Am stärksten von der Wirtschaftsflaute betroffen sei die Gütersparte, sagt SBB-CEO Andreas Meyer im Interview mit der «Handelszeitung». «Seit Oktober weht ein bissiger Gegenwind.» Im internationalen Cargo-Verkehr seien im November und Dezember Einbrüche beim Verkehrsvolumen von rund 20% gegenüber den Vorjahresmonaten zu beklagen. Die Krise bei den Autozulieferern und in der Industrie zeige Folgen. Auch seien im Bereich Kombinierter Verkehr die Stahltransporte zurückgegangen. «Es liegt auf der Hand, dass es ein schwieriges Jahr wird.»

Im Personenverkehr sei das Incominggeschäft leicht rückläufig. «Es kommen weniger Touristen», begründet Meyer. Allerdings sehe er für die SBB auch Chancen: «Wir hoffen, Investitionen in die weitere Effizienzsteigerung und in den präventiven Unterhalt unseres Netzes dank des Konjunkturpaketes des Bundes rascher realisieren zu können.» Die SBB haben beim Bund einen Massnahmenplan im Umfang von 500 Mio Fr. angemeldet.

Die Gelder aus dem Konjunkturpaket würden die Kapazitätsengpässe aber nicht aufheben. Die SBB sind bis auf weiteres so ausgelastet, dass Meyer die 1. Klasse stärker von der 2. abheben möchte. «Doch wenn wir die Angebote zu attraktiv machen, dann haben wir in der 1. Klasse noch mehr Platzprobleme.»

Ein Angebotssprung liege ohne Ausbau des Infrastrukturnetzes die nächsten Jahre nicht mehr drin. Um den Ausbau zu finanzieren, hält Meyer eine stärkere Nutzerfinanzierung der Infrastruktur für sinnvoll. Die Preiserhöhungen, welche Ende Jahr anstünden, brauchten die SBB aber allein für die Finanzierung der Betriebsmittel.

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