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Krebsmedizin
Roche: Die Krux mit der Konkurrenz

Severin Schwan: Der Erfolg bei Tecentriq ist wichtig für Roche.Quelle: Keystone

Gute Nachrichten aus Krebsforschung von Roche: Das Immuntherapeutikum Tecentriq performt bei Lungenkrebs. Doch der Aktienkurs gibt trotzdem nach.

Seraina Gross
Von Seraina Gross
07.12.2017

Und er liefert: Der Basler Pharmakonzern Roche hat heute morgen weitere positive Daten zur Wirksamkeit seines Immuntherapeutikums Tecentriq bei der Behandlung von Lungenkrebs bekannt gegeben. In der Kombination mit Avastin und Chemotherapie konnten das Risiko einer Verschlechterung der Krankheit und das Todesrisiko um 38 Prozent verbessert werden im Vergleich mit einer Behandlung mit Avastin und Chemotherapie exklusiv.

Auch die Rate der Patienten, deren Tumor mit Tecentriq schrumpfte, war höher (64 Prozent gegenüber 48 Prozent bei der Behandlung mit nur Avastin und Chemotherapie). Die Studie umfasste Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium, die zuvor noch nicht behandelt worden waren.

Überzeugende Resultate

Morgan Stanley schrieb in einer ersten Reaktion von “überzeugenden“ Resultaten. Trotzdem, die Erwartung, dass der Kurs in den ersten Handelsminuten zulegen würde, bestätigte sich nicht. Roche blieb etwas unter dem SMI. Eine mögliche Erklärung liefert das Bankhaus am frühen Nachmittag nach. Man halte zwar an der Einschätzung fest; aber der Markt sei offenbar der Meinung, dass die Verbesserungen nicht ausreichten.

Die Kombinationstherapie führte zu einer Verlängerung des progressionsfreien Überlebens um anderthalb Monate, von 6,8 auf 8,3 Monaten. Das Problem dabei: Keytruda, das Immuntherpeutikum von Roche-Gegenspieler Merck zeigte in eine Verbesserung von 4,3 Monaten. Bei der allgemeinen Überallrate wiederum schnitt Tecentriq besser ab.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Der Vorgang zeigt, wie schwierig es zur Zeit ist, Aussagen im Bereich der Immunonkologie zu machen. Die drei Spitzenreiter Roche, Merck und BMS, die bereits mit einem Immunonkologietherpeutikum auf dem Markt sind, liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Klar ist nach den jüngsten Entwicklung, dass Roche ganz vorne mitspielt. Das zeigte sich im November, als ein erstes Update zu den nun im Detail veröffentlichten Studienresultaten zu Tecentriq dazu führte, dass die Aktienkurse der beiden Konkurrenten deutliche nachgaben.

Erfolge wie der bei Tecentriq sind wichtig für Roche. Das Unternehmen steht vor einem beispiellosen Transformationsprozess, wie Handelszeitung berichtete. Das Unternehmen ist mit drei Blockbustern am Markt, deren Patente bereits abgelaufen sind oder in nächster Zeit auslaufen. Es handelt sich um Mabthera/Rituxan (Lymphdrüsenkrebs), Herceptin (Brustkrebs) und das gegen mehrere Krebserkrankungen zugelassene Avastin. Der Umsatz der drei Medikamente belief sich 2016 auf 20,9 Milliarden Franken. Das entspricht knapp 40 Prozent des Gesamtumsatzes oder der Hälfte des Pharmaumsatzes.

Bei der Immunonkologie handelt es sich um eine neue Form der Krebsbehandlung, die darauf basiert, den Körper bei der Abwehr der kranken Zellen zu unterstützen und die Abwehrmechanismen der Krebszellen auszutricksen.

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