Alarm an den Finanz- märkten die seit einem Monat schwelende Kreditkrise hat eine neue Eskala- tionsstufe erreicht. So musste dieser Tage eine ganze Reihe von Finanzinstituten Beteiligungen am Subprime-Hypothekenmarkt einräumen. Darunter sind längst auch europäische Banken: Die Deutsche Bank etwa ist Gläubiger des kurz vor dem Bankrott stehenden US-Hypothekargebers HomeBanc. Die UBS erhöht beim Kreditankauf in den USA die Ansprüche an die Schuldnerqualität. Und die französische BNP Paribas musste drei Fonds mit Subprime-Beteiligung schliessen, weil Investoren ihre Gelder abzogen.

Dazu passt der wilde Schlingerkurs der Börsenindizes. 4% Veränderung innert Tagesfrist sind am Swiss Performance Index (SPI) inzwischen gang und gäbe. Hans-Peter Hausheer, leitender Ökonom bei UBS Wealth Management, hält die Ausschläge zwar für übertrieben, aber «was die Reaktionen der Anleger betrifft, sind die heutigen Turbulenzen mit dem Platzen der Tech-Blase im Jahr 2000 vergleichbar.»

Liquidität plötzlich knapp

Die Absetzbewegung aus Risikoanlagen hat den Märkten inzwischen so viel Liquidität entzogen, dass sich die Notenbanken, unter ihnen die Schweizerische Nationalbank (SNB), zu einer beispiellosen Aktion veranlasst sahen. Zusammen schossen sie fast 300 Mrd Dollar ins Finanzsystem ein. Das hat zum Wochenanfang die Wogen etwas geglättet. Trotzdem geht die Flucht aus dem Risiko und hinein in Qualität weiter – und zunehmend Richtung Schweiz.
So hat aufgrund der Turbulenzen in den USA und Europa der Franken gegenüber Euro und Dollar zugelegt. Der Franken-Euro-Kurs ist bereits von 1.67 auf 1.64 gesunken, noch angefacht von den Carry-Trades, die nun für einmal zugunsten des Frankens laufen. «Von der Flucht in Qualität hat sicher auch der Franken-Kurs profitiert, denn die Währung gilt den Anlegern als fester Wert», sagt Karsten Linowsky, Bondstratege bei der Credit Suisse. Seine Prognose: «Solange die Risikoaversion anhält, dürfte der Franken fest notieren.»

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Rally der Eidgenossen

Genützt hat die Risikoaversion der Anleger auch Franken-Obligationen, allen voran langlaufenden Staatsanleihen: Die Renditen der 10-jährigen Eidgenossen (siehe Grafik) sind innert fünf Tagen um 20 Basispunkte gesunken – entsprechend stiegen die Kurse. Aber auch Unternehmensanleihen sind gefragt, sagt John Feigl, Head of Swiss Credit Research bei Credit Suisse. Denn Schweizer Unternehmen verfügten oft über gute Finanzprofile und hohe Liquiditätsbestände. «Diese Barmittelreserven dienen als zusätzliche Sicherheit in Zeiten steigender Volatilität», so Feigl. Trotzdem ist im heutigen Umfeld auch bei den Franken-Anleihen nur das Beste gut genug. Die Credit Suisse bevorzugt Kredit-Ratings von A und höher sowie stabile Sektoren: Auch hier sind Nahrungsmittelhersteller Nestlé oder Pharma-Gigant Novartis (beide AAA) feste Werte. Anleihen mit BBB-Rating und tiefer sowie Finanzwerte dürften in den kommenden Wochen dagegen durchgerüttelt werden.
Für die nächste Zeit rechnen die Credit-Suisse-Experten mit einer stabilen Entwicklung bei 10-jährigen Staatsanleihen, während sich die zuletzt stark gesunkenen Zinsen am kurzen Ende erholen dürften. Erholung erhoffen sich die Beobachter auch für den Schweizer Aktienmarkt, der mit seiner Volatilität (siehe Grafik) derzeit kaum als Hort der Sicherheit gelten darf.

Hoffnung auf Notenbanken

Mit der Beruhigung der Lage wird indes eine Rückwärtsbewegung in Aktien erwartet – weshalb die Anlageklasse immer noch übergewichtet wird (siehe Tabelle). «Für die, die ihre Nerven behalten, könnten in bis drei Monaten bereits gute Gewinne winken», sagt Hausheer von UBS. Er mahnt aber auch: «Vorsichtig eingestellte Anleger sollten von Aktienkäufen absehen, bis sich die Lage beruhigt hat.» Die grosse Hoffnung der Investoren ist, dass die Notenbanken nun ihre Zinspolitik lockern werden.