schiffbau – und in der Forstwirtschaft. Dadurch hatte sich die finnische Wirtschaft sehr stark vom Export abhängig gemacht, und mit dem Ende der Sowjetunion brach für das Land zudem ein dringend benötigter Absatzmarkt weg.

Die Folge war eine harsche Wirtschaftskrise. Das Bruttosozialprodukt sank um 13%, die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 im Jahr 1990 auf 18,4% im Jahr 1994.

Krise als Chance

Die Wirtschaftskrise führte aber zu einer massiven Umstrukturierung der finnischen Wirtschaft. Staatsunternehmen wurden privatisiert, um den öffentlichen Haushalt zu stabilisieren, und der Staat investierte umfangreich in die Hochschulbildung und den Hochtechnologiebereich. Diese Investitionen legten das Fundament für die heute florierende Mikroelektronikbranche mit Nokia an der Spitze und dienten als Zugpferd des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die Transformation der Wirtschaft sorgte bis zum Jahr 2001 für eine Halbierung der Arbeitslosenquote auf 9,2%. 2007 waren noch durchschnittlich 6,8% der Erwerbstätigen ohne eine feste Stelle.

Angesichts dieses harten Transformationsprozesses verwundert es nicht, dass es für Leena Mörttinnen, die Chefökonomin von Nordea Finnland, entscheidend ist, dass ein Wirtschaftssystem flexibel und offen bleibt und sich nicht gegen Veränderungen stemmt, wie es derzeit am Nokia-Standort in Deutschland der Fall ist. Statt an alten Strukturen festzuhalten, gilt es, Rahmenbedingungen für Neues zu schaffen. So investiert Finnland derzeit beispielsweise viel in die Computer- und Videospielbranche, einen noch kleinen, aber stark wachsenden Wirtschaftszweig.

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Und wie man mit alter Tradition neue Käufergruppen anspricht, macht die finnische Uhrenindustrie vor: Die Firmen Polar und Suunto haben formschöne und multifunktionale Präzisionsuhren für Bergsteiger und Golfer entwickelt.