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Immobilie
Krisenangst wegen 1000-Meter-Turm

Auf einen Hochhaus-Boom folgt häufig eine Wirtschaftskrise, besagt der Wolkenkratzer-Index. Das aktuell entstehende 1000-Meter-Gebäude in Dschidda, Saudi-Arabien, lässt wenig Gutes ahnen.

Von Elena Holodny und Herbert Bauernebel («Business Insider Deutschland»)
am 04.12.2015

Saudi-Arabien will bei der Jagd nach dem höchsten Wolkenkratzer der Erde einen neuen Meilenstein setzten. Mit dem «Jeddah Tower» soll in der Küstenstadt Dschidda am Roten Meer erstmals ein Gebäude entstehen, das mehr als einen Kilometer in die Wolken aufragt. Damit würde das Gebäude den bisherigen Rekord-Wolkenkratzer «Burj Khalifa» in Dubai deutlich schlagen.

Das gewaltige Bauvorhaben in dem Öl-Staat ist der jüngste Höhepunkt eines globalen Bau-Booms, der immer kühnerer Türme hervorbringt: 27 extrem hohe Bürogebäude wachsen gerade in New York, Moskau, Dubai oder diversen chinesischen Metropolen aus dem Boden. Zuletzt kursierten sogar Pläne, ausgerechnet im Irak ein 1.152 Meter hohes Monstrum namens «The Bride» zu errichten.

Grössenwahn der Erbauer

«Cool» kann man diese vertikalen Stahl-Glas-Wahrzeichen finden. Doch historisch betrachtet, folgte auf ihre Errichtung oft ein Wirtschaftseinbruch. Es wirkt fast so, als würde der Grössenwahn der Erbauer bestraft werden.

Unter Ökonomen lautet die Formel ungefähr so: Purzeln bei Hochhausbauten die Rekorde, purzeln bald auch die Aktienkurse und die Wirtschaft stürzt ab.

Um den historischen Trend zu illustrieren, erstellte Analyst JC O’Hara von der Finanzfirma FBN Securities eine Präsentation zum sogenannten «Wolkenkratzer-Index». Dazu verkündete er ominös, dass das oben beschriebene Phänomen durch den Bau des saudischen «Jeddah Tower» bereits ausgelöst worden sei.

Korrelation seit 1896

Tatsächlich zeigt die Kurve des amerikanischen Dow-Jones-Index seit 1896 eine gespenstische Korrelation zwischen extrem hohen Hochhausbauten und Börseneinbrüchen. So ging etwa die Eröffnung des Sears Tower in Chicago (war von 1974 bis 1998 mit 442 Metern das höchste Gebäude der Welt) mit der Weltwirtschaftskrise der Siebziger einher. Dem Bau der Petronas Towers in Kuala Lumpur, Malaysia (diese hielten den Rekord mit einer Höhe von 451,9 Metern zwischen 1998 und 2003) folgte der Asien-Crash der Neunziger.

Billiges Geld würde eine rasche Expansion der Wirtschaft und einen Boom an den Aktienmärkten auslösen, erklärt O‘Hara die Zusammenhänge. Überschüssiges Kapital fliesse auch in gigantische Bauvorhaben, darunter oft die höchsten Gebäude der Welt. Doch wenn die Türme fertig sind, wäre das Ende des Zyklus oft erreicht. Die Blase platze, eine Rezession folge.

Kein gutes Omen für die kommenden Jahre.

Dieser Artikel erschien zuerst im «Business Insider Deutschland» unter der Überschrift «Wolkenkratzer-Index: Folgt auf den neuen Rekord-Turm eine Wirtschaftskrise?».

 

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