Der IT-Outsourcing-Markt hat 2012 deutlich zugelegt. Allein 24 Ver­träge mit einem Volumen von ­jeweils über 10 Millionen Franken haben die Berater von Active Sourcing in ihrem jüngsten «Sourcing Monitor Schweiz» ­gelistet. Stefan Regniet, Chef des Zürcher Beratungshauses, spricht von einem Rekord, weil seit 2004, als der «Sourcing ­Monitor» startete, noch nie so viele Verträge geschlossen wurden.

In Bezug auf die Auftragsvolumen sieht es allerdings weniger rosig aus, die Megadeals sind ausgeblieben. Denn noch 2009 war mit 22 Verträgen ein Volumen von 4 Milliarden Franken generiert worden. Gleichwohl dürfen die Auslagerungsspezia­listen wieder aufatmen, 2012 sind immerhin 1,87 Milliarden Franken zusammengekommen. Damit hat sich das Volumen gegenüber 2011 mehr als verdoppelt.

Die Firmen stehen unter Druck

Über die Gründe für den Aufschwung besteht Einigkeit. Da die Wirtschaft nach wie vor schwächelt, sind die Unternehmen gezwungen, effizienter zu werden. Darum sparen sie an allem, was nicht ­direkt zum Kerngeschäft gehört. Die Unternehmen in der Schweiz standen bereits letztes Jahr auf der Kostenbremse. Insgesamt sind im Geschäftsumfeld die ICT-Ausgaben 2012 gegenüber dem Vorjahr um rund 93 Millionen Franken auf 16,1 Milliarden Franken gesunken. Die Ana­lysen von MSM Research haben gezeigt, dass dafür weitgehend der rückläufige Hardware-Verkauf verantwortlich war, der Service-Bereich stagnierte.

Anzeige

Laut dem «ICT-Markt Schweiz – Outlook 2013» der Schaffhauser Marktauguren wird es nach dieser «roten Null» 2012 so auch in diesem Jahr weitergehen. Ser­vices und Software werden wieder leicht zulegen, während der Hardware-Sektor weiter negativ bleibt. So kommen die Prognosen bei den Gesamtausgaben für 2013 mit einem Wachstum von 1 Prozent auf rund 16,3 Milliarden Franken. Allerdings bremsen die «vielerorts eingeleiteten Sparmassnahmen ein stärkeres Wachstum der ICT-Ausgaben weiterhin ab», wie MSM Research mitteilt. Und damit schliessen die Analysten an ihre Warnung von vor vier Monaten an. Damals teilten sie mit, dass weitere ICT-Budget-Kürzungen in den Unternehmen anstehen, «wenn insbesondere die anstehenden Staatsschulden-Probleme in der Euro-Zone, die Krise im Bankensektor und die Schwierigkeiten in der Exportindustrie bestehen bleiben». Die Folge sei, dass sich die IT-Chefs bei ­ihren Ausgaben auf die kritischen Systeme und Anwendungen konzentrieren, deren Ausfall Einfluss auf die Kundenbeziehungen und den Geschäftsverlauf hat. Dort liegen die Gründe für die steigende Nachfrage nach Auslagerung. So sagt Alexandre Frick, Verkaufschef bei HP Schweiz Enterprise Services: «Je schwieriger das wirtschaftliche Umfeld ist, desto eher wird ausgelagert.» So wird eine Reduktion der Kosten respektive mehr Transparenz für eine bessere Planbarkeit der Kosten angestrebt, um Freiräume für das Kerngeschäft und mehr Flexibilität sowie Skalierbarkeit für die Anpassung bei Businessveränderungen zu erreichen. ICT-Verantwortliche stellen sich wieder vermehrt der Grundfrage nach dem «make or buy». Hinzu kommt, dass inzwischen auch die Cloud-Angebote immer ausgereifter und vielfach dem Eigenbetrieb überlegen sind. Wobei der Standort Schweiz für die Datenhaltung zum entscheidenden Kriterium geworden ist, wie Frick ausführt.

Ähnlich schätzt Pierre Klatt, Managing Director von T-Systems Schweiz, die Beweggründe für die Auslagerung. Er betont, dass «Kos­teneinsparungen, Effizienzsteigerungen, Innovation, Optimierung der ICT-Landschaft für das Business und für Wachstum sowie Fokussierung auf das Kerngeschäft» die wesentlichen Treiber sind. Gerade global ausgerichtete Unternehmen, so Klatt, müssten «heutzutage über eine dermassen komplexe ICT-Infrastruktur verfügen, dass sie gerne auf spezifisches Know-how von Spezialisten sowie auf fix und fertige End-to-End-Lösungen zugreifen». Im Rahmen eines Outsourcing-Projekts könnten sie ihre Infrastrukturen verschlanken und sie kostengünstiger betreiben. Der wachsende Bedarf an Cloud-Computing führt zu einem neuen Trend: «Viele Unternehmen suchen sich für ganz spezifische Aufgaben Cloud-­Insel-Lösungen und wollen diese dann ­integrieren», erklärt Klatt. Dann stellt sich die Frage, ob es besser ist, diese Integration selbst zu machen oder an einen Dienstleister auszulagern. Outsourcing-Anbietern, die auch Systemintegration bereitstellen, öffnet sich ein neuer Markt.

Anzeige

Firmen legen Zurückhaltung ab

Andreas Lautenschlager, Outsourcing-Experte bei IBM Schweiz, beschreibt drei wesentliche Arten von Outsourcing, die derzeit das Geschäft treiben. Einerseits erneuern respektive verlängern die Kunden ihre Verträge, weil «sie in der unsicheren Zeit keine Änderungen wollen oder ihnen das Risiko einer Transition und Transformation zu hoch» ist. Hierbei könne es aber vorkommen, dass man beim gleichen ­Provider in neue Technologie einsteige. Den zweiten Grund, aufs Outsourcing zu setzen, sieht Lautenschlager in «strategischen Entscheiden, gewisse Services nicht mehr selber zu erbringen und aufgrund des Preisdruckes in Commodity-Services» zu wechseln. Und schliesslich ändere sich die «typische Schweizer Zurückhaltung», die verschiedenen Arten von Infrastructure, Platform, Software as a Service zu nutzen, weil hier die «Erfahrungen mit Cloud-Services aus dem Privatbereich ­hineindrücken».

Anzeige

Das Outsourcing-Prinzip ist dabei in vielen Fällen gleich. «Ein Dienstleister übernimmt die ICT-Landschaft des Kunden, welche er durch Skaleneffekte oder ­Modelle wie Managed beziehungsweise Dynamic Services günstiger betreiben kann», erklärt Klatt. Auf diese Weise fliesse ein Teil der Einsparungen der Unternehmen in einen grundlegenden Umbau ihrer Architektur, ihrer Applikationen und ­Services, und «so lässt sich die Modernisierung auf dem Rücken des Outsourcing ­finanzieren», wie Klatt feststellt.